KITZINGEN

Im Kitzinger Untergrund: Deusterkeller

Hinter diesen Metalltüren in der hohen Bruchsteinmauer wohnt niemand. Es sind Keller, in die wir heute eintreten, die Deusterkeller im Norden Kitzingens.
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Der Deusterkeller am Hindenburgring in Kitzingen. Einer der vielen Gänge dient heute dem Kitzinger Schützenverein Para 69 als Schießbahn. Foto: Foto: Robert Haass
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Hinter diesen Metalltüren in der hohen Bruchsteinmauer wohnt niemand. Es sind Keller, in die wir heute eintreten, die Deusterkeller im Norden Kitzingens, die sich auf rund 2000 Quadratmetern zwischen Nordtangente und der D.-Paul-Eber-Schule erstrecken, eine lange, wechselhafte Geschichte haben und ein Denkmal sind.

Schon vor dem Eintritt in die Keller fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Hohe Steinwände begrenzen einen schmalen gepflasterten Weg, der Verbindung zwischen Feldstraße und Hindenburgring Nord bildet. Ja, so manches mal rumpelt hier tatsächlich ein Auto durch, Begegnungsverkehr ist allerdings ausgeschlossen.

30 Stufen sind es, die nach Passieren des eisernen Tors in die Tiefe führen, eh es in das erste große Gewölbe geht. Wer unter Platzangst leidet, dem kommt jetzt schon ein wenig Beklemmung auf. Doch ist der Besucher erst am Anfang eines wahren Labyrinths von größeren und kleineren Sälen, von engen Verbindungsgängen. Das alles in Dunkelheit, feuchter Luft, bei einer nahezu konstanten Temperatur von rund acht Grad Celsius. Ein wenig verblüfft ist man dann schon, wenn man auf der einen Seite des Wegs in die Keller steigt und nach einigen Minuten unter der Erde auf der anderen Seite, etwa 100 Meter oberhalb, wieder ebenerdig ans Tageslicht kommt.

Es ist noch gar nicht so lange her – manch ein Kitzinger erinnert sich noch – da dienten auch diese Keller als Zuflucht für die Bevölkerung vor Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg. Ralph Bartholomäus, Vorsitzender des Vereins „Die Deusterkeller“, kann hierüber Geschichten erzählen und auch Hinweise zeigen: Da gibt es abgemauerte Abschnitte in einigen Kellern, Sektionierungen. Sie sollten verhindern, dass bei einem Bombentreffer der ganze Keller verschüttet wurde. Und auch Schulunterricht wurde so manches Mal hier unten gegeben. Heute nicht mehr vorstellbar – und doch erst gut 70 Jahre her.

2000 Quadratmeter Fläche, das klingt erst mal gar nicht viel. Aufgeteilt auf Gänge und Gewölbe kommt aber einiges zusammen. Hinzu kommt, dass diese Fläche nicht am Stück hintereinander, sondern nebeneinander liegt – verbunden mit Kellern oder Gängen auf verschiedenen Ebenen. Die heute bekannte Anlage erstreckt sich unter dem Grundstück zwischen dem Pflasterweg und dem Hindenburgring, reicht südlich unter dem Hindenburgring hinweg bis fast an die Schule und nördlich weiter in Richtung Nordtangente. Dabei haben die kleineren Keller eine Scheitelhöhe von drei Metern, die größeren bis zu acht.

Der Ursprung der Keller liegt im Dunkeln. Stellvertretende Vereinsvorsitzende Heidemarie Gold erinnert sich an den Besuch eines Vertreters des Landesamts für Denkmalschutz, der erst eher uninteressiert die Keller besichtigte: Typisch fränkische Keller halt, so seine Meinung, bis er auf einen Kriechgang stößt, den man nur gebückt oder gar auf allen Vieren queren kann. Nur wenige Tage später stand die Anlage unter Denkmalschutz. Das deutet natürlich auf deutlich ältere Entstehungsdaten hin.

Bekannt ist, das Thomas Ehemann 1830 einen Acker zwischen zwei Wegen mit Keller darunter kaufte. Diese Keller erweiterten der Bierbrauer und seine Nachfolger, bis die heute bekannte Kelleranlage Mitte der 1880er Jahre entstanden war. Die wurden als Gärlager und Eiskeller genutzt, was auch die Anlage der Keller zeigt: ein großer Lagerkeller hat immer eine Verbindung zu einem kleineren, dem Eiskeller. Es gibt Berichte, dass es im Süden eine Verbindung zum Keller des im Krieg zerstörten Deusterschlosses gab. Ob dann auch tatsächlich Verbindungen zu den Kellern unter dem Landratsamt bestanden, ist nicht geklärt. Ein Teil der Keller befindet sich in städtischem Besitz, ein Teil in Privatbesitz.

Eine „kleinere“ Kelleranlage, der Zugang befindet sich oberhalb des Haupteingangs, wird seit den 1990er vom Kitzinger Schützenverein Para 69 genutzt. Die Schießbahn ist in einem Gewölbe untergebracht, das über 25 Meter lang gut drei Meter breit und über sieben Meter hoch ist.

Seit dem Jahr 2007 kümmert sich ein Zusammenschluss Kitzinger Bürger, „Die Deusterkeller e. V.“ um den Erhalt der Gänge und Gewölbe. Prinzipiell möchte der Verein die Keller wiederherstellen, restaurieren und für die Öffentlichkeit zugänglich machen.

Einige wenige Mal im Jahr gibt es hier auch Führungen für Gruppen bis zu 20 Personen. Der Höhepunkt im Vereinsjahr ist dann der Tag des offenen Denkmals, an dem die Deusterkeller regelmäßig für die Öffentlichkeit zugänglich sind.

Einblicke in Räume, die normalerweise nicht zugänglich sind, wollen wir in unserer Serie gewähren. Wenn auch Sie eine verschlossene Tür kennen, hinter die Sie schon lange einmal blicken wollten, dann melden Sie sich bei der Redaktion per E-Mail: red.kitzingen@mainpost.de oder redaktion.kitzingen@infranken.de

Stadttürme, Schlösser und Burgen oder unterirdische Gänge - im Landkreis Kitzingen gibt es Vieles zu entdecken. In loser Folge können unsere Leser in die geheime Welt dieser Gebäude eintauchen.

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