KITZINGEN

Kitzingen stellt erneut Hitzerekord auf

Das zweite Jahr in Folge ist es in Kitzingen heißer als an allen anderen Orten in Bayern. Warum ist das so? Kitzingen habe einen Spezialeffekt, sagt ein Klimatologe.
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Abkühlung am heißesten Ort Bayerns
Das Freibad in Kitzingen: Hier suchen die Bewohner Abkühlung, wenn das Thermometer wieder auf Spitzenwerte klettert. Foto: Foto: Nicolas Armer

Wenn Detlef Apfelbacher von seinem Platz am Beckenrand hinüber zum Sprungturm blickt, bekommt er ein gutes Gefühl dafür, wie warm es ist. An einem Tag wie dem vergangenen Sonntag sieht er dann zahlreiche Freibadbesucher, die am Beckenrand ihre Füße im Wasser kühlen. Denn am Wochenende stellte Kitzingen mit 35,8 Grad den bayerischen Hitzerekord auf – mal wieder. Apfelbacher ist Schichtleiter der Bademeister im Kitzinger Freibad.

„Bombig“ sei das Wetter gewesen, „die Leute haben das kühle Nass gebraucht“, sagt er. Wenn es besonders heiß ist, steckten mehr Besucher die Füße ins Wasser oder gingen in den Schatten. 4000 Besucher kamen am Rekordwochenende des vergangenen Jahres. Kitzingen stellt den Rekord das zweite Jahr in Folge auf: Am 5. Juli und 7. August 2015 zeigte das Thermometer dort 40,3 Grad und damit sogar die höchste jemals in Deutschland gemessene Temperatur.

Warum aber die unterfränkische Kreisstadt, mainaufwärts knapp 20 Kilometer östlich von Würzburg gelegen – warum ist es immer da so heiß? „Tja, das fragt sich die ganze Meteorologenwelt“, sagt Heiko Paeth. Er ist Professor für Klimatologie an der Universität Würzburg.

„Kitzingen ist klimatologisch sicher nicht der wärmste Ort Deutschlands“, sagt Paeth. Der liege im Oberrheingraben, bei Freiburg. Einige Privatleute hätten mit ihren Messstationen dort auch höhere Temperaturen gemessen, sagt Paeth. Diese genügten aber nicht den Anforderungen an offizielle Temperaturmessungen. Das sei sicher ein Grund, warum zumindest der offizielle Rekord nach Kitzingen kam.

Dennoch sei Kitzingen grundsätzlich eine der wärmsten Wetterstationen in Deutschland, erklärt Volker Wünsche vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in München. Dort seien Temperaturen wie am Oberrhein durchaus üblich.

„Die Untermaingegend ist prädestiniert für hohe Temperaturen“, sagt Wünsche. „Das ist die Wärmeinsel von Bayern.“ Dass innerhalb dieser Wärmeinsel erneut Kitzingen zum Rekordhalter wurde, liegt Wünsche zufolge an drei Faktoren: Mit einer Höhe von nur rund 200 Metern über dem Meeresspiegel liege Kitzingen sehr tief. Zudem stehe die Stadt auf einem Sandboden, der sich leicht erwärme. Und drittens sei sie frei gelegen und nicht von Gebirgen abgeschirmt.

Paeth präzisiert: Die Stadt liege nicht nur tief, sondern durch das Maintal zudem in einem Kessel, in dem sich die Hitze sammle. Außerdem seien die Temperaturen in Städten immer höher als auf dem Land – „je dichter bebaut eine Stadt ist, desto höher ist das Hitzerisiko“.

Schließlich, sagt Paeth, gebe es noch einen Spezialeffekt. „Wir haben in Deutschland häufig Westwindlagen“ – auch in Kitzingen komme die kühlende Frischluft hauptsächlich von Westen. Genau im Westen der Stadt habe aber seinerzeit die Wehrmacht eine große Kaserne errichtet. 61 Jahre lang war das Gelände dann amerikanische Garnison, heute ist es ein Gewerbepark. Ein Hindernis für die Luftzufuhr blieb es. Die Stadt habe sich ihre Frischluftschneise zugebaut, konstatiert Paeth. „Für die Hitze könnte das eine Erklärung sein.“

In jedem Fall, da sind sich Klimatologe Paeth und Wetterexperte Wünsche einig, hängt es auch viel vom Zufall der aktuellen Wetterlage ab, welche Station den Rekord aufstellt. „Wenn eine nachrückende Kaltfront schon den Westen Deutschlands erreicht hat, es in der Mitte aber noch heiß ist, macht Unterfranken das Rennen“, sagt Wünsche.

Bei aller Hitze – Bademeister Apfelbacher ist mit der Ausbeute des Rekordwochenendes nicht ganz zufrieden. Denn am Sonntagmorgen habe es gewittert, erst am Mittag seien die Wolken verschwunden, und es sei heiß geworden. „Wäre es früh so bombig gewesen, hätten wir 3500 Besucher an einem Tag gehabt“, sagt er. Vielleicht im nächsten Jahr.

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