LANDKREIS KITZINGEN

In den Startlöchern

Die Freibadsaison im Landkreis Kitzingen geht los. Alle Schwimmbäder haben mit einem Problem zu kämpfen: Der Betrieb ist kostendeckend nicht zu stemmen.
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Auf die Plätze, fertig, los. Noch ist das frisch renovierte Markt Einersheimer Freibad leer. Am 18. Mai ist die Eröffnung vorgesehen. Foto: Foto: Berthold Diem
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Langsam steigen sie wieder, die Temperaturen. So richtig sommerlich wird es laut den Meteorologen vorerst aber nicht. Die Freibadsaison im Landkreis Kitzingen steht dennoch in den Startlöchern. Abtswind hat die Türen schon am 1. Mai geöffnet. Kitzingen will an diesem Sonntag, 12. Mai, nachziehen. Die anderen Gemeinden folgen. Nur in Volkach steht ein Termin noch nicht fest. Dort ist die Zukunft der Einrichtung mehr als unsicher.

Fünf Freibäder gibt es im Landkreis Kitzingen. So unterschiedlich die Größen, das Alter und die Besucherzahlen auch sind, eines haben sie gemeinsam: Alle sind sie defizitär. „Das ist von vornherein klar“, sagt Martinsheims Bürgermeister Rainer Ott. Im Stadtteil Gnötzheim steht das kleinste Freibad im Kreis, das ursprünglich ein Löschweiher für die Feuerwehr werden sollte. Mitte der 1970er Jahre haben die Martinsheimer sich umentschieden und ein kleines Freibad gebaut. Rainer Ott war damals Schüler und profitierte selbst von dem „Riesenereignis“.

„Wenn es schöner wird, geht es los.“

Bürgermeister über den

Eröffnungstermin in Gnötzheim

43 Jahre später muss er als Bürgermeister auch die Kosten dieser Einrichtung im Blick haben. „Natürlich stünde langsam mal eine Generalsanierung an“, sagt er. „Aber das können wir uns gar nicht leisten. Etwa eine Million Euro würde so eine Sanierung kosten, vor drei Jahren ist dieser Betrag ermittelt worden. „Es geht aber auch so“, meint Ott, der den vielen freiwilligen Helfern von der Wasserwacht dankbar ist. Die kümmern sich um die Aufsicht und den Betrieb. Und sie legen Jahr für Jahr den Eröffnungstermin nach ganz pragmatischen Richtlinien fest. „Wenn es schöner wird, geht es los“, kündigt Ott an.

In Markt Einersheim ist der Eröffnungstermin längst klar. Am 18. Mai, dem Tag der Städtebauförderung, macht das Bad auf. Der Termin ist der Generalsanierung vor zwei Jahren geschuldet. Damals fanden aufwändige Arbeiten statt, die rund drei Millionen Euro verschlangen. Unter anderem wurden ein neues Edelstahlbecken eingebaut, die Gebäude von Grund auf saniert und der gesamte Bereich barrierefrei gestaltet. Bürgermeister Herbert Volkamer freut sich über eine gesicherte Zukunft und einen großen Zulauf. Rund 24000 Besucher nutzten das Freibad trotz verkürzter Saison im letzten Jahr, vor allem junge Familien kamen. Die Städtebauförderung hatte eine Million Euro für die Sanierung bewilligt. Geld, das andere Kommunen auch gut gebrauchen könnten.

In Volkach wird seit Jahren über die Zukunft des Freibades beraten. Aus dem Jahr 1967 stammt das Bad, wurde 1990 aufwändig renoviert. Jetzt stünde nach der Überzeugung von Bürgermeister Peter Kornell eine Komplettsanierung an. „Es bringt ja nichts, die Schäden Jahr für Jahr neu zu flicken“, meint er und schätzt die Kosten einer Generalsanierung auf mindestens vier bis sechs Millionen Euro. Seine Idee: Die Kommunen im Umfeld und die drei Landkreise Kitzingen, Schweinfurt und Würzburg beteiligen sich an den Kosten. „Das Bad wird schließlich zu zwei Dritteln von Bürgern genutzt, die nicht in Volkach leben“, argumentiert er. Eine entsprechende Anfrage hat er bereits gestellt, macht sich aber keine all zu großen Hoffnungen. 2015 hatte er schon einmal beim Landkreis Kitzingen angefragt. „Aber nichts erreicht.“

Dabei wäre ein „Allianzbad“ nach seinem Dafürhalten eine faire Lösung und ein starkes Signal für einen dauerhaften Betrieb. Durchschnittlich 200.000 Euro pro Jahr kostet das Freibad die Stadt Volkach. Kosten, an denen sich die potenziellen Allianzpartner ebenfalls beteiligten müssten. Zunächst einmal will Kornell allerdings die eigene Bevölkerung fragen, ob die Stadt erneut Schulden in Millionenhöhe machen soll. Erst vor kurzem ist das Hallenbad für 6,7 Millionen Euro saniert worden.

Die Abtswinder haben so eine Befragung vor zehn Jahren durchgeführt. Damals stand die Frage im Raum, ob das Bad, das 1933 erstmals eröffnet und später mehrmals saniert wurde, weiter betrieben werden kann. „Die Bevölkerung war eindeutig für eine Sanierung“, erinnert sich zweiter Bürgermeister Jürgen Bünnagel. 90 Prozent stimmten dafür. Also hat die Gemeinde rund zwei Millionen Euro investiert und schießt Jahr für Jahr rund 50.000 Euro als Betriebskostenzuschuss hinzu. Eine staatliche Förderung haben die Abtswinder seinerzeit nicht erhalten. „Wir haben relativ hohe Steuereinnahmen“, erinnert Bünnagel. Und zum Glück viele ehrenamtliche Helfer, die sich im Verein „Initiative Abtswinder Schwimmbad“ zusammengeschlossen haben. „Sonst wären der Unterhalt und der Betrieb eines Freibades gar nicht zu stemmen“, weiß Bünnagel.

In Kitzingen schreibt das Freibad ebenfalls rote Zahlen. Selbst in Besucherstarken Jahren wie 2018, als rund 75.000 Menschen auf die Mondseeinsel kamen. Mit einem ähnlich guten Besuch wäre die Geschäftsführerin des aqua-sole, Verena Dambach, auch in diesem Jahr zufrieden. Zunächst müssen allerdings die letzten Arbeiten gemacht werden, ehe Oberbürgermeister Siegfried Müller die Saison traditionell mit einem Sprung ins kalte Wasser eröffnet.

Rainer Trabert und seine Mitarbeiter sind seit Anfang April mit den Vorbereitungen für die Eröffnung beschäftigt. „Sechs Wochen braucht man schon“, versichert er und verweist auf die Größe des Bades und die verschiedenen Becken. „Die müssen alle gereinigt werden“, erinnert er. „Vorher kommt der Fliesenleger, um mögliche Schäden auszubessern.“ Trabert kennt das Freibad wie kein anderer, seit 33 Jahren macht er dort Dienst.

„Die fetten Jahre

sind vorbei.“

Rainer Trabert, Bademeister in Kitzingen

„Die fetten Jahre sind vorbei“, sagt er und denkt an die 90er Jahre, als die Amerikaner noch in Kitzingen waren und das Baden im Main aus gesundheitlichen Gründen verboten war. Dennoch: Auch in diesem Jahr werden sich Zehntausende auf den Weg zur Mondseeinsel machen. „Die Preise bleiben stabil“, kündigt Verena Dambach an. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen.

Termin: Das Kitzinger Freibad eröffnet am Sonntag, 12. Mai. Um 10 Uhr gibt es ein Weißwurstfrühstück, um 12 Uhr springt OB Siegfried Müller ins Becken. Derzeit sagt der Wetterbericht Sonnenschein und Temperaturen um die 15 Grad voraus.

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