Greuth
Gesellschaft

Horst Hoffmann weist den Wanderern den Weg

Horst Hoffmann kam von selbst auf die Idee, sich zu engagieren. Ob er bei der nächsten Generation Nachahmer findet?
Artikel drucken Artikel einbetten
Horst Hoffmann aus Greuth ist dafür verantwortlich dafür, dass Wanderer rund um Castell wissen, wo es langgeht. Ehrenamtlich hat er sich um die Beschilderung gekümmert.  Foto: Sabine Paulus
Horst Hoffmann aus Greuth ist dafür verantwortlich dafür, dass Wanderer rund um Castell wissen, wo es langgeht. Ehrenamtlich hat er sich um die Beschilderung gekümmert. Foto: Sabine Paulus
Wenn die anderen sagen "Des könnt mer mal mach'", dann macht Horst Hoffmann. Er wartet nicht ab, sondern drückt selbst auf den Startknopf eines Projekts.
Ehrenamtlich, versteht sich. Der 72-Jährige ist zur Stelle, wenn in Castell oder Greuth etwas vorangebracht werden soll. Hoffmann ist im Vorstand des örtlichen Steigerwaldklubs und des Heimatvereins, äußerst
engagiert im Arbeitskreis Museumsscheune und packt bei den Festen in seinem Heimatort zu. Bei der Planung und den Vorarbeiten zur Dorferneuerung machte er mit, zusammen mit Kollegen drehte er 2011 einen Doku-Film über den Weinbau, er stellt als Wanderwart den Wanderplan auf, organisiert und terminiert den ganzen Jahresverlauf seiner Vereine, außerdem ist er politisch aktiv.

All das hat er begonnen, seit er nach dem Ende seiner Berufstätigkeit in Greuth ein Haus gebaut hat und von Mittelfranken in den Kreis Kitzingen gezogen ist.
Seit 15 Jahren können die anderen mit Horst Hoffmann rechnen - nicht nur am heutigen Internationalen Tag des Ehrenamtes.

Da war es keine Frage für Castells Bürgermeister Jochen Kramer, seinen Mitbürger für den Bayerischen Landespreis für ältere Menschen "Reife Leistung" beim Bayerischen Sozialministerium und der LandesSeniorenVertretung Bayern, die den Wettbewerb veranstalten, vorzuschlagen. Hoffmann legt keinen Wert darauf, herausgehoben zu werden. Bescheiden sagt er: "Es gibt genügend andere, die sich genauso engagieren."

Der 2011 in Bayern erstmalig ausgelobte Wettbewerb "Reife Leistung - keine Frage des Alters" hat nach Meinung der Verantwortlichen bereits die Weichen für ein Umdenken gestellt, denn die eingereichten Bewerbungen zeigten "auf beeindruckende Weise, wie engagiert Menschen auch nach dem 65. Lebensjahr unsere Gesellschaft bereichern und unterstützen."

Für Professor Dr. Doris Rosenkranz sind Männer wie Horst Hoffmann typische Vertreter von Menschen, die etwas mit Herz und Leidenschaft machen. Rosenkranz hat drei Jahre lang das Projekt "Freiwilligenmanagement" der Hochschule Würzburg-Schweinfurt geleitet und das Ehrenamt in der Seniorenarbeit erforscht. Das Untersuchungsgebiet war der Bezirk Unterfranken. Doris Rosenkranz, mittlerweile Dozentin an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule in Nürnberg, berät das Bayerische Sozialministerium sowie zahlreiche Wohlfahrtsverbände und Kommunen zu Fragen des Bürgerschaftlichen Engagements.

Für die Forschungsarbeit hat sie alle unterfränkischen Landräte und Bürgermeister angeschrieben und nach ehrenamtlichen Angeboten für Senioren gefragt. "Von den Bürgermeister kam ein Rücklauf von
93 Prozent. Das zeigt, dass das Ehrenamt ein wichtiges Thema ist, das die Leute beschäftigt", sagt die Sozialwissenschaftlerin.

Die Untersuchung war im April dieses Jahres abgeschlossen. Ergebnisse stellte Rosenkranz auf Einladung des VdK-Kreisverbandes im Oktober in Kitzingen vor. Der Ehrenamtliche ist im Durchschnitt 62 Jahre alt. Für Rosenkranz bedeutet das, dass die Leute sich schon ein paar Jahre vor der Rente orientieren, wenn sie sich fürs Allgemeinwohl einsetzen wollen.

Besonders aktive Abschnitte

Es gibt mehrere Phasen im Leben, während der sich Menschen kümmern, ohne Geld zu verlangen oder zu bekommen. Das kann bei der Berufsvorbereitung sein, kurz vor der Pensionierung oder schon im Ruhestand. Auch als Ergänzung zur Berufstätigkeit oder alternativ zum Beruf nehmen Frauen und Männer ein Ehrenamt an. Mütter in der Familienphase erhoffen sich durch ihre Tätigkeit eine Qualifikation für den Arbeitsmarkt.

"Für die Zukunft gibt es einige Aufgaben", sagt Professor Rosenkranz. Horst Hoffmann ist von sich aus auf die Idee gekommen, etwas unentgeltlich für seinen Heimatort zu tun.. Doris Rosenkranz ist jedoch davon überzeugt, dass älteren Arbeitnehmern in Zukunft in Betrieben bewusst gemacht werden müsse, dass sie auch im Ruhestand noch viel für die Gesellschaft bewirken können. Nicht von ungefähr ist das Jahr 2012 von der EU als "Jahr für Aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen" ausgerufen worden.

Horst Hoffmann fuhr am 27. November zur Preisverleihung nach München. Je drei Männer und drei Frauen aus jedem Bezirk fanden sich als Nominierte zusammen. Hoffmann war zwar nicht Gewinner im Bezirk, grämt sich deswegen aber nicht. "Ich stehe exemplarisch für viele andere, das ist meines Erachtens das Wichtigste", begründet er seine Haltung. Maßgeblich sei, dass er vielleicht ein Anstoß sein könne für andere.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren