LANDKREIS KT

Keine Toleranz für rechtes Gedankengut

Es sind turbulente politische Zeiten. Die Grünen im Aufwind, die SPD im Sinkflug, die CDU/CSU mit mageren Umfragewerten und die AfD mit einer Spendenaffäre. Wie wirken sich die Entwicklungen in der großen Politik auf die Arbeit im Lokalen aus? Wir haben Vertreter der vier Parteien befragt. Heute: Christian Klingen, Landtagsabgeordneter der AfD. Christian Klingen grenzt sich ab. Von extremem Gedankengut und damit von Teilen seiner eigenen Fraktion. Dennoch: Die AfD sei auf einem guten Weg zu einer Volkspartei. Als nächstes müsse man auf kommunaler Ebene Fuß fassen.
Artikel drucken Artikel einbetten
„Wir sind ganz normale Bürger.“ Christian Klingen und seine Mitarbeiterin Mariana Elsen im Kitzinger Büro. Foto: Foto: Ralf Dieter

Es sind turbulente politische Zeiten. Die Grünen im Aufwind, die SPD im Sinkflug, die CDU/CSU mit mageren Umfragewerten und die AfD mit einer Spendenaffäre. Wie wirken sich die Entwicklungen in der großen Politik auf die Arbeit im Lokalen aus? Wir haben Vertreter der vier Parteien befragt. Heute: Christian Klingen, Landtagsabgeordneter der AfD. Christian Klingen grenzt sich ab. Von extremem Gedankengut und damit von Teilen seiner eigenen Fraktion. Dennoch: Die AfD sei auf einem guten Weg zu einer Volkspartei. Als nächstes müsse man auf kommunaler Ebene Fuß fassen.

Treffpunkt in der neuen AfD-Zentrale des Kreisverbandes, mitten in Kitzingen. Hier, am Marktplatz, hat Christian Klingen sein Büro bezogen. Hier will er nah am Puls der Menschen sein, für eine AfD werben, hinter der er stehen kann. Vom rechten Flügel der Partei grenzt er sich klar ab. Benjamin Nolte, Beisitzer im Landesvorstand der AfD, hatte in seiner Rede auf dem Treffen des süddeutschen „Flügels“ der Partei in Greding das Ende der „Unvereinbarkeitsliste“ der Partei gefordert. Auf dieser Liste stehen Organisationen und Gruppierungen, die als rechtsextrem gelten und deren aktive oder ehemalige Mitglieder nicht in die AfD eintreten dürfen.

„Viele sind mit unserer Führung unzufrieden.“
Christian Klingen über die AfD-Fraktionsspitze in Bayern

Klingen bezeichnet Noltes Forderungen als „unterirdisch.“ „Meine Frau und ich haben noch während der Rede den Saal verlassen.“

Am Ende der Versammlung steht allerdings auch Christian Klingen auf der Bühne und ist „völlig überrascht“ als die erste Strophe des Deutschlandliedes erklingt. „Natürlich habe ich nicht mitgesungen“, sagt er. Der Bundesvorstand der AfD habe schon vor langem festgelegt, dass die erste Strophe nicht gesungen wird. Wie sie in Greding trotzdem erklingen konnte? Christian Klingen kann nur mutmaßen. „Da ist ein Stick durch mehrere Hände gewandert. Und am Ende hat ein Dummer auf Play gedruckt.“

Spätestens danach habe es Risse in der Landtagsfraktion gegeben. „Mittlerweile ist die Fraktion recht gespalten“, sagt er. Das eine Lager schart sich um Vorsitzende Katrin Ebner-Steiner. Die anderen sind ihr gegenüber kritisch eingestellt. „Viele sind mit unserer Führung unzufrieden“, bekennt Klingen. Der 54-Jährige ist es auch. Gründe gibt es genug: Mit Heinz Imbacher und Laurens Nothdurft hatte die Fraktionsspitze Personen als Mitarbeiter eingestellt, die der rechtsextremen NPD nahe standen. Die „Unvereinbarkeitsliste“ sollte das eigentlich ausschließen. „Im Vorfeld ist keiner von uns in der Fraktion über diese Personalien informiert worden“, versichert Klingen. Bei einer internen Kassenprüfung kamen verschwundene Kontoauszüge, unbegründete Zulagen für Abgeordnete und überhöhte Kosten für eine PR-Agentur ans Licht. Und bei „Fastnacht in Franken“ erschien Ebner-Steiner mit einem Kleid, das sie aus der Fraktionskasse bezahlt hatte. Für ihre Behauptung, Politiker der Altparteien würden kostenlos vom Staatstheater in Nürnberg ausgestattet werden, entschuldigt sie sich später. Das alles hat innerhalb der Bayern-AfD Spuren hinterlassen. Klingen setzt jetzt auf die Neuwahlen innerhalb der Fraktion im November. Eine Prognose über deren Ausgang will er aber auch nicht wagen. Die beiden Lager schätzt er personell in etwa gleich stark ein. Trotz der innerparteilichen Querelen: Der Markt Einersheimer fühlt sich im Münchner Politikbetrieb wohl, schärft sein eigenes Profil. Als Mitglied im Umweltausschuss engagiert er sich für Themen wie das Tierwohl oder den Umweltschutz. Wichtig sind ihm dabei Sachargumente. „Ich betreibe keine Fundamentalopposition, sondern stimme für oder gegen eine bestimmte Sache ab“, versichert er. Dabei kann er einem Antrag der CSU genau so folgen wie einem Antrag der Grünen. Christian Klingen, so soll das heißen, folgt seinem eigenen Gewissen. Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ hat er unterschrieben, jetzt will er dafür eintreten, dass die Landwirte dennoch möglichst gut arbeiten können. „Die Mehrheit meiner Fraktion sieht das anders“, sagt er. Tiertransporte über lange Strecken verbeiten, das Kükenschreddern und die Anbindehaltung von Kühen unterbinden, die Steigerwaldbahn reaktivieren und die möglichen Gefahren von G5 für Mensch, Tier und Umwelt weiter erforschen: Christian Klingen hat ein ganzes Portfolio an Themen, um das er sich kümmern will. Ein Austausch von Informationen ist dafür essenziell.

„Wir werden in die

Kreistage und die

Stadträte der größeren

Gemeinden Unterfrankens einziehen.“

Christian Klingen, Landtagsabgeordneter AfD

Mit der FDP in München gebe es immer wieder Gespräche, mit anderen Parteien sei die Kommunikation schwieriger. Vor allem im eigenen Landkreis, wo die AfD noch nicht in den politschen Gremien vertreten ist. „Wir werden in die Kreistage und die Stadträte der größeren Gemeinden Unterfrankens einziehen“, prognostiziert Klingen. Nach und nach könnten dann auf kommunaler Ebene Vorurteile abgebaut werden. „Wir sind schließlich ganz normale Bürger“, sagt er. Bürger, die ihre konservative Heimat vor vielen Jahren verloren und in der AfD neu gefunden haben. Klingens Bild der aktuellen Politiklandschaft sieht so aus: „Die heutige Mitte war früher der linke Rand“, sagt er. Gerade die Union sei im Lauf der letzten Jahre nach links gerückt. Die AfD habe diese Lücke gefüllt. Von einer Rechtspartei könne man deshalb nicht sprechen. „Wir sind patriotisch, aber ideologiefrei“, versichert Klingen. Für rechtes Gedankengut gebe es in der AfD keine Toleranz. Worte, an denen sich der Landtagsabgeordnete in Zukunft messen lassen muss.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren