Kitzingen

Ins große Dankeschön mischt sich eine Sorge

An die Wahlplakate der Parteien haben wir uns längst gewöhnt. Ab diesem Wochenende bekommen sie Konkurrenz. Flächendeckend sind dann die Plakate der Innungsbetriebe im Landkreis Kitzingen zu sehen. Die Aktion „Danke – für Ihr Vertrauen in unser Handwerk“ dauert mehrere Wochen.
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Die Gesichter hinter der Aktion: Steffen Gehret (IKK classic/Sponsor), Michael Bissert (Vizepräsident Handwerkskammer), Karl-Heinz Feilen (Mewa Textil-Management/Sponsor), Stephan Jamm (Metzgerei Deininger), Monika Henneberger (Kreishandwerksmeisterin) und Peter Heppel (Signal Iduna/Sponsor).
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An die Wahlplakate der Parteien haben wir uns längst gewöhnt. Ab diesem Wochenende bekommen sie Konkurrenz. Flächendeckend sind dann die Plakate der Innungsbetriebe im Landkreis Kitzingen zu sehen. Die Aktion „Danke – für Ihr Vertrauen in unser Handwerk“ dauert mehrere Wochen.

„Wir wollen uns damit bei unseren Kunden aber auch bei den Mitarbeitern bedanken“, erklärt Kreishandwerksmeisterin Monika Henneberger die Motivation hinter der Aktion. Die Kunden können sich unter anderem auf ein Gewinnspiel freuen. Als Preise gibt es unter anderem ein Hotelwochenende in Berlin, ein Fahrrad oder Karten für den Signal Iduna Park zu gewinnen. Das Ziel der Aktion umschreibt einer der Sponsoren der Aktion, Karl-Heinz Feilen vom Textil-Management Mewa, so: „Wir wollen eine positive Stimmung für das Handwerk kreieren.“

Betroffen sind fast alle Branchen

Negativ ist die Stimmung bei den 1311 Mitgliedsbetrieben im Landkreis Kitzingen mit ihren rund 5300 Beschäftigten nicht, wie der Vizepräsident der Handwerkskammer, Michael Bissert, versichert. Aber die meisten Betriebe plagt eine Sorge, die mittlerweile auch den Staat oder die Schulämter umtreibt: Es fehlt an Nachwuchs. Bissert berichtet von rund 1000 offenen Lehrstellen in Unterfranken. Betroffen sind fast alle Branchen, besonders hart die Bäcker und Metzger aber auch die Sanitär- und Heizungsbauer. „Die Situation ist dramatisch“, bestätigt Stephan Jamm, Inhaber der Metzgerei Deininger in Marktsteft. In den letzten zehn Jahren hat er gerade mal vier Auszubildende gehabt. Setzt sich dieser Trend fort, wird es irgendwann mit der Produktion schwer. Jamm: „Diese Rechnung kann nicht aufgehen.“

Schon locken Betriebe potenzielle Bewerber mit Prämien oder Geschenken. Für Michael Bissert verständlich. Aber er würde sich viel eher ein Umdenken in der Gesellschaft wünschen. Im Kindergartenalter würde der Nachwuchs noch von einer Zukunft als Bauarbeiter träumen und mit dem Bagger oder der Schaufel im Sand spielen. In der Schulzeit würden diese Berufsträume den meisten Kindern ausgetrieben. Von einer Elitebildung spricht Bissert und nimmt dabei auch die Eltern in die Pflicht. Die animierten ihre Kinder viel zu oft zu einem Studium anstatt ihnen die Chancen eines Berufslebens im Handwerk aufzuzeigen. Dort seien die beruflichen und finanziellen Aufstiegschancen so gut wie schon lange nicht mehr. Gute Handwerker hätten eine rosige Zukunft vor sich. „Es gibt immer weniger Handwerker und die werden immer mehr verdienen“, prophezeit Bissert. Im Moment sei es aber so, dass immer wieder Betriebe schließen müssten, weil sie entweder keine Mitarbeiter oder keinen Nachfolger finden.

Dank geht an die Stammkunden

Flüchtlinge aus Syrien oder Afghanistan könnten diese Lücken auch nur bedingt schließen. „Die Grundlage für eine Ausbildung sind die Beherrschung der deutschen Sprache und der Wille, den gewählten Beruf zu erlernen.“ Steffen Gehret, Mitarbeiter eines weiteren Sponsors der Werbeaktion (IKK classic) würde sich wünschen, dass die Arbeitserlaubnis für junge Flüchtlinge schneller und unbürokratischer eintrifft. „Sonst ist die Motivation oftmals weg.“

Mit der breit angelegten Werbeaktion wollen die Handwerksbetriebe einerseits ihren treuen Mitarbeitern danken und andererseits ihren Kunden. „Wir alle leben vor allem von unseren Stammkunden“, erinnert Kreishandwerksmeisterin Henneberger. „Zum Glück vertrauen die auf unsere Stärken.“

Aktion: Am 16. September, dem Tag des Handwerks, startet die vier- bis sechswöchige Aktion.

Gewinnspiel: Die Kunden können sich auf ein Gewinnspiel freuen, Teilnahmekarten gibt es beim Innungsfachbetrieb.

Die Sponsoren der Aktion: IKK classic, Mewa Textil Management und Signal Iduna.



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