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Bürgerbus

In Bürgerbussen sind noch Plätze frei

Ob in Iphofen oder Wiesentheid: In den Bürgerbussen sind noch Plätze frei.
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Service auf vier Rädern: Dieser Bürgerbus fährt kostenlos.
Service auf vier Rädern: Dieser Bürgerbus fährt kostenlos.
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Ah, da kommt er. Der Kleinbus mit seinen 14 Sitzen hält genau vor dem Unter sambacher Wartehäuschen. Die Tür geht auf. "Guten Morgen, Frau Feth. Schön, dass Sie da sind!" Busfahrer Andreas Moritz hat sich aus seinem Sitz erhoben und streckt seinem Fahrgast die Hand entgegen. Die Seniorin grüßt fröhlich zurück, steigt ein, schaut sich um und stellt fest: "Bin wieder mal die Einzige, was."

Der Wiesentheider Bürgerbus steuert seit Anfang Oktober immer dienstags und donnerstags die Ortsteile sowie zahlreiche Haltestellen in der Marktgemeinde an - und zwar kostenlos. Aber viele Plätze bleiben leer. Gerda Feth findet das schade. Die 85-Jährige ist mittlerweile Stammgast im Bürgerbus - "quasi mein einziger", sagt Moritz mit einem Schulterzucken. Beinahe jeden Dienstag lässt sich die rüstige Dame nach Wiesentheid chauffieren. Dort geht sie zum Arzt, in die Apotheke oder einkaufen - und nach zwei Stunden Aufenthalt bringt der Bürgerbus sie wieder nach Hause.

"Das ist eine feine Einrichtung", findet die gebürtige Düsseldorferin, die seit Jahrzehnten in Untersambach wohnt und sich hier auch so richtig wohlfühlt. "Ich lebe gerne auf dem Land. Und mit Angeboten wie dem Bürgerbus ist man hier ja auch keineswegs abgeschnitten von der Welt." Zumal der Bus sogar für nicht mehr so agile oder gehbehinderte Menschen problemlos zu benutzen ist - dank einer Einstiegshilfe für Rollator-Besitzer oder Rollstuhlfahrer. "Außerdem hilft Herr Moritz ja immer gern", erzählt Gerda Feth lächelnd.

Warum findet der Bürgerbus so wenig Anklang? Bürgermeister Werner Knaier glaubt, dass gerade ältere Leute noch Berührungsängste haben: "Alles, was im Alter neu ist, wird erst mal kritisch beäugt." Durch viel aktive Werbung will Knaier den Bürgerbus, den jeder nutzen darf, noch bekannter machen. Der Fahrplan ist im Amtsblatt abgedruckt und liegt seit kurzem auch in den Arztpraxen aus.


Ein Jahr lang Testbetrieb

Auch wenn das neue Service-Angebot im ersten Vierteljahr nicht gerade überschwängliche Begeisterung ausgelöst hat, verspricht Knaier: "Über eine Einstellung denken wir noch lange nicht nach." Nach drei Monaten lasse sich überhaupt noch kein Urteil fällen. "Wir wollen den Leuten Zeit geben, sich daran zu gewöhnen. Bis zum Herbst wird unser Bürgerbus auf jeden Fall fahren." Nach einem Jahr werde Bilanz gezogen.

Das Gleiche gilt für Iphofen. Dort fährt der Bürgerbus seit November 2013. In der Stadt selbst wird er bislang so gut wie gar nicht angenommen, aus den Ortsteilen fahren allerdings Bürger mit. Iphofen wird im November 2014 ein Fazit ziehen.

Ziel jedes Bürgerbusses ist es, die Ortsteile untereinander und mit dem Hauptort besser zu vernetzen. "Wir haben von vornherein gesagt, dass wir uns nach anderen Dingen umschauen, wenn der Bus nicht genutzt wird. Zum Beispiel wäre ein Lebensmittel-Hol- und Bringservice für ältere Leute denkbar", berichtet der Wiesentheider Bürgermeister. Oder es könnte eine Art Mitfahrzentrale in den Ortsteilen eingerichtet werden. "Die teuerste Möglichkeit wären Ruftaxen", zählt Werner Knaier noch eine dritte Alternative auf.

Bis Oktober wird nun erst einmal der Bürgerbus getestet. "Im Moment läuft er für die Leute kostenlos. Wir müssen zwar einiges drauflegen, aber es hält sich im Rahmen." Die Marktgemeinde hat sich keinen eigenen Bus angeschafft und keinen Fahrer eingestellt, sondern den Abtswinder Busunternehmer Burlein beauftragt, der die entsprechende Ausschreibung gewonnen hatte.

Individuelle Bedürfnisse könne ein Bus zwar nicht so gut erfüllen wie ein Auto. Wartezeiten nach dem Einkaufen seien zum Beispiel denkbar. "Generell ist der Fahrplan aber so gestaltet, dass immer Anschlussbusse nach Kitzingen oder Würzburg erreicht werden", betont Knaier.

Er macht allen, die möglicherweise Probleme mit dem Lesen des Fahrplans haben, ein besonderes Angebot: "Jeder, der zu mir ins Rathaus kommt, kriegt seine individuellen Busfahrzeiten herausgeschrieben." Und wer sich trotzdem noch nicht so richtig traut, der kann über den Verein "Zeit füreinander" sogar jemanden finden, der ihn bei den ersten Fahrten begleitet.


Gut' Ding will Weile haben?

Dass ein Bürgerbus durchaus eine längere Anlaufzeit - oder besser: Anfahrtszeit - braucht, weiß Christina Gehring, die bei der VG Volkach für den dortigen Bürgerbus zuständig ist. Im September 2011 ging der Fahrservice rund um die Mainschleife in Betrieb. "Über ein Jahr hat's gedauert, bis die Leute den Bus wirklich angenommen haben." Mittlerweile sei die Stadt Volkach sehr zufrieden mit der Resonanz. "Genutzt wird der Bürgerbus vor allem von Senioren. Sie gehen zum Doktor, kaufen ein oder besuchen Freunde im Nachbarort."



INFO:

Was ist eigentlich ein Bürgerbus?

Was? Ein Bürgerbus ist grundsätzlich ein Service für die Bewohner eher ländlicher Gegenden. Jeder Bürgerbus hat ein mit dem Landratsamt abgestimmtes Fahrplankonzept (feste Tage, feste Route, feste Abfahrtszeiten) und ergänzt das Angebot des Öffentlichen Personen-Nah-Verkehrs (ÖPNV).

Wo? Insgesamt vier Bürgerbusse gibt es derzeit im Kreis Kitzingen: in Iphofen, Seinsheim/Martinsheim, Volkach und Wiesentheid. In Dettelbach ist ebenfalls seit längerem ein Bürgerbus im Gespräch, aber dort befindet man sich noch in der Klärungsphase.

Zuschuss/Kosten: Die vier genehmigten Bürgerbusse werden mit 60 Cent pro Fahrplankilometer vom Landratsamt bezuschusst. Die Fahrkarten sind allesamt sehr günstig; die Bürger Wiesentheids und der Ortsteile können ihren Bürgerbus aktuell sogar kostenfrei nutzen.
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