MAINBERNHEIM

Jäger fordern: Veterinäramt muss bleiben

Als ob sie nicht schon genug am Hut hätten, die Jäger, die sich Sorgen machen wegen des stetigen Rückgangs des Niederwilds und die seit Jahren angehalten sind, den Rehbestand wegen des Wildverbisses weiter zu reduzieren. Jetzt scheint sich ein neues Problem aufzutun. Es geht ums Veterinäramt am Landratsamt in Kitzingen.
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Der bisherige Vorstand ist auch der neue bei der Kreisgruppe Kitzingen im Landesjagdverband. An der Spitze des Vereins stehen Schriftführer Hans-Peter Scheibenberger, zweiter Vorsitzender Volker Rost, Vorsitzender Klaus Damme, Schatzmeister Otmar Pistner, dritter Vorsitzender Bert Grebner und Mitgliederverwalter Karl Kaiser (von links). Foto: Winfried Worschech
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Als ob sie nicht schon genug am Hut hätten, die Jäger, die sich Sorgen machen wegen des stetigen Rückgangs des Niederwilds und die seit Jahren angehalten sind, den Rehbestand wegen des Wildverbisses weiter zu reduzieren. Jetzt scheint sich ein neues Problem aufzutun. Es geht ums Veterinäramt am Landratsamt in Kitzingen.

Bei der Jahreshauptversammlung der Kreisgruppe Kitzingen im bayerischen Landesjagdverband (BJV) am Samstagabend in der Mainbernheimer Mehrzweckhalle, sprach Landrätin Tamara Bischof davon, dass aufgrund des Legehennenskandals in Niederbayern die Gefahr bestehe, dass das dem Landratsamt angegliederte Veterinäramt und damit die Lebensmittelüberwachung vor Ort verschwindet und von anderer Stelle übernommen wird. „Da müssen die Jäger ihre Stimme erheben, dass es so bleibt wie bisher.“ Dies auch unter dem Gesichtspunkt, dass das Veterinäramt auch ein Auge auf die Vermarktung des Wildbrets hat und insbesondere bei den Wildschweinen Proben entnehmen lässt.

Auch CSU-Landtagsabgeordneter Otto Hünnerkopf sprach deutliche Worte: „Das Fehlverhalten von Mastbetrieben kann nicht auf bisherige Organisationen abgewälzt werden und das bisherige System darf nicht in Frage gestellt werden, das Veterinäramt muss beim Landratsamt bleiben.“ Die Landrätin richtete Dankesworte an die Adresse der Jäger für die Bemühungen, durch die Abschusserfüllung beim Rehwild die Verbissbelastung zu reduzieren, „was in einigen Hegegemeinschaften auch schon gelungen und wichtig für den Waldumbau ist“. Als „besonders wichtig in einer intensiv genutzten Flur“ bezeichnete sie Stilllegungsflächen für das Niederwild, die Vogel- und Insektenwelt: „Wir brauchen ganzjährige Lebensräume.“

Mainbernheims Bürgermeister Peter Kraus sah die Partnerschaft zwischen Jägern und Waldbesitzern als eine der Grundvoraussetzungen für den Waldumbau: „Dabei dürfen Zäune aber nicht zur Dauereinrichtung werden.“

Alois Kraus, Kreisobmann des bayrischen Bauernverbandes, rief zu weiterer intensiver Bejagung des Schwarzwildes auf und sprach ein neues Problem an, das sich mit dem vermehrten Auftreten von Wildgänsen präsentiere: „Die bereiten immer mehr Sorgen.“ Dass die Jagdpachtpreise nach unten gingen, sei berechtigt, „da die Jäger hohe Dienstleistungen erbringen“.

Die wichtigsten Punkte für den Jäger als Lebensmittelunternehmer und für die lebensmittelhygienischen Anforderungen bei den unterschiedlichen Vermarktungsformen beim Wild sprach Uwe Knickel an, Leiter des Kitzinger Veterinäramtes. Er machte zum einen deutlich, dass der Jäger einen Sonderstatus genieße, da er die Wildbretbeschau selbst durchführen könne, zum anderen aber auch gehalten sei, beim Zerwirken und Vermarkten des Wildes peinlichste Sauberkeit walten zu lassen, „da das Fleisch aufgrund der verschiedenen Jagdarten, wegen des Wetters und beim Transport vielen Unwägbarkeiten unterliegt“. Aus diesem Grunde sei es oberstes Gebot bei der Vermarktung des Wildes, „dass nur sichere Lebensmittel in den Verkehr gebracht werden dürfen“.

Klaus Damme, Vorsitzender der BJV-Kreisgruppe, ging in seinem Jahresbericht auf den Wildverbiss ein, der sich auf rund 6000 Hektar Waldfläche als gering darstelle, während er auf knapp 2000 Hektar laut Vegetationsgutachten noch zu hoch sei. Um eine weitere Reduzierung des Verbisses zu erreichen, müssten vermehrt Deckungs- und Äsungsflächen in der Flur geschaffen werden, „da nach der Ernte die Flur manchmal wochenlang leer ist“.

Um Rebhühnern wieder mehr Überlebenschancen zu bieten, verteilt die Kreisgruppe nun Futterautomaten (wir berichteten). Der Vorsitzende appellierte an die Jäger, Fuchs, Marder, Krähen und Elstern noch intensiver zu bejagen.

Einen positiven Jahresabschluss legte Schatzmeister Otmar Pistner vor, dem Vorstand wurde einstimmige Entlastung erteilt. Bei den Neuwahlen per Akklamation unter der Leitung von Leonhard Knoll wurde der bisherige Vorstand einstimmig im Amt bestätigt. Stellvertreter von Klaus Damme bleiben Volker Rost und Bert Grebner, für das Protokoll ist weiterhin Hans-Peter Scheibenberger zuständig, für die Mitgliederverwaltung Karl Kaiser und für die Finanzen Otmar Pistner.

Stellvertretender Jagdberater Georg Hünnerkopf trug interessante Zahlen zur Streckenliste vor, untermalt von den Signalen der Jagdhornbläsergruppe. Beim Rehwild gab es mit 2666 Stück einen neuen Rekord und bei den Wildschweinen wurde mit 610 Schwarzkitteln die zweithöchste Strecke erzielt. Hasen lagen 1757 auf der Strecke und 996 Füchse. Aufhorchen ließen die Zahlen bei den Wildgänsen, wo 92 Nilgänse geschossen wurden, außerdem 155 Kormorane. Beim Damwild gab es 40 Erlegungen und beim Muffelwild fünf.

Schießobmann Christian Melber kündigte einen Vortrag über bleifreie Munition und Schalldämpfer im jagdlichen Einsatz für den 22. Juli an und Hundeobmann Rainer Hornung berichtete vom Begleithundelehrgang und von den Vorbereitungen auf die Brauchbarkeitsprüfung.

Ehrungen bei den Jägern

50 Jahre Mitgliedschaft: Willi Büchold, Hans Reehe, Winfried Worschech.

40 Jahre: Wolfgang Artmann, Heinz Böhm, Hans Haupt, Wilhelm Melber, Rudolf Petzolt.

25 Jahre: Marko Deubel, Gerhard Herrforth, Fritz Köhler, Jost Vosskühler.

25 Jahre bei der Bläsergruppe: Karl Kirschbauer.

Zehn Jahre: Wolfgang Körner.

BJV-Eichenkranz in Bronze: Heinrich-Josef Coßmann, Leonhard Knoll, Nadine Rost.

BJV-Ehrenzeichen Bronze: Peter Meyer, Volker Rost.

Hegenadel in Silber: Bert Grebner, Rupert Maier, Edgar Rost.

BJV-Ehrenzeichen Silber: Waldemar Leibold.

Naturerbe bayerische Landschaft Bronze: Helmut Müller, Ernst Nuss, Heinz Witzke.

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