Welche Schlagzeilen machten die kleinen Schmetterlinge in den vergangenen Jahren! Die Meldungen von der Invasion der Prozessionsspinner und Schwammspinner, deren Raupen sich über die Eichen im Landkreis Kitzingen hermachten und frisch getriebene Blätter abfraßen, verunsicherten die Bevölkerung, wurde doch als Grund für die Verbreitung der Arten aus dem Mittelmeerraum der Klimawandel angeführt.

Ein Kontakt mit den Tierchen war nicht ungefährlich, denn Menschen verbrannten sich die Haut, wenn sie mit den Häärchen der Raupen in Berührung gekommen waren, oder reagierten in seltenen Fällen sogar mit einem allergischen Schock. Der Wirbel war groß. Jeder glaubte mitreden zu müssen. Umwelt- und Naturschützer protestierten gegen den Einsatz des Bekämpfungsgifts Dimilin.

Dieses Jahr hingegen wird es ruhig bleiben. Die Eichenschädlinge werden aller Voraussicht nach nicht bekämpft werden müssen. "Wir erwarten eine Atempause", sagt Forstdirektor Klaus Behr vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen.


Harte Jahre für Insekten



Für die Insekten waren die vergangenen zwei Jahre laut Behr ungünstig. Kühle und feuchte Sommer wie 2010 und 2011 gefallen den wärmeliebenden Arten nicht. Es sei sogar passiert, dass wiederholter Starkregen Nester zerstört oder Raupen von den Baumstämmen heruntergespült habe, berichtet der Forstfachmann. Und der späte harte Frost Anfang Mai 2011, über den die Winzer so geklagt hatten, könnte einigen Jungraupen den Tod gebracht haben.

Bis vor kurzem haben die Förster des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten nach Nestern des Prozessionsspinners in den Eichenkronen geschaut. Außerdem haben sie Zweige aus den besonnten Teilen der Eichenkronen abgeschnitten. Diese Proben schickten die Förster an die Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft in Freising, wo Spezialisten die Proben bebrüten, um festzustellen, ob und wie viele Raupen aus den Eiern schlüpfen. Die Eier sind millimeterklein, man kann sie nur mit geübtem Auge erkennen.

An dem, was in der Brutstation zu krabbeln beginnt, schätzen die Fachleute den möglichen Schädlingsbefall im Frühjahr und Sommer ein. Auch die Anzahl der alten gegenüber den neuen Nestern fließen in die Prognose mit ein.


An manchen Orten ist Wachsamkeit besonders gefragt



Am 29. Februar trifft sich im Landratsamt in Kitzingen wieder die Arbeitsgruppe "Eichenprozessionsspinner", die darüber spricht, wo man aus Gründen des Gesundheitsschutzes besonders wachsam sein muss. Im Blickfeld sind zum Beispiel die Wälder bei Großlangheim, wo gegebenenfalls die Fertigung der Firma Fehrer betroffen sein könnte, die an den Wald angrenzende Wohnbebauung in Sickershausen oder der Truppenübungsplatz der Bundeswehrkaserne in Volkach. "Dort stellen bereits relativ geringe Schädlingsdichten eine Beeinträchtigung dar", sagt Klaus Behr.

Großlangheims Bürgermeister Karl Höchner (CSU) sind die Prognosen der Forstleute nicht sicher genug. Auch wenn die Förster momentan wenige Eier oder Nester entdeckten, könne niemand die Witterung vorhersagen, meint Höchner. Seine Gemeindearbeiter werden auch heuer wieder das extra gekaufte Verblasegerät mit Dimilin befüllen und an den neuralgischen Punkten wie entlang der Radwege und bei der Kleintierzuchtanlage einsetzen. "Der Prozessionsspinner gehört im Vorfeld bekämpft. Wenn er erst einmal auftritt, ist es zu spät", sagt Höchner. Er wolle auf der sicheren Seite sein. Auch der Gemeinderat habe schon intern zugestimmt.

Das mit dem Prozessionsspinner aber ist schon eine verrückte Geschichte. Bis vor nicht allzu langer Zeit stand das Tier auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Seit den 90er Jahren kommt es in größeren Dichten vor und breitet sich zusehends auch in die höher gelegeneren und kühleren Lagen des Steigerwalds aus. Die Fachleute betrachten daher die Entwicklung des Eichenprozessionsspinners als ein Anzeichen des beginnenden Klimawandels. War der Eichenprozessionsspinner bislang weitgehend ohne natürliche Gegenspieler, so setzen diesem in den letzten Jahre Parasiten wie Schlupfwespen oder Tachinen verstärkt zu.

Für Behr steht fest, dass die lichten Eichenbestände, die aus jahrhundertelanger Mittelwaldwirtschaft entstanden sind, die Ausbreitung der Schädlinge begünstigt haben. 50 Prozent der Bäume in den Wäldern des Landkreises sind Eichen, oftmals befindet sich keine andere Baumart in der Nähe.

Ein wichtiger Faktor ist das Klima. Der Landkreis Kitzingen hat relativ wenig Jahresniederschlag bei relativ hoher Durchschnittstemperatur. Eichen kommen damit zurecht, aber sie müssten in einem Wald wachsen können, der reich gemischt und stufig aufgebaut ist und in dem in dem junge Bäume für Kühle, Feuchtigkeit und Schatten sorgen. Das mögen die wärmeliebenden Raupen nicht. Es sei daher dringend erforderlich, in einem deutlich höheren Tempo als bisher mit dem Waldumbau fortzufahren, fordert Behr.