KITZINGEN

Hörens- und nachahmenswert

P-Seminar des AKG taucht tief in die jüdische Geschichte ein.
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Sie laden zur Lesung mit Musik ein – und zur Premiere ihres Hörspiels: Anneliese John, Shirinbonu Olimova, Dr. Jutta Schwegler, Sophie Gühlen und Vanessa Kortus. Foto: Foto: R. Dieter
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Vor einem Jahr haben sich 14 junge Menschen an die Arbeit gemacht. Das Ziel lautete: Ein Hörspiel erstellen. Das Ergebnis kann sich hören lassen. Wer sich davon überzeugen will, hat am Sonntag, 27. Januar, dazu die Gelegenheit. Die Uraufführung des Hörspiels ist in eine Lesung mit Musik in der Alten Synagoge in Kitzingen eingebettet.

Die Mitglieder des P-Seminars „Hörspiel“ haben sich im Januar 2018 an die Ideenfindung gemacht. Alles war möglich, es gab keine Vorgaben. Vielleicht was Gruseliges? Oder doch lieber eine Fantasiegeschichte? Wie wäre es mit einem Märchen? Die jungen Männer und Frauen entschieden sich für eine Zugreise. Spannende Geräuschkulissen waren da garantiert. Aber welche Geschichte sollte transportiert werden?

„Wir wollten unserem Hörspiel einen tieferen Sinn geben“, erinnert sich Shirinbonu Olimova. Und den haben die Schüler gefunden. Ein Blick in die jüngere deutsche Geschichte brachte den Lösungsansatz und den Anlass für jede Menge Arbeit in den folgenden Monaten: Die Deportation einer jüdischen Familie sollte das Thema des Hörspiels werden. Die Schüler machten sich an die Arbeit.

Ein Recherche-Team entstand, eine Schreibgruppe, Max Mertens kümmerte sich um die Technik und den Ton. Im Internet und in Büchern machten sich die Schüler auf die Suche nach verwertbaren Informationen, tauchten in die Geschichte der Juden in Kitzingen und darüber hinaus ein. Sie machten eine Führung im jüdischen Museum Würzburg mit, besuchten das Informationszentrum „Shalom Europa“. Shirinbonu Olimova und Sophie Gühlen durften sogar eine Sabbat-Zeremonie verfolgen. In einer kleinen Kammer saßen sie und beobachteten das Geschehen durch einen Vorhang. Später unterhielten sie sich mit dem Rabbiner. „Das ging ganz schön in die Tiefe“, erinnert sich Olimova.

Die Seminarteilnehmer sichteten das vorhandene Material, lasen Bücher und schauten Filme. „Das hat uns alle ganz schön bewegt“, sagt Sophie Gühlen. „Wir waren teilweise ganz schön bedrückt.“ Als genug Hintergrund-Material gesammelt war, ging es an die Schreibarbeit. Die Texte für die Sprechrollen sollten schließlich möglichst authentisch klingen. Eine Familie wird in dem Hörspiel von den Nazi-Schergen aufgefordert, das Haus zu verlassen, um sich zum Bahnhof zu begeben. Von dort setzt sich der Zug Richtung Konzentrationslager in Bewegung. Fluchtmöglichkeiten werden diskutiert, die Angst und Bedrückung sind greifbar.

Die Kinderstimmen im Hörspiel übernahmen eine Fünft- beziehungsweise Zweitklässlerin. Die Stimme der Großmutter kommt von Claudia Trabold. „Wir haben alle Stimmen einzeln eingesprochen“, erklärt Vanessa Kortus. Max Mertens hat das Material dann zu einem rund zehnminütigen Hörspiel zusammengeschnitten.

Zu hören ist es zum ersten Mal am Sonntag, 27. Januar, in der Alten Synagoge in Kitzingen. Unter dem Titel „...und möchte den Himmel mit Händen fassen“ laden der Trägerverein ehemalige Synagoge Kitzingen, der Arbeitskreis Ge(h)wissen Iphofen und der Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit ab 17 Uhr zu der Lesung mit Musik ein. Dr. Jutta Schwegler und Diethart Bischof lesen Gedichte von Selma Merbaum und Hilde Domin. Luisa Bollow spielt am Klavier Stücke unter anderem von J. S. Bach und Mendelssohn-Bartholdi. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei.

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