Kitzingen
Schwangerschaft

Kitzinger Hebammen wenden Chinesische Medizin an

Gute Energie durch kleine Akupunktur-Nadeln: In der Kitzinger Hebammenpraxis kommen uralte und zugleich top-moderne Heilmethoden zum Einsatz.
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Aha-Effekt wäre zu wenig. Deshalb hat Claudia Kaiser ein schönes Wort erfunden: Wow-Effekt. "Plötzlich erkennst du die Zusammenhänge im Körper!" Die 32-jährige Hebamme ist fasziniert davon, wie gut uraltes Wissen aus dem Reich der Mitte die westliche Schulmedizin unterstützen und das Wohlbefinden der Menschen steigern kann. Wer sich darauf einlässt, dem könne die alte, asiatische Heilkunst sehr gut helfen. Und weil gerade Schwangere oft besonders sensibel sind, haben drei Buchstaben in der Kitzinger Hebammenpraxis Einzug gehalten: TCM - kurz für Traditionelle Chinesische Medizin.

Individuell und ganzheitlich

Claudia Kaiser ist seit 2004 Hebamme in Kitzingen. Sie hat vor gut sechs Jahren die Hebammen-Praxis im Muldenweg 20 mit aufgebaut. Hunderten Kindern hat sie auf die Welt geholfen und dabei erfahren, dass man jeder werdenden Mutter anders helfen muss und kann.
Der einen bringt Massage Erleichterung, die andere möchte nicht angefasst werden. Die eine entspannt durch Akupunktur, die andere durch die natürliche Wirkung bestimmter Nahrungsmittel. Hebammen müssen sich auf jede Frau neu einstellen, jeden Menschen ganzheitlich sehen - und individuell. "Beides sind Grundlagen der Traditionellen Chinesischen Medizin."

Deshalb haben Claudia Kaiser und ihre Kollegin Eva Lamberski zunächst in Mannheim und München eine TCM-Grundausbildung gemacht. "Wir haben dort gemerkt, wie umfangreich die Thematik ist. TCM hat uns einfach gepackt!"

Vor kurzem hat Claudia Kaiser in China an einem staatlichen Pilotprojekt teilgenommen und direkt in Peking ihre schriftliche, mündliche und praktische TCM-Akupunkturprüfung abgelegt. Mit Erfolg akupunktierte sie dabei einen Patienten mit halbseitiger Gesichtslähmung - ein Dolmetscher übersetzte ihre deutschen Ausführungen ins Chinesische.

In China ist es Alltag

"Die drei Wochen China waren der Wahnsinn", stellt die 32-Jährige fest. TCM gehöre in Peking zum Alltag, etwa die Hälfte aller Krankenhäuser seien TCM-Kliniken, in denen alle möglichen Leiden behandelt werden. "Schulmedizin und TCM halten sich die Waage und werden von den Krankenkassen auch gleichermaßen bezuschusst." Claudias dunkle Augen blitzen, wenn sie von ihren Erfahrungen erzählt. Zusammen mit 15 anderen Deutschen habe sie "mit medizinischen Koryphäen" arbeiten dürfen.

Nicht nur bei der Geburt selbst, sondern schon während der Schwangerschaft lindern die Chinesen viele Beschwerden auf traditionelle Art - "Sodbrennen, Kopfschmerzen, Wassereinlagerungen, Übelkeit, Rückenschmerzen, Schlafstörungen - all das kann bei intakter Schwangerschaft super mit TCM behandelt werden", stellt die Hebamme begeistert fest. "In der Schulmedizin heißt es oft: Medikament nehmen und durch", sagt Claudia Kaiser. "TCM bekämpft nicht die Symptome, sondern erforscht die Ursache."

Zungen- und Pulsdiagnose

Eine umfangreiche Anamnese, auch eine Zungen- und Pulsdiagnose, sei dafür erforderlich, ganz individuell auf den jeweiligen Menschen, seine Lebensumstände und seinen Bi o-Rhythmus ausgerichtet. "Dann gibt es verschiedene Methoden der Hilfe - von der Ernährungsumstellung über Moxibustion bis hin zur Akupunktur. Auch Schröpfen ist eine Option, allerdings erst nach der Schwangerschaft."

Auf den Körper zu hören, sei das Wichtigste. "Man kann und soll in Europa nicht alles wie die Chinesen machen, aber man kann schon vieles von ihnen lernen", betont Claudia. Wer beispielsweise mit Kopfschmerzen hadere, dem könne statt mit Tabletten auch "mit einigen Nädelchen" geholfen werden. Schmerzen wegen einer Blasenentzündung? Die könne man ebenfalls "wegstechen".

Europäisches Denken ausblenden

Eva: "Wenn jemand mit Sodbrennen zu mir kommt, dann kann ich gut akupunktieren - aber ich muss dazu die europäische Denkweise ausblenden. Dann kann ich das 'Feuer im Magen' mit ein paar Nadeln an der richtigen Stelle löschen."

Claudia ergänzt: "TCM ist etwas Ganzheitliches, sieht die Zusammenhänge und gleicht den ganzen Körper aus." Rückenschmerzen etwa, eine häufige Schwangerschaftserscheinung, könne man nicht nur mit Akupunktur lindern, sondern zusätzlich durch Tapes, die für eine Mikromassage sorgen.

Wenn dann noch die Ernährung stimmt, könne "gute Energie" im ganzen Körper segensreich wirken. "TCM ist die perfekte Ergänzung zur Schulmedizin", stellt Eva Lamberski klar. Und Claudia Kaiser fügt hinzu: "TCM ermöglicht immer neue Wow-Effekte!"

Jahrtausende altes Wissen

TCM Schon vor über 2000 Jahren entwickelten die Menschen im ostasiatischen Raum spezielle Schmerz- und Heil-Therapien. Diese werden heute oft mit dem Wort "ganzheitlich" beschrieben, da sie die körperliche und geistig-seelische Situation des Patienten berücksichtigen. Das ist es auch, was die Hebammen Claudia Kaiser und Eva Lamberski so fesselt: "TCM ist der perfekte Begleiter in allen Lebenslagen - auch in der vielleicht spannendsten, der Schwangerschaft."

Heilmethoden Neben der Arznei- und Kräutertherapie zählen vor allem die Akupunktur (das "Nadeln") und die Moxibustion - die Erwärmung von Akupunkturpunkten - zur TCM-Therapie. Bei Schwangeren kommen Moxa-Zigarren zum Einsatz, wenn das Kind sich von selbst nicht aus der Steißlage dreht.

Claudia Kaiser und Eva Lamberski Die gebürtige Bambergerin Claudia Kaiser (32) hat vor über zehn Jahren ihren "Traumberuf" gefunden, sagt sie: "Ich möchte nichts anderes sein als Hebamme." 2004 kam sie nach Kitzingen, zwei Jahre später zählte sie zum Gründungs-Team der Kitzinger Hebammenpraxis "Umständehalber". Zusammen mit ihrer Kollegin Eva Lamberski (48), die seit 1986 Hebammenerfahrung hat, befasst sie sich fast sieben Jahren verstärkt mit TCM. Beide haben ihre TCM-Grundausbildung beendet, Eva Lamberksi steuert nun Masterkurse an.

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