KITZINGEN

Höchste Zeit für Gleichberechtigung

Die Mitglieder des Katholischen Deutschen Frauenbunds in Kitzingen fordern radikale Veränderungen innerhalb der Kirche. Podiumsdiskussion am 26. April
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Mit Pfarrer Gerhard Spöckl haben sie schon ausführlich diskutiert, jetzt laden Erika Michelsen, Karin Post-Ochel, Irmtraud Streit und Monika Krämer om Katholischen Frauenbund alle Landkreisbürger zu einer Diskussionsrunde ein. Am 26. April soll es im Dekanatszentrum ab 19.30 Uhr um die Rolle der Frauen innerhalb der Kirche gehen. Foto: Foto: Ralf Dieter

Die Zeit ist reif. Daran lassen die vier Frauen keinen Zweifel aufkommen. Und sie sind guter Dinge, dass sie die Zeit noch erleben werden, an denen Frauen zu Priesterinnen geweiht werden.

Monika Krämer, Irmtraud Streit, Erika Michelsen und Karin Post-Ochel sind gläubige Christen. Sie engagieren sich als Wortgottesdienstleiterinnen, sie spenden Trost in Altenheimen oder organisieren Veranstaltungen im Namen des Katholischen Deutschen Frauenbundes. Sie fühlen sich als Teil der Kirche. Aber nicht als gleichberechtigter Teil. „Wir dürfen einen Gottesdienst vorbereiten und begleiten, aber wir dürfen keine Sakramente spenden und nicht predigen“, sagt Karin Post-Ochel. Warum das so ist, kann sie nicht verstehen. „Die Kirche verschleudert jede Menge Potenzial“, ärgert sich auch Erika Michelsen und ist überzeugt: Bei einer Öffnung gäbe es nicht nur jede Menge Priesterinnen, sondern auch mehr Priester. „Das Zölibat hält doch viele interessierte junge Männer ab“, bestätigt Monika Krämer und fordert: „Auch das muss fallen.“ Letztendlich, da sind sich die vier Frauen einig, müssten sich alle Strukturen innerhalb der katholischen Kirche verändern.

„Die Kirche hat viel

Vertrauen verspielt. Sie ist unglaubwürdig geworden.“

Monika Krämer, Religionslehrerin

Auch wenn sie so klingen mögen: Die vier Damen sind keinesfalls Revoluzzer. Sie sorgen sich um den Zustand ihrer Kirche – und um deren Zukunft. „Die Kirche hat viel Vertrauen verspielt“, weiß Monika Krämer, die als Religionslehrerin tätig ist. „Sie ist unglaubwürdig geworden.“ Karin Post-Ochel spricht von einer Parallel-Gesellschaft innerhalb der Kirche. Auf der einen Seite die Seelsorge, der Dienst am Menschen, das diakonische Wirken. Auf der anderen Seite die Missbrauchsfälle, die letztendlich auf alle engagierten Christen zurückfallen. „Die gesamte Kirche wird doch damit in Zusammenhang gebracht“, bedauert sie. „Die Leute unterscheiden doch nicht.“

Viel zu lange habe die Amtskirche Reformen vor sich hergeschoben. „Diskussion um geweihte Frauen gibt es schon seit den 60er Jahren“, sagt Irmtraud Streit. Später sind verheiratete Männer zu Diakonen geweiht worden. Das war möglich. Geweihte Frauen sind für viele Christen aber immer noch unmöglich – oder zumindest undenkbar. Bischof Jung äußerte sich Mitte März eher vorsichtig. „Ich gehe davon aus, dass diese Frage uns auch weiterhin beschäftigen wird. Und wir werden sie in der einen oder anderen Weise beantworten müssen“, sagte er gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Er verwies dabei auf die von Papst Franziskus in Auftrag gegebene historische Untersuchung zum Diakonat der Frau. „Die theologische Diskussion wird – so schätze ich das mal ein – nicht verstummen.“

Letztlich müsse diese Frage auch theologisch entschieden werden, es sei schließlich „keine Geschmacksfrage“. Man müsse der katholischen Kirche als Weltorganisation ausreichend Zeit für die Debatte einräumen. Auch in anderen Kirchen stünden Frauen noch nicht allzu lang am Altar, so Jung. Eine gewisse Veränderung im öffentlichen Diskurs haben die Frauen vom KDFB in den letzten Jahren durchaus wahrgenommen. Die Einstellung zur Thematik verändere sich, wenn auch langsam. „Die Akzeptanz für unsere Wünsche steigt“, versichert Monika Krämer. Frauen würden beispielsweise vermehrt für Wortgottesdienste eingesetzt.

„Wir wollen zeigen, welche Vielfalt die Kirche bieten kann.“
Irmtraud Streit, Katholischer Frauenbund

Das sei natürlich auch dem Priestermangel geschuldet. Eine Akzeptanz aus der Not heraus wollen die Frauen vom Katholischen Deutschen Frauenbund aber keinesfalls etabliert wissen. „So eine Veränderung muss auf der Einsicht der Katholiken fußen“, wünscht sich Karin Post-Ochel. Am Tag der Diakonin wollen die vier Frauen diese Einsicht befeuern und laden nach einer Wort-Gottes-Feier in St. Johannes zu einem Referat mit Diskussion ins Dekanatszentrum ein. Pfarrer Nikolaus Hegler aus Glattbach-Johannesberg wird dort mit der Wortgottesdienstbeauftragten Barbara Dill aus Dettelbach und der Diözesanvorsitzenden Edeltraud Hann über die Rolle der Frau in der modernen katholischen Kirche diskutieren und dabei verschiedene Fragen aufwerfen: Was braucht es, um den Weg für Frauen in der Kirche zu ebnen? Wo liegen die großen Zweifel?

„Wir hoffen, dass es wirklich zu einer Diskussion kommt“, sagt Irmtraud Streit. Auch – und gerade – die Gegner dieser Forderungen sind zu dem Gespräch eingeladen. „Wir wollen zeigen, welche Vielfalt die Kirche bieten kann“, sagt sie und betont, dass Veränderungen bitter nötig seien. Die würden aber nur im gemeinsamen Vorgehen und Handeln erreicht. Der Tag der Diakonin bietet dazu eine Gelegenheit – quasi als Etappe auf dem Weg zu dem Tag, an dem geweihte Priesterinnen eine Selbstverständlichkeit sein werden.

Tag der Diakonin

Termin und Ablauf: Am 26. April startet die Veranstaltung um 17 Uhr mit Stehkaffee im Dekanatszentrum in Kitzingen. Nach einer Wort-Gottes-Feier in St. Johannes führt Pfarrer Nikolaus Hegler aus der Pfarreiengemeinschaft Glattbach-Johannesberg mit einem Impulsreferat in die kontrovers diskutierte Thematik ein. An einer anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Bildungswerksvorsitzender Edith Werner, nehmen neben Pfarrer Hegler folgende Personen teil: Diözesanvorsitzende Edeltraud Hann, Wortgottesdienstleiterin Barbara Dill, Dagmar Mensink, Theologin und Mitglied des ZDK, Anna Krähe, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehrstuhl für Kirchenrecht an der Julius Maximilian Universität Würzburg und Raphael Ehehalt, Vorstandsmitglied des Bund der Deutschen katholischen Jugend (BDKJ) in der Region Main-Spessart.

Weitere Informationen und Anmeldung direkt in der Geschäftsstelle des

Frauenbundes in Würzburg: frauenbund@bistum-wuerzburg.de oder 0931/386 65 341oder bis zum 19. April bei Erika Michelsen, Tel. 09321/6882 oder Email: erika.michelsen@web.de

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