Hoheim
Gefahr

Hundeattacken: Forderung nach Maulkorb

Beate Zepter, Nadine Bernard und Lea Brand sind drei Opfer von "Kasper". Der Berner Sennenhund hat sie alle drei gebissen. Die Hundebesitzerinnen fordern nun einen Maulkorbzwang.
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Die Wunde von Lea Brand direkt nach dem Biss. Foto: privat
Die Wunde von Lea Brand direkt nach dem Biss. Foto: privat
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Dreimal hat er zugeschlagen. Dreimal Menschen angegriffen, gebissen und verletzt. Völlig aus dem Nichts. Einfach so. Ohne Vorwarnung. Ohne ein Knurren, ohne ein Bellen. Kasper ist ein bekannter Problemhund in Hoheim. Kaum jemand möchte ihm freiwillig begegnen. Genauso wie Lea Brand. Sie ist ein Opfer des Berner Sennenhunds. Am 17. November letztes Jahr war sie mit ihrem Fahrrad in Hoheim auf dem Feldweg Richtung Mainbernheim unterwegs. Kasper war mit seinem Herrchen und dessen Sohn nur wenige Meter hinter ihr, ohne Leine, rannte auf einmal auf die 15-Jährige zu und packte sie an ihrem Gesäß. Durch die Jeans biss er sich durch. Brand bewegte sich keinen Millimeter, blieb starr stehen. Wollte den Hund nicht zusätzlich provozieren. "Man ist so perplex und unter Schock. Wenn man schreit, wird der Hund noch schärfer", sagt sie.

"Ist nicht so schlimm", das war das Einzige, was sie vom Besitzer zu hören bekam. Dann lief er einfach weiter. Ließ sie im Wald stehen. Alleine. Blutend. Lea Brand rief sofort ihre Mutter an, gemeinsam fuhren sie in die Notaufnahme. Was bis heute zurückbleibt ist eine Narbe. Und Unsicherheit: "Ich habe keine Angst vor Hunden, aber schon Respekt, wenn ein größerer Hund auf mich zukommt." Leas Mutter, Patricia Brand, rief den Hundebesitzer gleich nach dem Vorfall an. "Er hat mich nur wüst beschimpft", erinnert sie sich. Von einer Anzeige wollte sie dennoch zunächst absehen, vorausgesetzt der Hund sei künftig angeleint und trägt einen Maulkorb.

Knochen durchbrochen

Doch diese Forderung verhallte bei den Besitzern wohl im Nichts. Nur ein paar Wochen später, am 28. Februar griff er erneut zu. Diesmal war Beate Zepter das Opfer. Sie war in der Flur zwischen der Hoheimer Siedlung und dem Gewerbegebiet unterwegs, wollte ein bisschen laufen, als sie Kaspers Frauchen - samt unangeleintem Hund - zufällig begegnete. Mitten im Gespräch biss er Zepter völlig unerwartet in den linken Unterarm. Zeit zu reagieren blieb ihr nicht. "Ich hab' mir nur gedacht: Was, wenn er jetzt die Ader durchbeißt? Mir war schlagartig übel." Das Frauchen versuchte ihn wegzuzerren. Doch erst, als der Hund nochmals versuchte, die 64-Jährige von hinten anzugreifen, nahm sie ihn an die Leine.

Währenddessen realisierte Zepter, was geschehen war: Ihr Unteramknochen war komplett durchbrochen und verschoben. Dennoch erfuhr sie - genauso wie Lea Brand - kein Mitgefühl der Hundebesitzerin: "So schlimm wird es nicht sein." Dennoch begleitete das Frauchen sie bis nach Hause, versuchte das Verhalten ihres Hundes schön zu reden: "Er hat Fortschritte gemacht und hört auf jedes Wort." Zepter musste operiert werden und eine Woche im Krankenhaus bleiben. Die Hundebesitzer kamen sie immerhin besuchen. Eine wirkliche Entschuldigung hörte Zepter aber bis heute nicht. Stattdessen erfuhr sie von Kaspers Frauchen ganz andere Dinge: "Bei uns daheim muss er aus erzieherischen Gründen einen Maulkorb tragen", erzählte sie Zepter. Wieso das Tier diesen nicht auch außer Haus tragen muss, kann die Beschädigte nicht nachvollziehen. Zweimal in der Woche hat sie noch Krankengymnastik, ist bewegungseingeschränkt.

Gegenüber Patricia Brand, die bei dem Hundebesitzer anrief, nachdem sie erfuhr, dass auch Zepter gebissen wurde, gab er nur den Biss zu - der Bruch stamme dagegen nicht von seinem Hund. Da platzte beiden Frauen der Kragen. "Ich wollte erst keine Anzeige machen, doch nach dieser Aussage war für mich das Maß voll", sagt Zepter.

Auch beim Ordnungsamt Kitzingen liegt der Fall auf dem Tisch. Probleme mit Hunden gebe es immer wieder, laut Georg Schwarz zur Zeit sogar gehäuft."Dieser Fall ist aber massiv. Der Leinen- und Maulkorbzwang bei diesem Tier wird zur Zeit geprüft und voraussichtlich erlassen", lässt er wissen. In Form eines schriftlichen Bescheids würden die Besitzer darüber informiert. Sollten sie sich nicht daran halten, ist ein Zwangsgeld fällig. "Ein Maulkorb ist nicht schön für einen Hund, im Vordergrund steht aber der Schutz der Allgemeinheit", erklärt er.

Dass es allerdings so lange dauert, bis der Leinen- und Maulkorbzwang für den Hund erlassen wird, können die Frauen nicht verstehen. "Wahrscheinlich muss er erst ein Kind totbeißen, bevor etwas geschieht", macht sich Patricia Brand Sorgen. Die Vorbesitzer sollen den Hund geschlagen haben. Das weiß Zepter von Kaspers Frauchen. Eigentlich sollte er eingeschläfert werden, weil er schon mehrere Male zugebissen hatte. Die Züchterin wollte das verhindern und stellte ihn im Internet als "Problemhund" unter Verkauf. Die jetzigen Besitzer, die zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen waren, holten ihn im Dezember 2011 zu sich, waren sogar bei einem Hundetrainer, wollten ihn resozialisieren.

Doch gleich zwei Wochen, nachdem sie ihn zu sich genommen hatten, biss er das erste Mal zu. Opfer war Nadine Bernard, die im selben Haus wohnte. Sie packte gerade ihre Einkäufe aus dem Auto, als sie den neuen Hund im Haus entdeckte. "Ich streckte ihm die Hand hin, damit er ein bisschen schnüffeln konnte, sofort biss er mich erst in die Hand und dann in den Ellebogen. Er hat richtig gezerrt", erinnert sich die 26-Jährige. Nur eine Woche später griff er ihren Hund, einen Bolonka, an. Sie sah keine andere Möglichkeit, als auszuziehen - Hauptsache weg von diesem Hund. Bernard erstattete außerdem Anzeige. Doch die wurde fallen gelassen. "Mit der Begründung, dass ich den Hund dazu aufgefordert hätte,weil ich ihm die Hand hingehalten habe."

"Keine Hundehasser"

Die geschädigten Frauen wollen dem Hund nichts Böses, wollen keine Einschläferung. "Wir sind keine Hundehasser", betonen sie. Immerhin haben sie alle drei selbst einen Hund. "Aber bei diesem Hund fordern wir ein Leinen- und Maulkorbzwang, auch in der Flur", sagt Zepter. "Erst letzte Woche hab' ich ihn wieder gesehen. Er wollte gleich auf mich los. Das Herrchen musste ihn zwischen die Beine nehmen, um ihn festzuhalten", erzählt Brand. Keine der Geschädigten will dem Hund noch einmal über den Weg laufen. Bis er einen Maulkorb trägt.
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