WIESENTHEID

Kinderkrippe ins Sportheim?

Eine leidenschaftliche und längere Diskussion zum Thema Kinderkrippe führte im Wiesentheider Gemeinderat zu einem überraschenden Ergebnis.
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Das DJK-Sportheim soll nun als Standort für eine Kinderkrippe in Wiesentheid geprüft werden. Foto: Foto: ANDREAS STÖCKINGER

Eine leidenschaftliche und längere Diskussion zum Thema Kinderkrippe führte im Wiesentheider Gemeinderat zu einem überraschenden Ergebnis. Das Gremium beschloss nun, das DJK-Sportheim als Standort prüfen zu lassen. Bürgermeister Werner Knaier erhielt den Auftrag, in Verhandlung mit dem TSV/DJK zu treten.

Die Zeit drängt

In der ganzen Sache drängt die Zeit. Beide Wiesentheider Kindergärten platzen aus allen Nähten, für die Krippen gibt es bereits Wartelisten. 18 zusätzliche Plätze will die Gemeinde deswegen schaffen, um den Bedarf zu decken. Die Kommune muss die Unterlagen bis Jahresende einreichen, um die Fördergelder der Regierung von 9800 Euro pro Krippenplatz zu erhalten.

Fragen noch offen

Ob eine Kinderkrippe im derzeit weitgehend ungenutzten Vereinsheim überhaupt auf die Schnelle realisierbar ist, muss sich zeigen. Das Grundstück, auf dem das Gebäude steht, gehört der Gemeinde und ist auf 99 Jahre an den Verein verpachtet. Die Gemeinde möchte eine Zusicherung, dass der Sportverein ihr das Erdgeschoss des Sportheims für mindestens 25 Jahre zur Verfügung stellt und gleichzeitig auf sein Erbbaurecht verzichtet. Zu diesen Fragen muss der Verein wohl eine außergewöhnliche Mitgliederversammlung anberaumen, bei der eine Ladungsfrist einzuhalten ist – von drei Wochen war die Rede.

Prüfungen nötig

Gleichzeitig gilt es, von fachlicher Seite aus zu prüfen, wie eine mögliche Kinderkrippe mit drei Gruppen in das Gebäude am östlichen Ortsrand Wiesentheids unterzubringen wäre. Laut den Bestimmungen wird eine Fläche von 150 Quadratmetern für den Gruppenraum, plus weiteren 60 Quadratmeter für einen Schlafraum benötigt. Beide müssen ebenerdig sein, ein Anbau an das Sportheim wäre wohl erforderlich.

Knapp abgelehnt

Den von Bürgermeister Werner Knaier (CSU) kurzfristig vorgeschlagenen Standort im Baugebiet Weihersbrunnen, direkt an der Prichsenstädter Straße, hatten die Räte mit sieben zu acht Stimmen abgelehnt. Knaier präsentierte diesen „als einzig möglichen“. Die Suche hat eine Vorgeschichte, denn monatelang wurde über ander Standorte diskutiert: am katholischen Pfarrheim, am Kindergarten Hortus Mariae in der Kolpingstraße als Anbau und zuletzt in der Schießhausstraße auf einer Fläche der Gärtnerei Lang neben dem Kindergarten St. Mauritius. Aber die Gärtnerei Lang will die zuvor favorisierte Fläche für den Neubau eines Krippenhauses doch nicht verkaufen.

Lachnummer und Notnagel?

Bürgermeister Knaier wollte die Krippe nun im Neubaugebiet Weihersbrunnen einrichten. Ein Grundstück an der Einfahrt von der Prichsenstädter Straße her, das direkt neben der zur Straße erforderlichen Lärmschutzwand liegt, hatte er im Auge. Die Fläche passte der Fraktion von Bürgerblock/Freie Wähler nicht. Die Grundstücke seien als Bauplätze zunächst nicht gut genug gewesen wegen des Lärmschutzes, erinnerte Michael Rückel. Die Lösung mit der Krippe dort sei „kein Notnagel“, sondern eine Lachnummer, und das noch „am letzten Zipfel des Orts“, so Rückel. Im Baugebiet würden der Gemeinde damit drei Bauplätze wegfallen. Seine Fraktion könne nicht die Hand für ein Gebäude heben, bei dem man nicht wisse, was es kostet. Rückel erinnerte daran, dass die Freien Wähler von Beginn an für das Areal in der Kolpingstraße plädiert haben. Ein Anbau an den dortigen Kindergarten sei für sie weiterhin eine vermittelbare Lösung.

1,5-Millionen-Euro-Projekt

Bürgermeister Knaier gab Rückel Recht, dass der Standort in der Siedlung „nicht der optimale“ sei. Jedoch laufe nun die Zeit davon, das Gremium müsse zu einer Entscheidung kommen, ob es wolle oder nicht. Ratsmitglied Andreas Laudenbach (Junge Liste) wies darauf hin, dass der Mehrgenerationenplatz in der Kolpingstraße noch weniger geeignet sei, als die Lage in der Wohnsiedlung.

Sportheim im Spiel

Frank Hufnagel (Bündnis 90/Die Grünen) brachte in der hitzigen Debatte das Sportheim auf den Tisch, das ungenutzt und „mindestens so attraktiv wie ein Neubau“ sei. Geld müsse die Gemeinde so oder so in die Hand nehmen, man solle diese Möglichkeit zumindest prüfen, argumentierte er. Rund 1,5 Millionen Euro stehen für einen Neubau wie auch für einen Umbau im Raum.

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