KITZINGEN

Kitzinger Faschingsbutton: Eine ansteckende Idee?

Ohne Einnahmen macht auch der schönste Faschingsumzug irgendwann keinen Spaß mehr. Die Verantwortlichen der Kitzinger Karnevalsgesellschaft (KiKaG) haben sich deshalb eine neue Finanzierungsmöglichkeit ausgedacht: den Button-Verkauf.
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Zeigt her euren Button: KiKaG-Präsident Wolfram Beha hofft auf ganz viele Käufer des neuen Ansteckers. Mit dem Kaufpreis von einem Euro soll der Landkreisfaschingsumzug in Kitzingen finanziell abgesichert werden. Foto: Ralf Dieter
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In hellen Grüntönen mit bunter Narrenkappe und städtischem Logo kommt der Button daher, den Philipp Brdlik entworfen hat. In roten und blauen Buchstaben steht darauf das Motto geschrieben: „Wir sind Fasching.“ 5000 dieser Buttons hat die KiKaG geordert. Jedes Stück kostet einen Euro. Gesellschaftspräsident Dr. Wolfram Beha ist optimistisch, dass die Marge bis zum 9. Februar verkauft ist. Dann startet um 13.33 Uhr der Landkreisfaschingsumzug in der Großen Kreisstadt.

„Wir wünschen uns die Unterstützung durch die Bevölkerung.“

Bernd Nägle Sitzungspräsident

Die Karnevalsgesellschaften aus Kitzingen, Obervolkach und Dettelbach richten abwechselnd den Umzug aus, der zu den besucherstärksten Veranstaltungen im Landkreis gehört. Zwischen 12 000 und 15 000 Neugierige drängen sich Jahr für Jahr an den Straßen, um den Teilnehmern auf ihren Wagen zuzujubeln.

56 Wagen und 1500 Zugteilnehmer bildeten den Umzug 2013 in Kitzingen. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass für eine Veranstaltung mit so einer großen Anziehungskraft kein Obolus verlangt wird“, sagt Beha. Zumal der Ausrichter auf einem Teil der Kosten sitzen bleibt.

Feuerwehr, Rotes Kreuz, THW und die Musikkapellen wollen bezahlt sein, die Versicherungen und die GEMA-Gebühren schlagen ebenfalls zu Buche. Zwischen 6000 und 8000 Euro Defizit fallen in Kitzingen an. Geld, das aus der Vereinskasse beglichen werden muss. Geld, das jetzt zumindest teilweise über den Button-Verkauf hereinkommen soll.

Mitte September hat die KiKaG die Aktion gestartet, rund 200 Firmen und Geschäfte in Stadt und Landkreis angeschrieben und um Unterstützung geworben. Die Idee: Eine Firma kauft ein bestimmtes Kontingent und gibt es an die Mitarbeiter weiter. Ebenfalls möglich: Ein Ladenbesitzer verschenkt einen erworbenen Button als Dreingabe an seine Kunden.

Die erste Resonanz ist durchaus erfreulich: Rund 1000 Stück hat die KiKaG bereits verkauft. Kleiner Wermutstropfen: „Ausgerechnet die großen Kitzinger Firmen haben kein Interesse gezeigt“, bedauert Beha. Das Ziel bleibt trotzdem unverändert: etwa die Hälfte des Defizits will die KiKaG dank der kleinen Plaketten auffangen. Bei Produktionskosten von rund 30 Cent müssten dafür auf jeden Fall 5000 Stück verkauft werden. Beha und seine Mitstreiter wollen jetzt verstärkt in die Öffentlichkeit gehen.

Am verkaufsoffenen Sonntag, dem 8. November, sind die Vorstandsmitglieder mit einem Stand auf dem Marktplatz vertreten, beim „Nikolausrock“ will Tourismusleiter Walter Vierrether Buttons unters Volk bringen, ab dem 11. 11. sollen Werbeplakate in denjenigen Kitzinger Geschäften aushängen, die sich an der Aktion beteiligen. Sitzungspräsident Bernhard Nägle wird bei den beiden Prunksitzungen am 5. und 8. Februar noch einmal intensiv für die Aktion werben.

KiKaG-Geschäftsführer Dr. Rainer Müller hofft aufeinen Dominoeffekt – und den Reiz eines besonderen Gewinnspiels. Bis zum 31. Januar können Selfies mit dem Ansteckbutton an info@kikag.de geschickt werden. Die originellsten zwei Einsender erleben den Landkreisumzug aus einer ganz besonderen Perspektive: Sie fahren mit auf dem KiKaG-Wagen.

Hinter der Aktion, die in Mainfranken einmalig ist, steckt eine ganze Menge Arbeit. „Wir werden im Verlauf der nächsten Wochen jede Firma persönlich besuchen“, kündigt Nägle an. „Wir werden alle Fäden ziehen.“ Der Sitzungspräsident vergleicht die Aktion mit dem „Red Nose Day“, an dem rote Plastiknasen für Kinderhilfswerke verkauft werden. Der grüne Button „Wir sind Fasching“ soll ebenfalls ein Gefühl der Verbundenheit auslösen. „Wir wünschen uns die Unterstützung durch die Bevölkerung.“

Wie notwendig die ist, verdeutlicht Präsident Beha am Ende der Pressekonferenz. „Wenn wir keine weiteren Einnahmen erzielen können, dann ist die Durchführung des Landkreisfaschingsumzuges in Kitzingen in Gefahr.“ Eine Aufbruchsstimmung will er deshalb erzeugen, ein Wir-Gefühl bei den Zuschauern des Umzugs auslösen.

Am 9. Februar 2016 führt der Landkreisfaschingsumzug durch Kitzingen, ein Jahr später ist Volkach an der Reihe. Manfred Krapp von der ausrichtenden Karnevalsvereinigung in Obervolkach will sich das neue Finanzierungskonzept in Kitzingen genau anschauen und dann die Schlüsse für „seinen“ Umzug ziehen. „Wahrscheinlich kommt es für uns aber nicht in Frage“, sagt er. „Wir haben ja gar nicht genug Firmen, die wir anschreiben könnten.“

Der Präsident der Karnevalsgesellschaft in Dettelbach (DEKAGE), Lothar Apfelbacher, lehnt das System strikt ab. „Ich glaube nicht, dass das funktionieren wird.“ Die Produktionskosten für die Plakette hätte die KiKaG lieber in die Finanzierung des Umzugs stecken sollen, meint er. Apfelbacher und seine Dettelbacher Mitstreiter haben es finanziell allerdings ein wenig einfacher als die Faschingskollegen in Kitzingen und Volkach. In Dettelbach endet der Umzug an der Maintalhalle, wo die DEKAGE über die Bewirtung wieder Einnahmen verbuchen kann. Am Ende eine schwarze Null, wie Apfelbacher berichtet. So macht der Landkreisfaschingsumzug finanziell zwar auch keinen richtigen Spaß. Aber die Ausrichter müssen wenigstens nicht draufzahlen.

Verkauf: Der Button ist im Fastnachtmuseum zu erwerben.

Termine: Die Prunksitzungen finden am 5. und 8. Februar statt. Der öffentliche Kartenverkauf startet am 30. November im Fastnachtmuseum. Thema in diesem Jahr: Die 70er Jahre.

 
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