SOMMERACH

Jury lobt Bindung der Menschen zum Ort

Beim Empfangslied für die internationale Jury saß nicht jeder Ton in Perfektion. Und auch nachher wurde schnell klar: Der Besuch der internationalen Jury für den Europawettbewerb „Entente Florale“ wird keine Veranstaltung der Marke Friede, Freude Eierkuchen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Tolles Projekt: In der Sommeracher Grundschule haben die Kinder ihren eigenen Weinberg. Hier führen sie der Jury (im Hintergrund) vor, was sie gelernt haben, sind voll konzentriert beim Rebenschnitt. Foto: Foto: Thomas Obermeier

Beim Empfangslied für die internationale Jury saß nicht jeder Ton in Perfektion. Und auch nachher wurde schnell klar: Der Besuch der internationalen Jury für den Europawettbewerb „Entente Florale“ wird keine Veranstaltung der Marke Friede, Freude Eierkuchen.

Martin Wagner aus Österreich, der Juryvorsitzende, drückte sich ziemlich unmissverständlich aus: „Es dauert zu lange, wenn alle Leute und so viele Fotografen zu jedem Platz mitgehen. Wir haben einen Katalog abzuarbeiten, und das geht alles von ihrer Zeit ab.“ Rumms, das saß – dabei war das ganze Dorf auf den Beinen, um wie seinerzeit der deutschen Kommission zu zeigen: Schaut her, wie stehen alle dahinter, wir sind eine verschworene Gemeinschaft vom Kleinkind bis zum Uropa.

Wer dachte, vor allem schöne Blumen und Gärten interessieren die Jury, merkte schnell: Es geht weit mehr um Umweltschutz, um Nachhaltigkeit, um Dinge wie Insektenhotels, Vogelschutz- und Naturschutz-Gebiete. Eine Hackschnitzelheizung, die mehrere Wohnhäuser mit Energie versorgt, ein Ökowinzer wie Norbert Drescher, der auf chemische Düngemittel verzichtet, beispielsweise mit Milchpulver gegen Schädlinge vorgeht – da gab es Nachfragen der Jury.

Altmain als Pluspunkt

Auch bei der halbstündigen Busfahrt zu 28 Punkten außerhalb des Dorfes war es ähnlich. „Die Ausgleichsflächen für den Straßenbau, also die Sandgrasflächen auf der anderen Mainseite, die kamen gut an“, erzählte Michael Gündert, der als Englischlehrer die Erklärungen auf der Fahrt gegeben hatte. „Richtig angetan war die Jury auch vom Altmain, dessen Lauf seit 150 Jahren unverändert geblieben ist. So etwas ist extrem selten, und weil der Altmain Naturschutzgebiet ist, wird sich daran auch in Zukunft nichts ändern.“

Bei allem Ernst wurde aber auch gelacht: Etwa, als die Grundschüler – sehr witzig und auf Englisch – für jeden Buchstaben einen Grund nannten, warum es toll ist in Sommerach zu leben. Dass die Grundschüler einen eigenen Weinberg betreiben, ihr Können beim Blitzdurchlauf eines Weinjahres zeigten, bekam viel Beifall. „Bei uns lernen die Kinder von klein auf die Zusammenhänge des Lebens kennen, etwa am Beispiel der Rebe, wie die Fotosynthese funktioniert“, erläutert Kurt Münch, der das Projekt ehrenamtlich betreut.

Gelacht wurde auch im Garten des Weinguts der Engert kur vor Ende des exakt vierstündigen Infomarathons. Tochter Jennifer erläuterte den Gästen die grüne Oase und flocht ganz pfiffig ein: „Und das Beste ist, dass meine Mama Marianne die ganze Arbeit macht.“

Nicht alle werden so glücklich gewesen sein. Etwa der Projektchor aus Sommerach: Der hatte eigens für die Jury die Ortshymne auf Englisch umgetextet - doch als die Gäste aus dem Keller der „Kostbar“ kamen, war der Aufbruch längst überfällig, keine Zeit mehr zu m Zuhören. Entspannt bleiben, lächeln und durchziehen lautete die Devise der Gastgeber. Elmar Hochholzer, der als Dolmetscher für Bürgermeister Elmar Henke wertvolle Dienste leistete, war, wunderte sich manchmal gar sehr: „Was soll die Frage, was die Feuerwehr für den Umweltschutz tut? Oder was eine Genossenschaft ist?“

Am Ende ihrer einstündigen Sitzung hinter verschlossenen Türen zog die Jury ein Zwischenfazit: Die Bindung der Menschen zum Ort, der Nachhaltigkeitsgedanke, die Sauberkeit, der Weinbau mit wenig oder keiner Chemie, das hat gefallen. Etwas weniger Folklore hätte es sein dürfen, nicht alles und jedes zeigen wollen, waren die kritischen Aspekte.

Ob es für Gold reicht? Letztlich ist das Nebensache, findet Bürgermeisterin Barbara Navaeau aus der Sommeracher Partnergemeinde Dizy (Frankreich). „Der Ort hat so oder so gewonnen, weil er sich dem Vergleich gestellt hat. Und es gibt Rückmeldungen der Jury, die für die weitere Entwicklung vielleicht wertvoll sein können. Ich bin sehr beeindruckt, was meine Sommeracher Freunde alles aufgeboten haben.“

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.