Kitzingen
Fehrer

IG Metall pfeift auf Arbeitsplatzabbau bei Fehrer

Die Geschäftsführung spricht von einem nötigen Schnitt, die Gewerkschaft widerspricht. Und legt eine ganz andere Grundlage der Berechnungen vor.
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Im Jahr 2005 haben die Mitarbeiter von Fehrer vor dem Firmensitz demonstriert. So weit ist es noch nicht. Aber die Angst um Arbeitsplätze geht um.  Foto: Archiv
Im Jahr 2005 haben die Mitarbeiter von Fehrer vor dem Firmensitz demonstriert. So weit ist es noch nicht. Aber die Angst um Arbeitsplätze geht um. Foto: Archiv
Die Arbeitgeber haben ihre Position klar gemacht. Die Arbeitnehmervertreter sind ganz anderer Meinung. Bei Fehrer sieht es im Moment nicht nach einer Einigung aus.

Rund 200 Arbeitsplätze stehen bei dem Kitzinger Traditionsunternehmen auf der Kippe. Die günstigeren Produktionsbedingungen im Ausland machen diesen Schritt laut Geschäftsführung notwendig. Die IG Metall sieht das ganz anders. Die Prognosen, von denen Fehrer ausgeht, seien falsch. Eine kurzfristige Sanierung könne nicht der richtige Weg sein. "Auf diese Art und Weise verliert Fehrer seine Besonderheit", klagt Walther Mann, erster Bevollmächtigter der IG Metall.

Gute Prognosen für das Ausland

Während die Geschäftsführung von Fehrer in ihren Prognosen von einer Stagnation ausgeht, bezieht sich Mann auf die neuesten Zahlen des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Demnach soll auch 2013 ein Wachstum erzielt werden. Der VDA spricht von drei Millionen Neuzulassungen im Inland und rund 4,15 Millionen Einheiten im Export. Diese Zahlen liegen leicht über dem Vorjahresniveau. Wachstum prognostiziert der VDA vor allem in den USA und China. Der US-Markt wird 2013 um fünf Prozent auf 15 Millionen Einheiten zulegen. Der chinesische Pkw-Markt wächst demnach 2013 um sechs Prozent auf rund 14 Millionen Neuwagen. Für Indien rechnet der Verband mit einem Plus von sieben Prozent auf knapp drei Millionen Autos. Ein ähnlich hohes Volumen erwartet der VDA auch für Russland.
Allerdings - und das sagt auch die Fehrer Geschäftsführung - bleibt das Automobilgeschäft in Westeuropa schwierig. Der VDA rechnet 2013 mit einem Marktvolumen von 11,4 Millionen Neuwagen, das entspricht einem Rückgang um drei Prozent.
Fehrer war in seinen Restrukturierungsplänen von zehn Prozent Wachstum ausgegangen und sprach am Mittwoch davon, dass die Automobilnachfrage in den letzten Monaten stark nachgelassen hat. Walther Mann zieht aus den externen Daten, die ihm derzeit vorliegen, einen ganz anderen Schluss: "Die Planung von Fehrer ist falsch, wir kommen zu einer ganz anderen Einschätzung." Die Befürchtung, die die Arbeitnehmervertreter umtreibt: Gehen sie den Weg der Geschäftsführung mit und stimmen betriebsbedingten Entlassungen zu, könnte im zweiten Halbjahr 2013 aus wirtschaftlichen Gründen wieder eingestellt werden. "Und das wären dann sicherlich Leiharbeiter", prophezeit Mann.

Ein gewichtiges Pfund

Mit dem bestehenden Ergänzungstarifvertrag, der erst im Juli 2012 geschlossen wurde, hat er ein gewichtiges Pfund in der Hand. Bis Anfang 2014 ist dort eine Beschäftigungsgarantie vereinbart worden. Die Pläne der Geschäftsführung, rund 100 Arbeitsplätze im Bereich der Kaltschaumanlage und rund 80 beim Anlagen- und Werkzeugbau zu streichen, wäre deshalb nur möglich, wenn der bestehende Vertrag rückabgewickelt würde. Ein Szenario, das sich Mann derzeit überhaupt nicht vorstellen kann. "Ich sehe keine Veranlassung, dementsprechende Maßnahmen zu ergreifen."
Den Dialog wird die IG Metall deshalb nicht verweigern. Noch in diesem Jahr will sie sich mit den Arbeitgebern zusammen-setzen. Vorher will sie allerdings eine eigene wirtschaftliche Prüfung der Lage bei Fehrer vornehmen lassen.
Der Kitzinger Automobilzulieferer, 1875 von Friedrich Sigmund Fehrer gegründet, hat laut Walther Mann in der Vergangenheit immer eine eigene Philosophie verfolgt. Deren Eckpunkte: Möglichst viele Arbeitsplätze in Deutschland halten und den Kunden von der Entwicklung über den Werkzeugbau bis hin zum Produkt ein breites Portfolio zu bieten. "Das hat Fehrer im Wettbewerb immer ausgemacht. Ich sehe keinen Grund, davon Abstand zu nehmen", meinte Mann. Den Geschäftsführern wirft er kurzfristiges Denken und Planen vor, das langfristig verheerende Folgen haben wird. "Übermorgen wird Fehrer chancenlos im Kampf mit seinen Konkurrenten sein", prophezeit der Gewerkschafter. Dem will er nicht tatenlos zusehen.Die Gespräche zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern dürften spannend werde
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