IPHOFEN

Iphofens schöne neue Waldwelt

DIe Stadt besitzt 146 Hektar am Schwanberg. Aber was soll mit der Fläche passieren? Der Stadtrat hat bei einer Führung einen Eindruck erhalten.
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Iphofens Stadtförster Rainer Fell stellte den Stadträten die am Schwanberg erworbenen Waldbereiche vor. Foto: Foto: Eike Lenz
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Das also ist die neue Errungenschaft. Rainer Fell verschwindet als Stadtförster im Unterholz und kommt als Tarzan wieder raus – baumelnd an einer der Schlingpflanzen, die wie das Haar von Rapunzel herab hängen. Da hat die Stadt Iphofen gut 146 Hektar Wald vom benachbarten Fürstenhaus Castell-Rüdenhausen erworben und das erste, was der Förster dem Stadtrat am Montagabend beim Waldgang präsentiert, ist – eine brüchige Liane?

Nein, nein – so ist es auch wieder nicht. Da gibt es schon noch andere Attraktionen. Auf der Abenteuertour durch einen Teil der neuen Waldungen wird deutlich, was Fell meint, als er später im kleinen Kreis verrät: „So eine Chance kommt alle 500 Jahre.“ Die Iphöfer Tourismusexpertin Claudia Bellanti hat diese Chance vorher so beschrieben: „Der Schwanberg ist das wandertouristische Ziel im Landkreis.“ Nun ja, und ein paar Einnahmen as Holzwirtschaft hat die Stadt auch noch.

Eine Berg- und Talfahrt

Mit kleinen Bussen geht es an diesem Sommerabend von der einen in die andere Richtung, eine Berg- und Talfahrt mit bewussten Stopps an exponierten Stellen. Fell will den Räten zeigen, „was wir gekauft haben“, wie er sagt. Der neue Iphöfer Waldbesitz umgibt Schloss Schwanberg und den Park von allen Seiten. Nicht berührt von dem Besitzerwechsel bleiben die Gebäude der Communität Casteller Ring, das kleine, im Wald verborgene Mausoleum der Fürstenfamilie (auch das steuert die Gruppe noch an) und der Friedwald. Der Förster führt die Räte zu entlegenen, versteckten, beliebten, idyllischen Plätzen.

Große Bäume und schmale Pfade

Zumindest einen kleinen Eindruck von der schönen neuen Iphöfer (Wald-)Welt sollen sie bekommen. Und da stehen sie also im Hochwald des Tannenbuchs und blicken hinauf auf mächtige, kerzengerad gewachsene Buchen, erklimmen einen schmalen steilen Pfad und finden sich plötzlich mitten im Schlosspark wieder.

Claudia Bellanti erzählt etwas über den Nutzungskonflikt am Berg zwischen Mountainbikern und Wanderern und stellt klar, dass es die Wanderer seien, die Iphofen ansprechen wolle und viele der Wege eben nicht dazu da seien, sie mit dem Rad hinunterzurasen.

Auch Felder und Wiesen gehören zu der Fläche

Nach einem weiteren kleinen Fußmarsch erreicht die Gruppe ein freies Feld. Neben 127 Hektar hat die Stadt auch rund 17 Hektar Felder und Wiesen gekauft, und das erste, was sie an dieser Stelle gemacht hat: Sie hat die Wiese am Waldrand gemäht und will das auch weiter regelmäßig tun, statt sie nur zu mulchen, wie es vorher geschehen ist. Dort, wo jetzt die Stadträte stehen, im knöchelhohen Gras, könnte sich Fell ein paar Schafe oder Rindviecher vorstellen – weil es landschaftlich passe und Tiere immer gut sind für den Tourismus. „Wir haben schon Landwirte, die interessiert wären. Das hätte riesigen Charme“, sagt Fell.

Jetzt geht es mit den Autos weiter, und nach kurzer Fahrt taucht mitten im Wald der Birkensee auf. Idyllisch, wie er daliegt, könnte das die sagenumwobene Stelle sein, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, im Herbst sprießen hier ringsum die Fliegenpilze, und im Winter laufen die Kinder auf dem gefrorenen See Schlittschuhe.

Schlittschuhlaufende Kinder gibt es auch in Zukunft

„Da wird nicht viel zu tun sein“, sagt Fell. „Das bleibt so erhalten.“ An anderer Stelle wird die Stadt „ein paar Euros in die Hand nehmen müssen“, wie Bürgermeister Mend sagt, um die von ihm angesprochenen „Impulse“ zu setzen. „Wir wollen einen neuen Bezug zum Schwanberg herstellen“, sagt Mend.

Zu den Aufgaben wird es auch gehören, Wege und Straße zu richten. An einigen Stellen im Wald muss der Fahrer schon tüchtig Gas geben und geschickt manövrieren, damit er mit seinem Kleinbus nicht stecken bleibt, und dann gibt es Stellen, die so holprig sind, dass man im Wagen fast sein Wasser verschüttet, das die Stadt auf der Tour für Durstige spendiert. „Der Zustand der Forstwege“, sagt Fell nun diplomatisch, „ist nicht der, den wir gewohnt sind.

Wenn es heute Mittag stärker geregnet hätte, wären wir hier nicht hochgekommen“. Von schweren Lastwagen, die im Winter Baumstämme transportieren sollen, nicht zu reden.

Es wird aufgeräumt

Was die Stadt die nächste Zeit am Berg anpacken wird, hat Tourismusexpertin Bellanti kurz und prägnant so beschrieben: „Aufräumen und dezent verbessern.“ Derzeit ist Iphofen zwar nur Besitzer, noch kein Eigentümer der Flächen, weil der Kaufakt im Grundbuch noch nicht vollzogen ist, wie Mend sagt. Doch das dürfte bloß eine Formalie sein. Die Stadt wird also in Kürze beginnen, den Berg nach ihren Ideen zu erschließen, manche neue Attraktion zu schaffen. Unklar ist, ob dazu auch ein Stadtförster gehört, der auf Lianen durch den Wald schwingt.

 

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