Kitzingen
Artenschutz

Im Bimbach ist ein Nager am Werk

Zwischen Kitzingen und Großlangheim verwandelt ein Biber den Bimbach in eine Seenlandschaft. Die Behörden beurteilen die Lage sehr entspannt. Schäden richtet der Biber dort nicht an.
Artikel drucken Artikel einbetten
Land unter. Da, wo sich vor Kurzem noch der Bimbach schlängelte, ist durch den Staudamm des Bibers eine Seenlandschaft entstanden.
Land unter. Da, wo sich vor Kurzem noch der Bimbach schlängelte, ist durch den Staudamm des Bibers eine Seenlandschaft entstanden.
+1 Bild
Überaus glücklich sind die Naturschützer nicht immer, wenn ein Biber auftaucht. Und das hat weniger mit dem Biber selbst zu tun, als mit der Reaktion der Menschen.
"In Volkach erlebten wir einen regelrechten Biber-Tourismus", erzählt Dieter Lang von der Unteren Naturschutzbehörde in Kitzingen. "Die Menschen sind dem Biber derart auf den Pelz gerückt, dass dem der Stress zuviel wurde und er wieder abgezogen ist." Dieter Lang und Kitzingens Bauhofleiter Georg Günther hoffen, dass sich dergleichen zwischen Kitzingen und Großlangheim jetzt nicht wiederholt.

"Es macht auch wenig Sinn, den Biber beobachten zu wollen", so Lang. "Das Gelände ist zu groß und der Biber erstens recht scheu und zweitens meist nachtaktiv. Ihn vors Objektiv einer Kamera zu bekommen, gleicht einem Sechser im Lotto."

Ein Jungbiber scheint es zu sein, der sich im Bimbach niedergelassen hat. Einen Bau hat er noch nicht angelegt und wird dies wohl vor dem Winter auch nicht mehr tun.

Erst wenn der Biber ein Weibchen hat und sich niederlassen will, wird er aus Ästen, Blättern und Steinen eine Höhle auf dem Wasser errichten. Bis dahin verkriecht er sich tagsüber in irgendeiner trockenen Erdhöhle in der Nähe des Baches.

Momentan kann man ihn daher eher an den Spuren erahnen, die er hinterlässt. Einige Bäume in seinem Revier sind angeknabbert. Am sichtbarsten ist aber seine Bautätigkeit am Bimbach, der in einem größeren Gebiet über die Ufer getreten ist und das umliegende Wäldchen in eine Seenlandschaft verwandelt. Die Behördenvertreter sehen dies aber sehr gelassen.

"Der Standort könnte aus Sicht des Bibers und aus unserer Sicht nicht besser gewählt sein", meint Bauhofleiter Günther. Das Biotop, das vor vielen Jahren als Ausgleichsfläche für die Straße nach Großlangheim angelegt worden ist, sei zwar nicht extra für den Biber so geschaffen worden, "aber er passt hier optimal rein", so Günther.

Im Gegensatz zu verschiedenen anderen Standorten richtet der Biber mit seinem Wirken nämlich am Bimbach keinen Schaden an.

Es wird kein Feld überschwemmt, keine Straße überflutet und kein Triebwerkskanal verstopft, wie das in der Vergangenheit zum Beispiel am Sickerbach der Fall war. "Dort hatten wir zwei Mal seine Dämme wieder freigeräumt", berichtet der Bauhofleiter, "dann wurde es ihm zu dumm und er ist abgezogen."
Am Bimbach wird der Bauhofleiter trotzdem tätig werden, allerdings nur in sehr begrenztem Umfang. "Wir werden ein Drainagerohr legen und den Wasserstand damit hoffentlich etwas reduzieren", erklärt der Behördenleiter.
"Aufpassen müssen wir nur, dass er das nicht verschließt."

"Das Biotop zwischen Kitzingen und Großlangheim bietet Platz für vier bis sechs Biber", schätzt Dieter Lang. Er hat Erfahrung mit den Nagern. Im Landkreis Kitzingen beobachtet die Naturschutzbehörde etwa 13 Biber-Reviere. "Wir freuen uns immer, wenn wieder ein Biber ein neues Revier erobert hat", so Lang. Das größte europäische Nagetier war schließlich in Deutschland fast ausgerottet. Durch gezielte Wiederansiedelungsmaßnahmen konnten sich die Bestände seit 1966 erholen.

In Unterfranken wurde 1990 der erste Biber wieder entdeckt. Sein Überleben ist inzwischen gesichert. Einzelne Biber leben aber nicht immer risikolos.

"Etwa die Hälfte aller Jungtiere einer Biber-Familie stirbt", weiß Dieter Lang zu berichten. "Die Jungen haben oft ein Umstellungsproblem, wenn sie sich von Baumrinden oder Pflanzen ernähren müssen." Außerdem werden sie oft überfahren, wenn sie die Straße überqueren.
Dieses Risiko droht dem Jungbiber zwischen Kitzingen und Großlangheim eher nicht. Die Straße ist zu weit entfernt. Somit hat er auch in diesem Punkt einen optimalen Standort gewählt.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren