KITZINGEN

Keine Flecken, keine Fehler

Wer sich bewirbt, sollte sich im Vorfeld über die Stelle und den Betrieb informieren. Und eine gute Bewerbungsmappe einreichen.
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Vom Foto bis zum Lebenslauf - Das macht eine gute Bewerbung aus
Einzigartig, aber nicht zu ausgefallen: Eine gute Bewerbungsmappe zusammenzustellen, ist eine Gratwanderung. Foto: Foto: Monique Wüstenhagen
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Kitzingen Für viele junge Leute beginnt in wenigen Wochen ein neuer Lebensabschnitt – die Ausbildung. Viele haben schon eine Stelle gefunden, andere sind noch auf der Suche. Und wieder andere schauen sich vor dem Start in ihr letztes Schuljahr bereits auf dem Arbeitsmarkt um, um rechtzeitig eine Stelle zu finden. Wer bei den potenziellen Arbeitgebern punkten will, muss informiert sein – und sich gut präsentieren. Zum Beispiel mit seiner Bewerbungsmappe. Wie die aussehen soll, erklärt Berufsberaterin Inga Schüll in Schulen, Seminaren und in diesem Interview.

Frage: Als Berufsberaterin geben Sie Jugendlichen unter anderem Tipps für die richtige Bewerbung. Gibt es in Zeiten des Internets überhaupt noch Bewerbungsmappen?

Inga Schüll: Eine gute Bewerbungsmappe ist aktuell auf jeden Fall noch wichtig. Bei vielen Industriebetrieben kann diese auch digital (per E-Mail) versandt werden.

Und wie sieht eine gute Mappe aus?

Inga Schüll: Sie muss zunächst mal ordentlich sein, also weder fleckig noch mehrfach verwendet. Sie enthält ein Anschreiben, ein Deckblatt, den Lebenslauf und das Zeugnis, wobei das Deckblatt nicht zwingend notwendig ist. Das Anschreiben sollte nicht länger sein als eine DinA4-Seite, auch der Lebenslauf nicht.

Was sind die typischen Fehler in Bewerbungsmappen?

Inga Schüll: Typische Fehler sind Rechtschreibfehler, oder dass falsche Ansprechpartner genannt sind. Ich erlebe oft, dass junge Leute die Bedeutung einer schriftlichen Bewerbung unterschätzen, ihr Anschreiben nicht individuell gestalten oder den Betrieb nicht würdigen, bei dem sie arbeiten wollen. Wenn sie sich auf mehrere Stellen bewerben, passiert es im Eifer des Gefechts schon mal, dass die Ansprechpartner nicht stimmen, eine falsche Stellenbezeichnung oder aber falsche Betriebs-Details verwendet werden, die es womöglich in einem Unternehmen gibt, im anderen aber nicht.

Es sieht heutzutage doch relativ gut auf dem Ausbildungsmarkt aus. Müssen sich die jungen Leute überhaupt noch bei mehreren Betrieben bewerben?

Inga Schüll: Das ist unterschiedlich. Es gibt junge Leute, die wollen unbedingt zu einem bestimmten Arbeitgeber, denen ist die Stelle gar nicht so wichtig. Das ist oft der Fall, wenn es in der Familie oder dem Freundeskreis schon Personen gibt, die dort arbeiten und die gute Erfahrungen gemacht haben. Andere wollen unbedingt eine bestimmte Stelle und schreiben deshalb verschiedene Firmen an.

Was kommt bei Arbeitgebern gut an und sollte in der Bewerbung daher nicht vergessen werden?

Inga Schüll: Gut kommt an, wenn der Bewerber gut begründen kann, warum er genau diesen Beruf ausgerechnet in diesem Betrieb lernen möchte. Deshalb sollte man unbedingt auf das Unternehmen eingehen.

Warum man eine bestimmte Stelle will, sollte sich ja problemlos begründen lassen.

Inga Schüll: Das setzt voraus, dass sich die Jugendlichen mit dem Beruf überhaupt genauer auseinandergesetzt haben. Das ist vor der Bewerbung ganz wichtig: Man muss erst entscheiden, ob man wirklich in diesem Beruf arbeiten möchte. Ob er tatsächlich den eigenen Eigenschaften und Neigungen entspricht. Manche bewerben sich ganz wild auf irgendwelche Stellen.

Spielt da auch der Einfluss der Eltern eine Rolle?

Inga Schüll: Es ist eher so, dass die Eltern dem Berufswunsch ihres Sohnes/ihrer Tochter oft skeptisch gegenüber stehen und lieber wollen, dass sie länger zur Schule gehen. Vielen Eltern ist ein hoher Bildungsabschluss wichtig. Meist soll der höher sein als der, den sie selbst gemacht haben.

Und wahrscheinlich sollen die Kinder bessere Noten haben. Welche Rolle spielen Noten bei der Bewerbung heute?

Inga Schüll: Das ist unterschiedlich. Bei jüngeren Bewerbern, die direkt von der Schule kommen, sind die Noten schon ausschlaggebend für die Entscheidung, ob sie in eine Vorauswahl kommen oder zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen werden. Außerdem gibt es Ausbildungsplätze, bei denen die Noten einfach eine große Rolle spielen – bei Industriekaufleuten zum Beispiel. Wer diesen Beruf erlernen möchte, braucht einfach gute Noten. Bei Nischenberufen spielt die individuelle Neigung des Bewerbers eine größere Rolle – und auch bei Bewerbern, die schon älter sind. Wer mit 24, 25 Jahren noch mal eine Ausbildung beginnen will, muss schon gut begründen können, warum – und was er bisher gemacht hat.

Gilt das mit den Noten auch für das Handwerk? Werden da nicht dringend Azubis gesucht?

Inga Schüll: Auch hier gibt es Unterschiede. Ein Kfz-Mechatroniker zum Beispiel braucht einfach gute Kenntnisse in Mathematik. Überhaupt sind gute Deutsch- und Mathekenntnisse ausschlaggebend, es geht ja nicht um eine Eins in Sport.

Wie ist es bei Bäckern und Metzgern, die tatsächlich einen Mangel an Azubis haben?

Inga Schüll: Das hängt vom Betrieb ab und davon, was der Mitarbeiter macht. Ein Bäcker steht ja nicht nur in der Backstube, knetet Teig und formt Brötchen, und auch im Metzgerberuf gibt es viele Möglichkeiten, für die man eben gute Grundfähigkeiten braucht. Gerade die in Deutsch und Mathe sind immer wichtig.

Haben die sich verschlechtert?

Inga Schüll: Das würde ich nicht so sagen. Aber ich glaube, dass viele Jugendliche den Noten selber nicht mehr so viel Bedeutung beimessen. Allerdings müssen dann während der Ausbildung die Berufsschulen vermehrt Kenntnislücken füllen. Außerdem geht der Trend zum mittleren Bildungsabschluss. Wer ein gutes Zeugnis hat, geht oft weiter in die Schule und steht damit dem Ausbildungsmarkt nicht zur Verfügung. Was den Eindruck erweckt, die Azubis, die sich direkt nach der Schule bewerben, hätten schlechtere Noten als früher.

Wie sieht es mit ehrenamtlichem Engagement aus? Kann man damit punkten?

Inga Schüll: Das macht sich immer gut in der Bewerbung, finde ich. Natürlich mag es Arbeitgeber geben, die denken: Oje, wenn der bei der Feuerwehr ist, muss ich ihn bei einem Einsatz ja freistellen. Und andere sehen vielleicht Sport kritisch: Wer jeden Sonntag Fußball spielt, könnte sich verletzen und in der Arbeit ausfallen. Das dürften aber die Ausnahmen sein. Insgesamt bin ich überzeugt, dass Sport, Ehrenamt und Nebentätigkeiten gut und wichtig sind. Sie zeigen dem Arbeitgeber ja auch, dass sich die jungen Leute in ihrer Freizeit engagieren.

Vieles über ihre Freizeit verraten die Jugendlichen ja auch über Social-Media-Kanäle. Schauen sich die Arbeitgeber an, was die Bewerber auf Facebook oder Instagram von sich preisgeben?

Inga Schüll: Das kommt sicherlich auf die Branche an. Viele Betriebe sind ja gar nicht auf diesen Kanälen aktiv. Da schaut man sich schon eher das WhatsApp-Profilbild an, das ist viel einfacher.

Apropos Bild: Muss man der Bewerbung noch ein Bild belegen?

Inga Schüll: Laut Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist das nicht mehr nötig. Ich rate trotzdem dazu. Ein Foto ist ein Sympathiefaktor. Für denjenigen, der über die Bewerber entscheidet, ist es interessant zu sehen, wie derjenige aussieht, der im Betrieb arbeiten will. Da weiß man dann, wer zum Bewerbungsgespräch kommt.

Welche Hürden sind bis zum Bewerbungsgespräch überhaupt zu überwinden?

Inga Schüll: Bei kleineren Betrieben reicht meist die Bewerbung, danach folgt gleich das Vorstellungsgespräch, in dem es häufig sogar schon heißt: Passt oder passt nicht. In vielen Betrieben gibt es Assessement-Center mit Eignungstests. Jugendliche, die in die engere Auswahl kommen , werden dann zu Einstellungstests eingeladen, in denen sie verschiedene Aufgaben erledigen müssen, meist geht es da um Mathematik und Deutsch sowie ums Allgemeinwissen. Erst danach kommt es zum Vorstellungsgepräch.

Wie kann man sich auf solche Tests vorbereiten?

Inga Schüll: Wenn wir in der Schule sind, geben wir entsprechende Informationen heraus, es gibt Broschüren oder Internet-Angebote wie „planet-beruf.de“ mit Übungen zur Vorbereitung. Für das Allgemeinwissen sollte man mindestens zwei Wochen vor dem Termin die Tageszeitung lesen und die Abendnachrichten anschauen, damit man auf dem neuesten Stand ist.

Wie hoch sind denn die Anforderungen bei den Mathe-Kenntnissen:

Inga Schüll: Keine Angst, höhere Mathematik ist da nicht gefordert. Es geht um die Grundlagen der 8./9. Klasse, die man ja durchaus beherrschen sollte. Allerdings ist es ratsam, das Kopfrechnen wieder zu üben, denn viele können das nur noch mit dem Taschenrechner. Der ist bei den Tests aber oft nicht erlaubt. Und Regeln wie Punkt-vor-Strich haben viele leider schon längst wieder vergessen. Foto: schüll

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