KITZINGEN

Investoren entdecken Kitzingen

Bürgerbräu-Gelände, Fetzer-Grundstück, Tankstelle am Rosengarten, Baywa-Silos: Die Namen stehen für geplante Bauprojekte in und am Rand der Kitzinger Innenstadt.
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Der Rohbau für das neue Wohnhaus an der Ecke Schrannenstraße/Ritterstraße geht der Vollendung entgegen. Zuvor war ein baufälliges Haus abgerissen worden, das lange als Schandfleck auf dem Weg in die Innenstadt galt. FOTO: Sebelka Foto: Sebelka
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Bürgerbräu-Gelände, Fetzer-Grundstück, Tankstelle am Rosengarten, Baywa-Silos: Die Namen stehen für geplante Bauprojekte in und am Rand der Kitzinger Innenstadt. Wo einst Gewerbe und Handel blühten, entstehen Wohnungen der gehobenen Klasse.

Bisher sind es Voranfragen, Entwürfe, erste Skizzen und meist noch keine konkreten Baupläne. Dennoch ist bemerkenswert, was dem Kitzinger Stadtrat in letzter Zeit präsentiert wurde. Vier Projekte innerhalb kurzer Zeit (siehe Infokasten). Zufall oder nicht?

„Den Trend zu hochwertigen Wohnungen gibt es schon länger“, sagt der Kitzinger Bauamtsleiter Oliver Graumann. Jetzt sei er in Kitzingen angekommen. Wobei Graumann feststellt, dass die Nachfrage schon immer da war. Bisher habe aber das Angebot gefehlt, gerade in der Innenstadt.

Das soll sich ändern. Immer mehr Investoren kommen auf das Bauamt zu und lassen sich beraten. „Wir helfen da gerne und schieben auch an, wo es möglich ist“, sagt Graumann.

Das Ergebnis kann man teilweise schon besichtigen: Einige größere Wohnprojekte wie in der Flugplatzstraße oder an der Farbmühle in Etwashausen sind abgeschlossen oder stehen vor der Fertigstellung.

„In Kitzingen stimmen die Rahmenbedingungen.“
Oliver Graumann Bauamtsleiter

Dass die Beratung im Bauamt ankommt, wurde bei der Präsentation der Pläne für die 38 Wohnungen im Bürgerbräu-Gelände ebenso deutlich wie bei der Vorstellung der Projekte am Rosengarten oder im Baywa-Silo. Es gab durchgehend Lob für das Bauamt. Einziger Ausreißer: Das Projekt auf dem Fetzer-Gelände. Hier gingen die Meinungen von Bauamt („Da wäre städtebaulich mehr drin gewesen.“), der Eigentümer und Investoren ganz offenbar auseinander. Dennoch wurde das Vorhaben von einer deutlichen Mehrheit im Stadtrat durchgewunken.

Dass Kitzingen plötzlich attraktiv wird, begründen Fachleute einmal mit dem Mangel an Bauplätzen und den sehr hohen Preisen in Würzburg. „Die Leute zieht es in den Speckgürtel rund um Würzburg“, sagte ein Immobilienmakler am Rande der jüngsten Stadtratssitzung. Dazu kommt, dass Immobilien angesichts der niedrigen Zinsen für viele weiter ein Thema sind.

Graumann ergänzt: „In Kitzingen stimmen die Rahmenbedingungen.“ Die hier ansässigen Betriebe stünden gut da. Die Arbeitsplatzsituation sei hervorragend, die Arbeitslosigkeit auf einem niedrigen Stand.

Daneben kann die Stadt mit ihrer Infrastruktur punkten: Top-Verkehrsanschluss, eine funktionierende Klinik, gute ärztliche Versorgung, eine komplette Schullandschaft, Krippen, Kindergärten, Horte – alles ist da. Dazu ein attraktives Umfeld mit Sport- und Freizeitanlagen und kurzen Wege zur Naherholung an den Main und in den Steigerwald. Und nach Würzburg ist es nur ein Katzensprung.

Alles Dinge, die inzwischen bei Investoren angekommen sind, glaubt Graumann. Über Nachfragen jedenfalls kann er sich nicht beklagen: „Wir freuen uns über jeden Interessenten.“

Apropos Freude: Ein Uraltproblem hat sich inzwischen auch erledigt. An der Ecke Schrannenstraße/Ritterstraße wächst ein Rohbau der Fertigstellung entgegen, der viele Jahre für Diskussionen gesorgt hatte. Eigentlich wollte der Eigentümer den „Schandfleck auf dem Weg in die Innenstadt“ bis zur Kleinen Gartenschau ersetzt haben.

Das war im Mai 2011. Fünf Jahre später schließt sich die Baulücke, Stein um Stein. Übrigens, die erwähnte Liste der Projekte ist nicht vollständig: Das Marktcafé oder die Ecke Schmiedelstraße/Wörthstraße mit dem ehemaligen Gasthaus Schubkarrn stehen in den Startlöchern. Der Eindruck täuscht nicht: Es tut sich was in Kitzingen.

Vier große Bauprojekte

Bürgerbräu: Im Herbst stellten die Familie Fiebig als Eigentümer und Erik Koller als Mitinhaber und Geschäftsführer der Kitzinger Brauhöfe GmbH & CoKG die Pläne für das Bürgerbräu-Gelände vor. 38 Wohnungen sollen in der alten Brauerei auf rund 4000 Quadratmetern entstehen. Dem Bebauungsplan hat der Stadtrat zugestimmt. Läuft alles nach Plan, könnte noch im Frühjahr 2016 mit dem Abriss verschiedener Gebäude begonnen werden. Damit wäre der Weg frei für die barrierefreien Wohnungen mit Balkon oder Terrasse sowie Aufzug und einer Tiefgarage im Herzen der Altstadt.

Fetzer-Grundstück: Im Januar kamen die Pläne für die Bebauung des Fetzer-Grundstückes in der Glauberstraße auf den Tisch. Das Gelände ist nach dem Brand des ehemaligen Lagerhauses seit Jahren ein Ruinengrundstück. In einem Gebäude, das sich an den Maßen des Lagerhauses orientiert, sollen direkt an der Glauberstraße Wohnnungen gebaut werden. In einem zweiten Abschnitt sollen auch die Verwaltungsgebäude an der Adalbert-Stifter-Straße Wohngebäude werden. Genaue Zahlen gibt es nicht. Kenner gehen von rund 30 Wohnungen auf dem Grundstück aus.

Am Rosengarten: In der selben Bauausschusssitzung präsentierte Architekt Reinhard Kriesinger (Würzburg) erste Pläne für ein modernes Wohnhaus am Rosengarten. Das Mehrfamilienhaus soll auf dem Grundstück gebaut werden, wo bis vor kurzem Reifen verkauft wurden und sich eine Tankstelle befindet. Kriesinger rechnete in der Sitzung damit, dass bis zur Jahresmitte der Bauantrag für das dreigeschossige Haus mit acht hochwertigen Wohnungen mit drei oder vier Zimmern eingereicht werden kann.

Baywa-Getreide-Silo: Ein „besonderes Projekt“ hat Wolfgang Rosentritt in der jüngsten Stadtratssitzung vorgestellt. Bis zu 23 Wohnungen mit einer Größe zwischen 60 und 160 Quadratmetern sollen in den ehemaligen Baywa-Getreidesilos an der Glauberstraße am Main entstehen. Bei der ersten Vorstellung hat der Bauingenieur viel Beifall und damit Rückenwind vom Stadtrat bekommen. Auch er kann „eines seiner bisher schönsten Projekte“ weiterentwickeln. Text: Sebelka

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