Kitzingen
Weihnachtsgeschäft

Kitzinger Paketzusteller im Vorweihnachtsstress

Von wegen stade Zeit: Der Advent ist für Paketzusteller mit sehr viel Arbeit verbunden.
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Das Einsatzgebiet vor Augen: Gerd Kristinus fährt über die Nordbrücke zu seinem Arbeitsort, der Kitzinger Innenstadt.
Das Einsatzgebiet vor Augen: Gerd Kristinus fährt über die Nordbrücke zu seinem Arbeitsort, der Kitzinger Innenstadt.
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Letzte Woche hat er einen Kasten Bier zugestellt. Immerhin: Es war ein ganz besonderes Gebräu. "Whisky-Bier", sagt Gerd Kristinus und muss heute noch schmunzeln. Aber trotzdem: Ein Paketzusteller der Deutschen Post, der einen Kasten Bier durch den Hausgang trägt? "Es gibt sehr ungewöhnliche Zustellungen", bestätigt Gerlinde Feller vom Postfrachtzentrum.

Im Postfrachtzentrum im Gewerbegebiet Schwarzacher Straße in Kitzingen herrscht in diesen Tagen Hochbetrieb. Alle Jahre wieder. So könnte man das Prozedere umschreiben. Nur: So ganz friedlich und weihnachtlich geht es nicht zu. Eher betriebsam und hektisch. Es gibt viel zu tun. Die Adventszeit ist für die Paketzusteller die anstrengendste Zeit des Jahres.

"Es werden immer mehr Sendungen", sagt Kristinus und seine Kollegen am Kantinentisch nicken. Der Internethandel hat auch Auswirkungen auf die Paketzusteller.
Etwa acht Millionen Pakete werden deutschlandweit am Ende der Adventszeit an die Kunden verteilt - pro Tag. "Das Aufkommen steigt im Vergleich zu den Sommermonaten um das Zwei- bis Zweieinhalbfache", sagt Feller. Auf Kitzingen bezogen sind die Zahlen nicht minder beeindruckend: Rund 300.000 Pakete werden hier Tag für Tag bewegt - in einem der zehn größten Postfrachtzentren Deutschlands. Kristinus und seine Kollegen müssen ihren Wagen an manchen Tagen deshalb nicht nur einmal beladen. Das kostet Zeit. Und Kraft.

Um 6 Uhr beginnt der Arbeitstag der Paketzusteller. Zwei Stunden brauchen sie ungefähr zum Laden. Während in den Sommermonaten noch etwas Luft im Laderaum ist, ist er jetzt voll gestopft mit großen und kleinen Paketen. "Um die 300 Pakete habe ich hinten drin", sagt Kristinus und legt den ersten Gang ein. "Ansonsten sind es im Schnitt 180."

Fünf Kollegen beliefern die Geschäftskunden und Privatleute im Stadtgebiet Kitzingen und seinen Stadtteilen mit Paketen. Auch das ein Tribut an die Adventszeit. "Normalerweise sind wir mit vier Mann unterwegs", erklärt Feller.

Gerd Kristinus ist rund um die Kitzinger Innenstadt und am Eselsberg unterwegs. Über die Nordbrücke nimmt er Kurs auf seine ersten beiden Stationen, das Landratsamt und das Rathaus. Etwas später steht der erste Drahtseilakt an. "Der Marktplatz steht im Advent halt immer voll mit Buden", sagt der 51-Jährige. Und am letzten Wochenende war auch noch eine Bühne aufgestellt. Da hilft alles nichts: Vorsichtig im Rückwärtsgang nähern, Auto abstellen und die Pakete mit dem Sackkarren zustellen. Drei mal wiederholt sich das Prozedere: Von der Unteren Marktstraße, von der Oberen Kirchgasse und von der oberen Seite der Marktstraße nähert sich Kristinus den Anliegern in der Fußgängerzone. Dann hat er diesen Bereich geschafft. Ein Ende des Arbeitstages ist aber noch lange nicht in Sicht.

Seit 35 Jahren ist Gerd Kristinus bei der Post. Die letzten Jahre waren auch für ihn eine besondere Herausforderung. "Gerade in der Adventszeit fahren wir ganz viele Pakete von Amazon aus", erzählt er. Am Gesichtsausdruck der Empfänger lässt sich die Freude über das rechtzeitig gelieferte Weihnachtsgeschenk leicht ablesen. Aber natürlich gibt es auch Enttäuschungen und Nachfragen. "Kurz vor Weihnachten halten mich immer wieder Leute auf der Straße an und fragen, ob ich ihr Paket dabei habe", erzählt Kristinus. Ging die Bestellung zu spät heraus oder hat ein Streik die Auslieferung verzögert, kann auch der Paketzusteller als letztes Glied in der Kette nichts mehr ausrichten.

Und noch etwas hat sich im Vergleich zu früheren Jahren verändert. Immer mehr Kunden nutzen die Möglichkeit, ihre Pakete bei den Zustellern aufzugeben. "Die kommen oft mit einem ähnlich vollen Auto zurück, wie sie am Vormittag ausgerückt sind", erklärt Feller. Gerade in den Weinanbaugebieten können auch unhandliche und schwere Pakete mit dabei sein. "18 Flaschen Wein in einem Paket lassen sich nicht gerade leicht transportieren", sagt sie.

Bis zu 31,5 Kilogramm kann ein Paket schwer sein. Der Job als Paketzusteller ist deshalb nichts für schwache Muskeln und Knochen. Gerd Kristinus legt bei der Frage nach körperlichen Beschwerden die Stirn in Falten. "Hüfte, Bandscheiben, Rücken. Mit der Zeit merkt man die Belastung." Kein Wunder: Die rund 300 Pakete, die er und seine Kollegen in der Adventszeit täglich anliefern, müssen nicht nur einmal gehoben werden. Einladen, Umladen, zum Haus tragen, abstellen, wieder anpacken, unter Umständen etliche Treppen hochtragen. "Am Abend ist man ganz schön kaputt", sagt der ehemalige aktive Fußballer des SSV Kitzingen. Und wenn dann skurrile Inhalte verschickt werden, können die Zusteller nur mit dem Kopf schütteln.

In der Kantine, beim schnellen Kaffee vor der Ausfahrt, weiß jeder Kollege von seinem ganz besonderen Favoriten zu berichten: Von einem speziellen Heu, das ein Tierzüchter auf dem Land unbedingt brauchte über Sand fürs Aquarium bis hin zu Klopapier. "Und am nächsten Tag habe ich an die gleiche Adresse ein Set zum Pralinen-Machen geliefert", erzählt der Zusteller und muss selbst lachen.

Gegen 15 Uhr kommen die Zusteller im Dezember wieder am Postfrachtzentrum an. Dann heißt es ausladen und die Abrechnung fertig machen. Gegen 16 Uhr fahren sie in ihren Privatfahrzeugen nach Hause. Müde, aber auch zufrieden. Schließlich haben sie an diesem Tag wieder hunderte Menschen glücklich gemacht.

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