Wenn Herbert Meyer an seinen Geburtsort Eger und an die Vertreibung seiner Familie aus Böhmen nach dem Krieg zurückdenkt, stehen ihm die Tränen in den Augen. Eng verbunden ist seine Wehmut jedoch mit großer Freude, denn an der Mainschleife hat der heute 79-Jährige eine neue Heimat gefunden, die er über alles liebt. Seit über 40 Jahren engagiert er sich in kulturellen, kirchlichen und sozialen Bereichen. Am Mittwochabend verlieh ihm die Stadt Volkach im Schelfenhaus aufgrund seiner großen Verdienste die Ehrenbürgerwürde. "Ich konnte mich hier neu verwurzeln und bin mit meiner Familie richtig heimisch geworden", sagte Meyer in seiner Dankesrede.
Der Volkacher Herbert Meyer ist ein echtes "Arbeitstier", wenn es um den Erhalt der Kultur und um soziales Engagement geht. Doch er ist bei allem Erfolg bescheiden geblieben und weiß, dass man als "Alleinunterhalter" nicht viel bewegen kann. "Viele Menschen haben daran mitgewirkt, dass ich das alles leisten konnte", dankte er seinen Wegbegleitern. "Ein Mensch allein kann zwar viel bewegen, aber es wird erst ein Erfolg durch die Erfahrung und das Tun vieler", erklärte der neue Ehrenbürger. Er hat sich seit vielen Jahren zum echten Franken gemausert, was ein Test des Festredners Hans Bauer eindrucksvoll unter Beweis stellte. Meyer habe in sich die fünf wesentlichen Eigenschaften eines Franken vereint, so der Kreisheimatpfleger. Rein topografisch sei der Franke Europas Mittelpunkt. Der Franke trage Gastfreundschaft, Frömmigkeit und Heimatliebe im ständigen Handgepäck mit sich. Und der Franke liebe den Wein. Nur wer diese fünf Eigenschaften besitze, könne ein Ehrenbürger werden, meinte Bauer humorvoll. Die Runde der 120 Gäste applaudierte stehend und Meyer hatte den ultimativen Franken-Check bestanden.
Bürgermeister Peter Kornell (FW) händigte ihm folglich die Urkunde über die Ehrenbürgerwürde aus und ging auf sein bisheriges Lebenswerk ein. Er hat das politische und gesellschaftliche Leben in Volkach wahrlich geprägt und sich auch als Herausgeber der Volkacher Hefte und der Reihe "Unsere Mainschleife" im Kurier einen Namen gemacht. Müsste Meyer alle Auszeichnungen tragen, die er bisher für seine ehrenamtlichen Aktivitäten erhalten hat, dann hätte er wirklich schwer zu schleppen. Bisher wurden ihm die silberne und goldene Stadtplakette, der Goldene Ehrenringes des Landkreises Kitzingen, die Kommunale Verdienstmedaille, das Bundesverdienstkreuz und die Brunomedaille der Diözese Würzburg verliehen. Ein Paradebeispiel für ehrenamtliches Engagement ist der Einsatz von Meyer und seinen Mitstreitern vom Heimatverein im Museum Barockscheune allemal. "Herbert Meyer verkörpert den guten Franken. Einen besseren kann es nicht geben", lautete zurecht das Fazit von Laudator Bauer. "Sie haben für Ihre Heimat viel getan, geforscht und publiziert."
Für Meyer selbst war es immer sehr wichtig, dass er sich im kulturellen, gesellschaftlichen und kirchlichen Bereich auf seine Funktionärskollegen verlassen konnte. Besonders seiner Ehefrau Ida dankte er: "Ohne Dich hätte ich das alles nicht schaffen können." Diese Unterstützung von vielen Seiten sei die Voraussetzung dafür gewesen, dass er seine Zielsetzung im Leben immer im Visier behalten konnte: "Kultur erhält sich dadurch, dass sie weiter gegeben wird" - in Böhmen wie in Franken.