Iphofen

Im Weinberg geerdet

Bianca Bartsch stellt ihr Hobby auf professionelle Beine: Die Iphöferin hat das Bildungsprogramm für Nebenerwerbswinzer absolviert. Die Ausbildung dauert 14 Monate und umfasst allein im theoretischen Teil mehr als 200 Unterrichtsstunden.
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„Die Arbeit im Weinberg ist für mich ein wunderbarer Ausgleich“, sagt Bianca Bartsch. Die Iphöferin hat sich einen Traum erfüllt und einen Lehrgang zur Nebenerwerbswinzerin absolviert.
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Die Menschen und der Wein. „Das ist meins“, sagt Bianca Bartsch. Mit Menschen hat sie tagtäglich auf der Arbeit in einer Allgemeinarztpraxis zu tun. Dem Wein widmet sie sich in ihrer Freizeit. Weil sie aber auch das mit einem soliden Wissen tun will, hat die Iphöferin einen Lehrgang zur Nebenerwerbswinzerin absolviert – gemeinsam mit 27 weiteren Teilnehmern.

Ein Ingenieur, eine Bankkauffrau, ein Mechatroniker, ein Kieferorthopäde, eine medizinische Fachangestellte...: Was diese Menschen gemeinsam haben, lässt sich auf den ersten Blick nicht sagen. Es ist ihre Leidenschaft für Wein. Die hat sie dazu gebracht, noch einmal die Schulbank zu drücken. 14 Monate Ausbildung, mehr als 200 Unterrichtsstunden allein im theoretischen Teil – wer das Bildungsprogramm für Nebenerwerbswinzer an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim mitmacht, muss sich Zeit nehmen. Auch wenn das Wort „Neben“ in der Bezeichnung vorkommt – so ganz nebenbei wird man nicht zum Nebenerwerbswinzer.

Bianca Bartsch steht im Iphöfer Weinberg und schneidet überschüssige Triebe ab. Eine von vielen Arbeiten, die es im Frühsommer zu erledigen gibt. Vor allem in diesem Jahr, denn die Witterung machte den Winzern Dampf. So früh wie nie standen die Reben in der Blüte. Eine der frühesten Lesen steht bevor.

Die Arbeit mit den Pflanzen ist der 46-Jährigen nicht fremd. „Ich helfe schon seit mindestens zehn Jahren bei Thomas mit“, erzählt die dreifache Mutter. Thomas ist Thomas Mend, Eigentümer des gleichnamigen Weingutes in Iphofen, am Fuße des Schwanbergs. Anfangs hat sie nur bei der Lese mit angepackt, dann mehr und mehr geholfen. Inzwischen ist sie einen Tag in der Woche im Weingut aktiv. Einen Tag, den sie sich bewusst für diese Arbeit frei hält. Hauptberuflich nämlich ist sie in einer Allgemeinarztpraxis tätig.

Dass sie diesen Freiraum hat, dafür ist sie ihrem Chef sehr dankbar. Denn als sie mit dem Lehrgang begann, arbeitete sie noch in der Notaufnahme einer Klinik. Keine leichte Zeit, keine einfache Arbeit. Man steht unter Stress, bekommt viel Leid mit. „Die Weinbergsarbeit war für mich seelischer Ausgleich. Da fahr' ich runter“, erzählt sie, während sie kontinuierlich weiterarbeitet, die Geiztriebe abschneidet, die Haupttriebe feststeckt. Für Müßiggang ist im Weinberg keine Zeit.

Vorkenntnisse sind nötig

Als sie noch in der Notaufnahme war, hätte sie sich vorstellen können, ganz als Winzerin zu arbeiten. Dann kam das Angebot des Allgemeinarztes, zu ihm in die Praxis zu wechseln. Mit der neuen Stelle hat sie die ideale Kombination ihrer beiden Leidenschaften gefunden. Ein Grund für sie, jetzt doch nicht, wie zunächst geplant, gleich die Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf Winzer mit anzuhängen. Was durchaus möglich wäre und einige der diesjährigen Lehrgangsteilnehmer auch ins Auge fassen.

Wer den Lehrgang absolviert, muss viel Engagement mitbringen – und Vorkenntnisse. „Der Lehrgang setzt weinbauliche und kellerwirtschaftliche Kenntnisse und Fertigkeiten voraus“, heißt es in der Ausschreibung des Bildungsprogramms. Nur wer die hat, schafft das Pensum. Schließlich lernen die Teilnehmer in 14 Monaten, was Auszubildende in drei Jahren beigebracht bekommen.

Bianca Bartsch erfüllt die Voraussetzungen, auch wenn sie bislang meist im Weinberg eingesetzt war und nicht ganz so oft im Keller. Deshalb fand sie den Bereich Kellerwirtschaft im Bildungsprogramm auch besonders spannend. Um die 120 Stunden sind dafür im Theorieunterricht angesetzt. Themen wie Analytik, Entsäuerung, Weinmängel, Traubenverarbeitung, Süßreservebereitung und vieles mehr stehen dabei auf dem Stundenplan.

Dazu kommen zirka 90 Stunden „Traubenproduktion“. Dabei geht es Weinbergsböden in Franken und ihre Eigenschaften, um bedarfsgerechte Düngung, Krankheiten und Schädlinge im Weinbau, aber auch um Rechtsgrundlagen, Technik im Pflanzenschutz, um die Weinsensorik und vieles mehr.

Um den Blockunterricht besuchen zu können, hat Bianca Bartsch extra Urlaub genommen. Der praktische Teil fand dann oft an Wochenenden statt, bei verschiedenen Winzermeistern in deren Weinbaubetrieben. Die Iphöferin hat diesen Teil bei Karl-Josef Lauk in Thüngersheim absolviert. „Ihm liegen die Nebenerwerbswinzer sehr am Herzen“, sagt sie. „Er ist ein toller Mentor.“ Auch in ihrer Heimatstadt bekam sie Unterstützung bei ihrer praktischen Weiterbildung – bei Thomas Mend sowieso, aber auch bei Hansi Ruck, bei dem sie sich an der Kellerarbeit ausprobieren durfte. Bianca Bartsch freut sich über die Gemeinschaft der Iphöfer Winzer – und auch über die der Lehrgangsteilnehmer und Dozenten. „Es waren tolle Leute dabei.“ Einige von ihnen kamen aus dem Landkreis, andere aus der Region, sogar aus Passau, aus Baden Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen waren Menschen dabei, die sich aus verschiedensten Gründen für den Weinbau begeistern.

Eine besondere Passion von Bianca Bartsch ist der historische Weinberg in Iphofen. Sie ist von der LWG zertifizierte Gästeführerin Weinerlebnis Franken und macht mit den Besuchern besonders gern Halt an dem Teil der Iphöfer Weinberge, in dem die wichtigsten Epochen im fränkischen Weinbau erläutert werden – vom späten Mittelalter bis in die 1960er Jahre. „Jetzt kann ich den Leuten alles viel besser erklären“, freut sich Bianca Bartsch über ihr neues Wissen.

Von dem profitieren auch Thomas und Katja Mend. „Je mehr Fachkräfte wir haben, desto produktiver geht es im Weinberg zu“, sagt Katja. Weil die Arbeit leichter fällt, wenn man die Zusammenhänge kennt. „Ich weiß jetzt, warum man die Triebe kürzt und was man alles tun muss, um gesunde Trauben ernten zu können“, sagt Bianca Bartsch, lacht, und setzt schon wieder die Schere an.

Jetzt schon vormerken: Der Startschuss für das Bildungsprogramm Nebenerwerbswinzer/in (2018 bis 2020) fällt im November 2018. Anmeldungen sowie weitere Informationen zum Lehrgang sind über die LWG-Homepage unter www.lwg.bayern.de abrufbar.



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