Kitzingen

Hollywood-Stuntman in Unterfranken vor der Kamera

Würzburger Nachwuchsfilmer drehten den Kurzfilm „Lichthunger“, mit dem sie auf eine unheilbare Augenkrankheit aufmerksam machen möchten. Auch Kitzingen war Drehort.
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Die Filmcrew von "Lichthunger" während der Dreharbeiten am Samstag in Giebelstadt. Mit dem Kurzfilm möchten sie auf eine unheilbare Augenkrankheit aufmerksam machen. Foto: Cian Hartung
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Gleich wird das blinde Mädchen Laika (Marie Kneis) das Licht der Welt erblicken. "Augen auf und durch", flüstert ihr Vater (Hassan Lazouane) ihr zu und wickelt die dicke Augenbinde ab, die von einer kürzlich absolvierten Augentherapie stammt. Für Laika war diese Therapie - eine sogenannte Schocktherapie - die letzte Hoffnung auf ein Leben mit Augenlicht. Denn seit ihrer Geburt leidet das kleine Mädchen an einer unheilbaren Augenkrankheit, der Leberschen kongenitalen Amaurose.

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Und tatsächlich: Die Therapie hat gewirkt. Doch das Erste, was sie sieht, wird der Schock ihres Lebens: Zwei vermummte Auftragskiller stürmen in das Haus und stechen ihre Eltern vor ihren Augen nieder. Wie Laika später als erwachsene Frau (gespielt von Marie Förster) herausfinden soll, war diese Hinrichtung aber ein perfider Teil der Schocktherapie.

Aufmerksamkeit für unheilbare Augenkrankheit

In dem ehrenamtlich produzierten Kurzfilm "Lichthunger" erzählt Nachwuchs-Regisseur Lukas Kellner (23) die Geschichte Laikas und ihrer Suche nach den Mördern ihrer Eltern. Hierzu nahm die 15-köpfige Crew um den Würzburger Medienmanagement-Studenten am Samstag in einem Einfamilienhaus in Giebelstadt die letzten Aufnahmen des rund 20-minütigen Streifens auf. Zuvor drehte das Team in einer ehemaligen Kaserne im Gewerbegebiet conneKT in Kitzingen.

Einen der großen leerstehenden Räume dort hatten sie zur einer Arztpraxis umgestaltet. Dafür war eine Kaserne eher ein untypisches Setting, sagt Regisseur Lukas Kellner: "Wir haben die leere Kaserne besichtigt; die hat so natürlich noch kein Arztbüro dargestellt. Aber ein Möbelhaus habe die komplette Ausstattung dafür zur Verfügung gestellt. Da es aus rechtlichen Gründen nicht möglich war, in einer echten Praxis zu drehen, hatten sich die Produzenten am Ende für das Kasernengelände entschieden. Gedreht wurde dort ein Gespräch zwischen dem Vater des blinden Mädchens und dem behandelnden Arzt.

"Es gibt nicht so viele Filmschaffende in Würzburg."
Steffen Jung, Hollywood-Stuntman

Mit dem Non-Profit-Projekt möchten Kellner und sein Team aus Studienkollegen und Würzburger Filmschaffenden auf die seltene Augenkrankheit aufmerksam machen.

"Bei der Leberschen kongenitalen Amaurose werden die Betroffenen bereits mit einer erheblichen Sehbeeinträchtigung geboren", erklärt Regisseur Kellner. "Dabei verlieren Kinder schleichend das Sehvermögen und orientieren sich im Alltag vor allem an Lichtquellen, daher auch der Filmtitel 'Lichthunger'". Im Hintergrund wuseln gerade die Crewmitglieder im Wohnzimmer herum und bereiten eine erneute Aufnahme der Mordszene vor. "Aber anders als in unserem Kurzfilm" so stellt er klar, "ist die Augenkrankheit in der Realität leider noch nicht heilbar."  

Als Sponsoren für das Filmprojekt konnte das Produktionsteam mittelständische Optiker aus ganz Deutschland gewinnen. "Auch der Fachbereich Kultur der Stadt Würzburg unterstützt uns mit einem vierstelligen Betrag", erklärt der Regisseur stolz. Dies ermögliche auch die Teilnahme professioneller Filmschauspieler an "Lichthunger", so Kellner.

Hollywood-Stuntman am Set

Für die Choreographie und Durchführung von Stuntszenen konnte das Produktionsteam sogar den Hollywood-Stuntman Steffen Jung gewinnen. Der Würzburger stand als Stuntman bereits bei Hollywood-Blockbustern, wie Quentin Tarantinos "Inglorious Basterds" oder "3 Engel für Charlie" vor der Kamera. Für seinen Kumpel Lukas Kellner spielt er in "Lichthunger" einen der Mörder von Laikas Eltern. Eigens dafür war er am Samstag von einer laufenden Hollywood-Produktion in den Babelsberger Filmstudios angereist.

"Es gibt nicht so viele Filmschaffende in Würzburg", sagt Jung in einer Drehpause. "Und gerade so professionelle und engagierte Nachwuchsfilmer wie hier am Werk sind, die möchte ich natürlich unterstützen", unterstreicht er.

"Filme drehen macht Spaß!", findet auch die zehnjährige Laika-Darstellerin Marie Kneis. Eine Blinde zu spielen, das sei für sie keine große Herausforderung, sagt sie. Aber wirklich blind zu sein, das sei für sie eine "komische Vorstellung". "Dann würde ich es am meisten vermissen, meine Lieblingsbücher lesen zu können", sagt sie.

Premiere von "Lichthunger" im Herbst

Nach Abschluss der Dreharbeiten soll "Lichthunger" im Herbst diesen Jahres auf mehreren deutschen Kurzfilmfestivals gezeigt werden, unter anderem in Würzburg, München und Kempten. Auf der Kinotour und mit dem Verkauf der DVD sammelt das Filmteam Spenden, um Seherkrankten zu helfen. Alle Erlöse aus dem Filmprojekt sollen an Pro Retina e.V. fließen - einen Verein, der sich für die Betroffenen von Sehkrankheiten einsetzt.

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