IPHOFEN

Kaum mehr Platz im Kindergarten

Im Kindergarten Iphofen wird es mal wieder eng: zu viele Kinder, zu wenig Platz – dieses Dilemma beschäftigt die Stadt seit Jahren und ganz aktuell
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Der Iphöfer Stadtrat machte sich im Kindergarten ein Bild der wachsenden Raumnot. Zu Stoßzeiten ist nicht nur das Atrium voll belegt. Foto: Foto: Eike Lenz

Im Kindergarten Iphofen wird es mal wieder eng: zu viele Kinder, zu wenig Platz – dieses Dilemma beschäftigt die Stadt seit Jahren und ganz aktuell, seitdem sich die Meldezahlen für Herbst schlagartig erhöht haben. Der Bau am Stadtgraben West ist längst an der Kapazitätsgrenze angekommen, die Expansionsmöglichkeiten sind so gut wie ausgereizt. Die Stadt ist in Zugzwang geraten. Vieles deutet auf einen Neubau an anderer Stelle hin, in den eine Kindergarten- und zwei Krippengruppen einziehen sollen. Die Kosten liegen nach ersten Schätzungen bei eineinhalb Millionen Euro.

Schon vor Wochen hatte Iphofens Bürgermeister Josef Mend den Stadtrat auf die Situation eingeschworen. Am Dienstagabend machten sich die Räte dann selbst ein Bild der misslichen Lage. Da standen sie also im Atrium des Kindergartens, das einst ein Ort der Begegnung war. Mittlerweile ist daraus der Speiseraum geworden. Bis zu 70 Kinder essen dort täglich zu Mittag – zwischen wuselnden Eltern, die ihre Kinder abholen. „Das ist keine Kultur“, hat Kindergartenleiterin Gerlinde Stöcker am Dienstag gesagt. Aber was bleibt ihr übrig? „Wir sind hier bis auf den letzten Raum ausgereizt.“

Vor ein paar Monaten schien eine Lösung in Sicht: Der Saal im Obergeschoss des Pfarrzentrums, das direkt angrenzt, sollte als Gruppenraum gestaltet werden. Doch die neuen Belegungszahlen, die vor kurzem bei der Stadt aufgeschlagen sind, haben die Pläne zu Makulatur gemacht. Stöcker geht davon aus, dass sie von September an mindestens 46 Krippenkinder zu betreuen hat. Platz habe sie für 26.

„Ich weiß nicht, wohin mit den Kindern.“
Gerlinde Stöcker, Kindergartenleiterin

Auch abseits der Krippe wird es eng: Für den Kindergarten liegen bislang 74 Anmeldungen vor, genehmigt ist die Einrichtung für 75 Kinder – und bis zum Herbst sind es noch ein paar Wochen. Es klang also wie ein Hilferuf an die Stadträte, als Stöcker sagte: „Ich weiß nicht, wohin mit den Kindern.“

Mit der Größe der Stadt und dem Zuzug junger Familien in die neuen Baugebiete ist auch der Kindergarten Stück für Stück gewachsen. 1959 öffnete die Einrichtung am Stadtgraben West, 1978 wurde sie erweitert, Mitte der 1990er-Jahre kernsaniert. Gerade hat die Stadt für runde 300 000 Euro die Außenanlage herrichten lassen. Spielgeräte, Garten, Wiese, alles vom Feinsten. Deshalb wäre es nun auch keine gute Idee, dies alles plattzumachen und einem Erweiterungsbau zu opfern.

Darüber war man sich weitgehend einig. Bloß wollte manchem Stadtrat nicht einleuchten, wie binnen weniger Monate die Kinderzahlen derart explodieren können. „Fast ein Skandal“ sei das, sagte Otto Kolesch. Jörg Schanow mahnte belastbare Zahlen an, plädierte aber für eine „sachliche Diskussion“ über ein Thema, das der Stadt unter den Nägeln brennt.

Auch der Bürgermeister weiß um die Sensibilität. Kanäle und Straßen seien bei den Leuten keine Aufreger mehr. Das sei inzwischen so selbstredend, dass darüber nicht mehr gestritten werde. Mit einer modernen Stadt verbinde man heute ein breites Betreuungsangebot, befeuert auch vom Staat und seinen immer neuen Versprechen an die Eltern.

Noch lehnt es Gerlinde Stöcker in Iphofen ab, Kinder unter einem Jahr im Kindergarten aufzunehmen. Auf mittlere Sicht aber wird sich diesem Trend nicht mehr verschließen können. In den Großstädten ist er schon angekommen. „Irgendwann“, fügte Gerlinde Stöcker hinzu, „kommt die Betreuung am Abend.“

Mend packte die ganze Problematik in einen Satz: Kindergarten sei nicht mehr planbar. Früher habe man gewusst: Drei Jahre nach Geburt komme das Kind in den Kindergarten. „Heute“, sagt Stöcker, „kommen 90 Prozent der Kinder mit einem Jahr.“ Die Kommunen müssen darauf reagieren, am besten kurzfristig. Mend will die Not vorerst dadurch lindern, dass eine Gruppe in die Grundschule ausgelagert. Mit der Schule sei schon alles klar, sagte er am Dienstag. Aber der Stadtrat wird sich im Sommer erklären müssen, wohin die Reise geht.

Die Stadtteil-Kindergärten Hellmitzheim und Nenzenheim haben zwar immer wieder Kapazitäten frei, aber nur wenige Eltern aus Iphofen seien dazu zu bewegen, ihre Kinder in die Peripherie zu bringen. Und zwingen könne man sie nicht. Auch der Waldkindergarten sei nur eine „begrenzte Alternative“.

Für Stadträtin Peggy Knauer ist es wichtig, dass der Kindergarten nach Jahren als „Dauerbaustelle“ zur Ruhe komme. Mend erwartet nach den Ferien eine Entscheidung des Stadtrats. Dann geht es auch um Standorte für einen Neubau. Im Gespräch sind bisher die Schützenstraße auf dem ehemaligen Grundstück Rönninger und der hintere Teil des Gasthauses Zum Hirschen in der Langen Gasse.

Bürgermeister Josef Mend sieht mittel- bis langfristig weiteren Bedarf für Kindergartenplätze, denn ein nächstes Baugebiet sei bereits in Planung. Auch Gerlinde Stöcker geht davon aus, dass der Status quo „nicht bloß ein Zwischenhoch“ ist. „Dieses volle Haus haben wir schon die ganze Zeit.“

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