MARKTBREIT

Historische Türme kaum gefragt

Es ist noch gar nicht so lange her, da waren Türme aus dem Mittelalter gefragte Objekte. Der Weiße Turm in Marktbreit zeigt, dass sich die Zeiten geändert haben.
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Die Marktbreiter Stadträte Volker Iglhaut, Martin Hoffmann und Martin Näck (von links) im Weißen Turm. Foto: Foto: Robert Haass

Es ist noch gar nicht so lange her, da waren Türme aus dem Mittelalter gefragte Objekte – eine Zweit- oder Drittwohnung im historischen Gemäuer fast schon ein Prestigeobjekt. Der Weiße Turm in Marktbreit zeigt, dass sich die Zeiten geändert haben: Die Stadt sucht nach einer Nutzung. Der Stadtrat besichtigte am Montagabend den Turm.

Harald Damm war es, der in der Bauausschusssitzung im Juli auf den Weißen Turm aufmerksam gemacht hatte, Bürgermeister Erich Hegwein schlug einen Ortstermin des Stadtrats vor, der am Montagabend stattfand. Bis vor kurzem hatte die Stadt den Turm vermietet, jetzt wurde die Nutzung zurückgegeben. Klar war am Ende: Noch ist offen, was die Stadt damit machen wird.

Der 25 Meter hohe Weiße Turm ist Teil der ehemaligen Befestigung der Stadt Marktbreit. Er liegt am Ende der Fleischmannstraße, nicht weit vom Breitbach entfernt. Erbaut wurde der runde Befestigungsturm mit Haubendach um 1521, eine Erhöhung folgte um 1601. Genutzt wurde er bis in die 1950er Jahre als Wohnung, unter anderem für die Hebamme, den Bader, aber auch als Gefängnis. Viel Platz im Innern ist nicht: Enge Treppen mit 72 Stufen über vier Etagen füllen die Hälfte, je ein halbrundes Zimmer den Rest. Lediglich im Dach gibt es einen größeren Raum, der aber auch nur über eine Dachluke zu erreichen ist.

Strom ist im Turm installiert, Wasser und Abwasser liegen an. Derzeit, so Hegwein, gibt es keine Anfrage eines Mietinteressenten. „Früher war der Hype nach historischen Türmen groß, die Gesellschaft hat sich gewandelt“, so der Bürgermeister. Auch eine überregionale Ausschreibung vor einigen Jahren brachte kein Ergebnis. Heute werde der Turm bei Stadtführungen sporadisch genutzt, so Tourismusreferent Harald Damm.

Vorerst, da waren sich die Räte einig, werde nicht nach einer Nutzung des Turms gesucht. Die Frage nach Fluchtwegen und nach dem Brandschutz sollten geklärt werden. Eventuell könnten, wie schon einmal beim Kunstfest Artbreit, dort Ausstellungen stattfinden. Auch beim Stadtjubiläum 2019 könnte der Turm eingesetzt werden. Sollten weitere Ideen oder eine Nutzungsanfrage kommen, wird das Thema dem Stadtrat vorgelegt.

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