Kitzingen

Insekten werden immer weniger

Es ist höchste Zeit zum Handeln. BN und LBV machen mit einem Fotowettbewerb auf bedrohte Insekten aufmerksam
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Wem gelingt es wohl am besten, Insekten in einem Foto in Szene zu setzen?
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Landkreis KT Wer gerne in der Natur unterwegs ist und im besten Fall dabei auch noch eine Kamera dabei hat, der sollte jetzt hellhörig werden. Der Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz rufen zu einem Fotowettbewerb mit dem Thema Insekten auf. Klaus Petter vom Bund Naturschutz, Vorsitzender der Ortsgruppe Mainstockheim, hofft so, die Menschen im Landkreis auf die bedrohte Klasse der Gliederfüßler aufmerksam zu machen.

Frage: Ist die Anzahl an Insekten tatsächlich so dramatisch gesunken?

Klaus Petter: Oh ja. Die Biomasse der Insekten hat seit 27 Jahren um erschreckende 75 Prozent abgenommen. Dabei sollten wir bedenken, dass 60 Prozent unserer heimischen Vogelarten auf Insekten angewiesen sind. Auch die 24 Fledermausarten Bayerns leben ausschließlich von Insekten. Wir sehen mitunter bereits am Tage jagende Fledermäuse, was heißt, dass sie nachts nicht mehr genug finden und so auch tagsüber auf Nahrungssuche gehen müssen. Und nicht zuletzt sei angemerkt, dass 90 Prozent unserer Blütenpflanzen auf die Bestäuberleistung von Insekten angewiesen sind. Letzteres ist für uns Menschen überlebensnotwendig. Insekten tragen direkt und indirekt zur Artenvielfalt und damit zur Biodiversität bei. Sie ist überlebensnotwendig – vor allem für unsere Nachkommen, weil nur Artenvielfalt in der Lage ist, dem kommenden Klimawandel zu trotzen.

Was ist der Grund für den Rückgang?

Klaus Petter: Ganz vorn steht hier die Landwirtschaft mit ihrem massenhaften Einsatz von Pestiziden. Sie ist am Artenrückgang zu 75 Prozent beteiligt. Eine fehlgeleitete Agrarpolitik ist dabei nicht der alleinige Grund. Die Biolandwirtschaft macht es uns vor, dass es auch ohne Pestizide geht! Weitere Gründe für den Insektenrückgang sind genauso menschengemacht: Da ist der ungehemmte Drang nach Verbauung, Zerschneidung und Zersplitterung von Grund und Boden. Jährlich geht in Bayern eine Fläche von der Größe des Chiemsees unwiederbringlich dem Naturhaushalt verloren. Die Luftverschmutzung macht einen großen Teil aus und auch insektenfeindliche Leuchtmittel tragen ihren Teil zum Rückgang der Arten bei.

Was kann jeder Einzelne von uns zum Schutz bedrohter Insekten beitragen?

Klaus Petter: Als erstes müssen die Ursachen des Artenrückganges beseitigt werden, damit die ökosystemdienstleistende Natur ihre Wirksamkeit wieder voll entfalten kann. Das beginnt schon im Kleinen. Jedermann kann ein Insektenhotel bauen und auf seinen Balkon stellen. Für den Laien ist es dann spannend zu beobachten, wie sich die kleinen Bienen und andere Hautflügler über die gebohrten Löcher hermachen und sie mit Leben füllen. Wichtig sind auch alte Obstbäume in Flur und Garten. Bis zu 400 verschiedene Insekten-, Säugetier- und Vogelarten halten sich an einem einzigen alten Obstbaum auf.

Mit welchen Projekten setzt sich der Kitzinger Bund Naturschutz denn beispielsweise für Insekten ein?

Klaus Petter: Die einzelnen Ortsgruppen pflegen und schützen bedrohte Streuobstwiesen im Landkreis Kitzingen.

Mit einem Fotowettbewerb will der BN jetzt gezielt die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf Insekten lenken. Was steckt dahinter?

Klaus Petter: Der Schutz, der Erhalt und die Erkenntnis über den Formen- und Artenreichtum von Insekten sollen durch den Fotowettbewerb in eine breite Öffentlichkeit getragen werden. Es dürfen alle Insekten abgebildet werden und mitmachen kann jeder. Die Natur mit ihrer biologischen Vielfalt ist schutzwürdig und schutzbedürftig – darüber besteht weltweit gesellschaftspolitischer Konsens. Auch die ethische Verpflichtung zur Achtung der Natur darf nicht vergessen werden. Unsere Gesellschaft muss ihrer Verantwortung für kommende Generationen nachkommen und mit Augenmaß eine nachhaltige Nutzung der Natur betreiben. Dazu soll der Fotowettbewerb beitragen.

Fotowettbewerb

Der Bund Naturschutz, Kreisgruppe Kitzingen, und die Kreisgruppe Kitzingen des Landesbunds für Vogelschutz rufen zum Fotowettbewerb „Insekten“ auf. Maximal vier Fotos je Einsender können an bn-kitzingen@t-online.de gesandt oder ausgedruckt auf DIN A4 bei der Geschäftsstelle des BN (Ritterstraße 16, Kitzingen) abgeliefert werden. Einsendeschluss ist der 31. Oktober. Am Ende ist eine Ausstellung geplant. Eine Jury wird zwölf Preisträger ermitteln, die Insektenhotels und Insektenbestimmungsbücher gewinnen.


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