Marktbreit

Junge Blicke auf eine alte Kirche

FH-Studenten aus Würzburg befassen sich mit der Sanierung der St. Nikolai-Kirche in Marktbreit
Artikel drucken Artikel einbetten
So sehen Sieger aus: Andreas Schröder (3. Preis), Oswin Hennig und Sarah Trinschek (2. Preis) sowie Christiane Druschel und Julia Alsheimer (1. Preis) mit ihren jeweiligen Modellen. Die FH-Studenten haben sich rund vier Monate mit der Umgestaltung beziehungsweise Sanierung der St. Nikolai-Kirche in Marktbreit befasst.
+1 Bild

Ob eines der preiswürdigen Konzepte umgesetzt wird? Wohl eher nicht. Zumindest nicht in seiner Gesamtheit. Aber einige Aspekte könnten schon Einfluss nehmen auf die Umgestaltung der St. Nikolai Kirche in Marktbreit. Die soll im kommenden Jahr in Angriff genommen werden.

Mehr als 650 Jahre alt ist die Kirche, die mitten in der Stadt steht. Über die Jahrhunderte sind immer wieder Veränderungen vorgenommen worden. Jetzt müssen sich der Kirchenvorstand und das Pfarrerehepaar Barraud-Volk erneut mit baulichen Veränderungen befassen. Das Dach muss neu gedeckt, die Leitungen neu verlegt werden. „Rund 60 Jahre hat es keine Veränderungen mehr gegeben“, erklärt Pfarrerin Jacqueline Barraud-Volk.

Im nächsten Jahr sollen die Sanierungsarbeiten beginnen. Ein Jahr werden die Außen- und Innenarbeiten auf jeden Fall dauern. Wie der Innenraum künftig gestaltet sein wird, steht noch nicht fest. Die Pfarrerin möchte gerne junge Menschen in den Entscheidungsprozess involvieren, schließlich sind sie es, die die Kirche in den kommenden Jahrzehnten besuchen und nutzen sollen.

Zahlreiche Anregungen erhielten die Markbreiter jetzt von Architekturstudenten der FH-Würzburg. Deren Semesterarbeit befasste sich mit der Frage, wie der Kirchenraum von St. Nikolai in Zukunft aussehen kann. Eine Problemstellung: Der Innenraum war in seinen Anfangszeiten kleiner, ist dann verbreitert worden. „Für die Bezüge innerhalb des Gebäudes war das natürlich gar nicht gut“, erklärte Thomas Oechsner vom Architekten- und Ingenieurverein (AIV) Würzburg. Der hat am Montagabend einen Förderpreis an die drei Siegerarbeiten vergeben.

Als radikal bezeichnete Jury-Vorsitzender Oechsner das Siegermodell von Christiane Druschel und Julia Alsheimer. Die beiden Studenten im mittlerweile achten Semester schlagen vor, das Hauptschiff freizuräumen und das Kircheninnere weitgehend zu leeren. „So könnte die Kirche flexibel bespielt werden“, meinte Oechsner. Will heißen: Ob großer oder kleiner Gottesdienst, ob Konzert oder Kinderkirche: Die Kirche könnte den jeweiligen Anforderungen flexibel angepasst werden. Einziger Wermutstropfen: Der Innenraum müsste nach jeder Veranstaltung immer wieder aufgeräumt werden. „Da ist natürlich Disziplin von Seiten der Pfarrerin gefordert“, so Oechsner. Als eine Art begehbare und erlebbare Orgel haben Sarah Trinschek und Oswin Hennig ihr Modell konzipiert – und die Jury durchaus begeistert. „Man hat förmlich Lust, dieses Instrument zu durchschreiten und zu erhören“, heißt es in der Würdigung der Jury für den zweiten Preisträger. Als Konzertsaal wäre dies laut Jury eine fantastische Lösung, Oechsner sprach sogar von einem möglichen Juwel für die kirchliche Konzertlandschaft in Süddeutschland. Ob der Entwurf jedoch mit den Anforderungen einer Kirche, in der Gottesdienste, Taufen und Hochzeiten abgehalten werden, konform geht, sei fraglich. Mit einem „Band zwischen Gott und Mensch“ hat Andreas Schröder seinen architektonischen Vorschlag überschrieben. Ein Stahlband windet sich durch die gesamte Kirche, definiert die Räume und symbolisiert die Verbindung zwischen Gott und Mensch. „Das Gesamtkonzept funktioniert sehr gut und erfüllt sämtliche dem Planer gestellten Vorgaben“, so das Lob der Jury für den dritten Platz.

Mit insgesamt 2000 Euro Preisgeld hat der AIV die drei Siegerarbeiten bedacht. Prof. Christian Baumgart betonte, dass alle Studierenden des Semester von dieser Aufgabenstellung profitiert hätten. Eine Kirche mitten in einem Ort umzuplanen, sei nicht nur eine besondere Aufgabe, sondern ein Privileg. Insgesamt sind 14 Arbeiten abgegeben worden, die unterschiedlicher nicht hätten sein können.

Jacqueline Barraud-Volk und der Kirchenvorstand haben sich mit allen Arbeiten befasst und werden nun weiter diskutieren und entscheiden dürfen, welche Vorschläge für die Renovierung von St. Nikolai tatsächlich praktikabel sind. „Wir haben jedenfalls gestaunt über die Fülle an Themen, Ideen und Modellen“, meinte die Pfarrerin. Die Zusammenarbeit mit den Studenten sei sehr inspirierend gewesen. Der erste Zugang zum großen Sanierungsprojekt erfolgte nicht über die Kosten, sondern über Ideen, Gespräche und Visionen einer jungen Generation. „Das hat uns ermutigt, Veränderungen zuzulassen“, so Barraud-Volk. „Und uns im weiteren Prozess die zukunftsrelevanten Fragen zu stellen.“

Geschichte St. Nikolai Kirche in Marktbreit: Die Kapelle wurde erstmals 1293 erwähnt. 1324 wird sie zur Pfarrkirche erhoben. Bau der heutigen Kirche ab 1358. Das Langhaus wird 1438 errichtet. Für die protestantische Nutzung wird die Kirche 1567 erweitert. Weitere Arbeiten im Lauf der Jahrhunderte. Der letzte Umbau des Innenraumes fand 1960 statt.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren