DETTELBACH

Kauft die Diözese das Dettelbacher Kloster?

Vier Jahrhunderte waren die Franziskaner in Dettelbach. In Kürze gehen sie. Endgültig. Zurück bleiben die Wallfahrtskirche und ihr Kloster. Was passiert damit?
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Das Dettelbacher Franziskanerkloster, wie es der Maler Otto Görner im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts als Aquarell malte. Das Bild entstammt dem Buch "Maria hilf, es ist Zeit", das der Dettelbacher Verlag Josef Röll anlässlich des 500-jährigen Jubiläums der Dettelbacher Wallfahrt herausgegeben hat. Foto: Repro: Josef Röll

Die Zeit läuft ab für die Franziskaner in Dettelbach. Ende Januar verlassen die letzten Mitglieder des Bettelordens ihr Kloster und die Pfarreiengemeinschaft.

Die Frage dabei: Was passiert mit dem Kloster und der Wallfahrtskirche Maria im Sande? Bei dem 400 Jahre alten Gotteshaus ist laut der Pressestelle des Ordinariats Würzburg (POW) alles klar. Es bleibe bei der Diözese. Beim Kloster gebe es Verkaufsgespräche.

Alles begann mit einer Stiftung

Das vier Jahrhunderte lange Wirken der Franziskaner verdankt Dettelbach dem Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn. Der übergab den Franziskanern der Straßburger Provinz die Wallfahrtskirche – per Stiftungsbrief vom 20. September 1616, wie Mathias Weissmann, seit 35 Jahren Kirchenpfleger des Gotteshauses erklärt.

Im gleichen Jahr startete er auch den Bau des nahen Klosters. Dessen Abschluss erlebte Julius Echter nicht mehr. Er starb im September 1617 Sein Nachfolger Johann Gottfried von Aschhausen habe den Franziskanern 1619 ihr Ordenshaus übergeben. Auch hier gab es einen Stiftungsbrief, so Weissmann.

Alte Urkunde ohne Wirkung

Welche Wirkung die vor 400 Jahren vom Fürstbischof unterzeichnete Urkunde nach dem Abschied der Franziskaner entfaltet, ist eine für Weissmann kirchenrechtlich spannende Frage. Die Antwort gibt der Pressedienst des Ordinariats. Der Stiftungsbrief könne – „wie viele historische Dokumente“ – keine unmittelbare rechtliche Wirkung entfalten.

Auf gut Deutsch: Das Kloster geht nicht an die Diözese, sondern bleibt dem POW zufolge im Besitz der Deutschen Franziskanerprovinz München. Das könnte sich allerdings in naher Zukunft ändern. Die Diözese verhandle mit dem Orden über eine „Eigentumsübertragung“, schreibt der Pressedienst. Sobald hier eine Einigung erzielt sei, werde die Öffentlichkeit informiert.

Pfarramt residiert im Kloster

Wenn die Bettelmönche die Türen hinter sich geschlossen haben, ist der Bau mit 2100 Quadratmetern Nutz- und Wohnfläche keineswegs leer. In dem Haus mit seinen – Weissmann zufolge – 20 großen Wohnungen residiert seit 1992 das katholische Pfarramt. Für die 410 Quadratmeter zahlt die Pfarrgemeinde allerdings keine Miete.

Der Grund laut Weissmann: Die Pfarrei habe den Franziskanern rund 1,7 Millionen D-Mark vorgestreckt, um die um 1990 begonnene Sanierung zu finanzieren. Im Gegenzug unterzeichnete die Franziskanerprovinz einen Nutzungsvertrag, der der Pfarrei einen Verbleib im Haus bis 2022 sichert. Mit im Klostergebäude, in der Hausmeisterwohnung, lebt laut Weissmann noch ein Flüchtlingspaar mit fünf Kindern.

Was wird mit dem Klostergarten?

Bleibt die Wallfahrts- und Klosterkirche. Da ändert sich im Prinzip nichts, wie dem POW-Schreiben zu entnehmen ist. Der Monumentalbau gehöre der Maria-Wallfahrtkapellenstiftung und bleibe auch nach dem Abschied der Franziskaner in deren Besitz. Aufsichtsbehörde der Kirchenstiftung sei das Bischöfliche Ordinariat Würzburg. Damit gehöre das Gotteshaus zur Diözese.

Trotz grundsätzlicher Klärung der Eigentumsfragen bleiben zwei Dinge – noch – offen: Wie wird das, bis auf das Pfarramt und die Asylbewerberwohnung, bald leere Kloster künftig genutzt und wer kümmert sich um den großen Klostergarten? Bei Letzterem ist wohl etwas Eile angesagt. Der Frühling kommt in wenigen Monaten.

Abschied: Der katholische Pfarrgemeinderat verabschiedet die Franziskaner am 22. Januar bei einem Gottesdienst um 15.30 Uhr in der Wallfahrtskirche. Zu diesem Ereignis hat sich Bischof Friedhelm Hofmann angesagt. Zuvor, um 11 Uhr, gibt die Stadt Dettelbach im historischen Rathaus einen Empfang für die scheidenden Klosterbrüder.

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