Volkach

Kaminkehrer: Nachwuchs dringend gesucht

Glücksbringer fehlen Auszubildende - Mehr Respekt und Vertrauen eingefordert
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Benjamin Schreck (dritter von rechts) löst als neuer Obermeister der Kaminkehrer-Innung Unterfranken Reinhold Noe (rechts) ab. Neu in die Führungsriege gewählt wurden (von links) Christian Dinkel, Heinz Rock und Thomas Rumpel. Ernst Richter (zweiter von rechts) wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Foto: Peter Pfannes

"Neue Glücksbringer von Beruf gesucht" lautete die Überschrift eines Flyers, der am Donnerstag bei der Frühjahrsversammlung der Kaminkehrer-Innung Unterfranken in Volkach auf den Tischen der 150 Teilnehmer lag. Mit dem Appell an angehende Berufseinsteiger "Werde Schornsteinfeger/in" hoffen die Verantwortlichen der Innung auf dringenden Nachwuchs in ihrem Handwerksbereich.

In den eigenen Reihen gab es derweil eine Wachablösung. Nachdem Innungsobermeister Reinhold Noe wegen diverser Anfeindungen von Mitgliedern im vergangenen Jahr zurückgetreten war, wurden Neuwahlen notwendig. Noes Nachfolger wurde mit 90-prozentiger Zustimmung Benjamin Schreck aus Heimbuchenthal.

Dass bei der Kaminkehrer-Innung Unterfranken durchaus kontrovers diskutiert wird, war bei den Neuwahlen deutlich spürbar. In Wahlkabinen wurden die Neuwahlen geheim absolviert – zeitaufwändig aber sinnvoll. Demokratisch und mit der Möglichkeit einer ehrlichen Willenskundgebung wählten die Anwesenden Thomas Rumpel (Arnstein) zu Schrecks Stellvertreter. Rumpel setzte sich mit 84 zu 56 Stimmen gegen Boris Brzoska (Euerfeld) durch.

Zwei Beisitzer mussten neu gewählt werden. Als technischer Innungswart ist künftig Christian Dinkel (Bischofsheim) tätig. Als Qualitätsbeauftragter und Schriftführer fungiert Heinz Rock (Lindach). Komplettiert wird das Führungsgremium durch die aktuellen Beisitzer Harald Schuldes (Sulzfeld im Grabfeld) und Wolfgang Virnekäs (Homburg), deren Posten nicht neu gewählt werden mussten.

Die letzten Amtshandlungen von Reinhold Noe waren nach reichlich Ärger im vergangenen Jahr diesmal mit Freude verbunden. Er ernannte das langjährige Vorstandsmitglied (23 Jahre) und ehemaligen Obermeister Ernst Richter (Bad Neustadt/Saale) zum Ehrenmitglied. Mit Ehrenbriefen der Innung schickte er Elmar Birkholz (Eschau), Hans Strasser (Frankenwinheim) und Andreas Paul (Kleinlangheim) in den Ruhestand. "Mit meinem Ausscheiden möchte ich die Weichen für die Zukunft stellen", sagte Noe zu seinem Rücktritt. Für seine Entscheidung seien letztendlich nicht die anonymen Denunziationen von Mitgliedern maßgeblich, sondern fehlender Respekt und nicht mehr vorhandenes Vertrauen gegenüber dem Amt des Obermeisters. Seinem Nachfolger wünschte er für die anstehenden Aufgaben "Erfolg, Geduld, Durchsetzungsvermögen und Gesundheit". Benjamin Schreck stellte klar: "Unsere Mitglieder werden im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen. Gemeinsam wollen wir die Herausforderungen der Zukunft anpacken."

Harald Schuldes, der Berufsbildungswart der Innung, ging auf die Prüfungsergebnisse von sieben Gesellen ein. "Alle haben eine Beschäftigung", lautete sein positives Fazit. Allerdings benötige man "immer noch guten Nachwuchs", so Schuldes. In den 161 Kehrbezirken Unterfrankens seien nur 31 Auszubildende tätig. "Das sind 19,25 Prozent. 30 Prozent wären wünschenswert", betonte der Lehrlingswart. Bereits am 12. April findet wieder ein Eignungstest im Innungshaus statt. Bisher gibt es neun Anmeldungen. Da bis 2026 etwa 30 aktive Kaminkehrer in den Ruhestand treten, sei Nachwuchs besonders gefragt. "Die Werbetrommel rühren" lautete die Aufforderung von Heinz Netzer.

Der Landesinnungsmeister ging auf die aktuelle Berufspolitik und gesetzliche Neuerungen ein. Grußworte sprachen der Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken Walter Heußlein, stellvertretender Landrat Paul Streng, Kreisbrandrat Roland Eckert und Volkachs Bürgermeister Peter Kornell.



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