Kitzingen
Moderne

In Zukunft haben die Kitzinger auch ein virtuelles Rathaus

Die Region Kitzingen ist auf dem Weg zum virtuellen Rathaus: Bald sollen Amtsgänge bequem vom heimischen Computer aus erledigt werden können. Wer will, kann aber auch weiterhin wie gewohnt persönlich vorbeikommen.
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Sachbearbeiterin Anna-Maria Kress führte vor, wie beispielsweise die Meldung eines Mangels  mit einem Online-Formular funktioniert, und bewies dadurch die Nutzerfreundlichkeit des Systems für Behörde und Bürger.  Foto: Karina Brock
Sachbearbeiterin Anna-Maria Kress führte vor, wie beispielsweise die Meldung eines Mangels mit einem Online-Formular funktioniert, und bewies dadurch die Nutzerfreundlichkeit des Systems für Behörde und Bürger. Foto: Karina Brock
Amtsgänge. Eine lästige Pflicht, wenn man umzieht, ein Auto anmeldet, sich einen Hund anschafft oder ein Gewerbe abmelden will. Künftig soll man solche und viele andere Angelegenheiten vom heimischen Schreibtisch aus erledigen können - und zwar ohne Papierkrieg. Die Voraussetzung: Ein funktionierendes, benutzerfreundliches Online-Formular-System, mit dem Bürger und Behörden gleichermaßen problemlos arbeiten können.

Das wollen Stadtverwaltung, Verwaltungsgemeinschaft und Landratsamt Kitzingen nun mithilfe der E-Government-Initiative des Bundes schaffen. Um, so Oberbürgermeister Siegfried Müller, Bürokratie abzubauen, den Mitarbeiten die Arbeit zu erleichtern, Kosten zu sparen und nicht zuletzt den Bürgerservice zu verbessern. Am Freitag stellten der IT-Leiter der Stadt Kitzingen, Wolfgang Zürrlein, und Rudolf Philipeit vom externen Dienstleister Sixform das Modellprojekt vor.

Künftig sollen den Bürgern für alle möglichen Amtsangelegenheiten Online-Formulare zur Verfügung stehen.

Diese werden verwaltungsübergreifend einheitlich gestaltet. In den Feldern, die auszufüllen sind, sind Straßennamen und Postleitzahlen hinterlegt, die zuständige Stelle ergänzt die "intelligente Pdf-Datei" selbst.
Es können Bilder oder andere Dateien angehängt werden und sämtliche Funktionen werden erklärt, sobald man mit der Maus über die entsprechenden Felder fährt.

Vorteile für die Behörde sind die Möglichkeit, alle Vorgangsbeteiligten - Antragsteller, Gemeinde, Verwaltung sowie gegebenenfalls Stellen wie Bauhof, Feuerwehr oder IHK - elektronisch einbinden und die Daten aus den Formblättern in interne Vorgänge übertragen zu können.

Möglich wird diese Modernisierung durch zwei Werkzeuge: Zum einen das E-Mail-System "De-Mail", das durch Absender- und Versandbestätigungen sowie eine verschlüsselte Datenübertragung eine sichere, verbindliche Zustellung von E-Mails gewährleistet. Zum anderen der neue Personalausweis, wobei für alle Vorgänge, die normalerweise einer Unterschrift bedürfen, die Onlineausweisfunktion (eID) freigeschaltet werden muss. "Davor muss aber niemand Angst haben", betonte Thomas Langhojer, IT-Leiter des Landkreises Kitzingen. "Auf dem Chip steht nichts, was nicht auch außen auf dem Kärtchen steht." Die Freischaltung habe nur den Vorteil, dass man entsprechende Dienste im Internet nutzen könne. "Es kann den Ausweis kein Unberechtigter auslesen, weil man dafür jedesmal seine Daten selbst mit einer Pin-Nummer freigeben muss." Außerdem seien alle Stellen und Firmen, die zum Auslesen der Daten berechtigt sind, vom Bundesverwaltungsamt dazu zertifiziert und müssen sich dem Nutzer gegenüber ebenso ausweisen. "Ein Missbrauch der Daten über die eID ist also nahezu unmöglich."

Die Anwendung der Formulare funktioniert dann immer gleich und mit allen gängigen E-Mail-Programmen und Arbeitssystemen. Wobei es den Bürgern freigestellt ist, ob sie die Pdf-Dokumente am Computer ausfüllen und per E-Mail versenden, oder ausdrucken und verschicken möchten. "Jeder soll da abgeholt werden, wo er steht. Wenn jemand die Papierform bevorzugt, spricht nichts dagegen", sagte Philipeit. Nötig wird sie allerdings nicht mehr sein.

Alltagstauglich wird das Ganze durch die Plattform der Firma Sixform, die in Zusammenarbeit mit den IT-Fachleuten der Behörden die Formulare überarbeitet. Die kompletten Vorgänge laufen über deren virtuellen Schreibtisch, der die Kommunikation verknüpft, ohne in Berührung mit personenbezogenen Daten zu kommen. Interessant für die Gemeinden: Bezahlt wird in Kleinstbeträgen von um die 80 Cent pro Vorgang. "Es entstehen nur Kosten, wenn die Dienstleistung genutzt wird", betonte Zürrlein. Dadurch seien keine hohen Anfangsinvestitionen nötig und die Firma könne je nach Bedarf weitere Formulare entwerfen. Für die Bürger entstehen keine zusätzlichen Ausgaben, sie zahlen wie gewohnt nur bei gebührenpflichtigen Anträgen.

Dem ganzen Projekt voran ging eine Ausschreibung des Bundesinnenministeriums. Danach wurden 27 Behörden ausgewählt, die nun im Rahmen der E-Government-Initiative Unterstützung vom Bund bekommen, um Anwendungen für den neuen Personalausweis zu entwickeln. Die Projektgruppe aus Stadt, VG und Landkreis Kitzingen ist eine davon. Nach Abschluss des Projektes Mitte 2013 sollen alle Ergebnisse - Formulare, Konzepte und so weiter - bundesweit allen Behörden zur Verfügung stehen.

In Kitzingen ist ein Anfang schon gemacht.

Erste Formulare stehen bereits im Internet - und wurden vereinzelt sogar schon genutzt. Im Rahmen des Projektes sollen aber noch für alle interessierten Bürger, Vereine und Unternehmer Schulungen angeboten werden. Auch ein Bürgerterminal zum Ausprobieren und Kennenlernen des neuen Service ist in Arbeit.

"Damit ist die Schriftform künftig überflüssig", sagte Philipeit. Wer der neuen Technik trotzdem nicht traut oder wem die bewährte Form einfach lieber ist, muss sich auch keine Sorgen machen: Sowohl ein Papierformular, als auch das persönliche Gespräch mit den Mitarbeitern der Ämter sind natürlich nach wie vor möglich.
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