Kitzingen
Erziehung

Hilfe für Hochbegabte Schüler in Kitzingen

Der Pädagoge Erik Müller-Schoppen hat ein spezielles Bildungskonzept für Hochbegabte entwickelt. Sie sollen lernen, ihr Wissen zu teilen. Dieses neuartige Seminar wird für hochbegabte Schüler im Alter von zehn bis 14 Jahren angeboten.
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Erik Müller-Schoppen.
Erik Müller-Schoppen.
Hochbegabte Kinder sind nicht das pure Glück - wenn es nach der Einschätzung des promovierten Erziehungswissenschaftlers Erik Müller-Schoppen geht. Sie seien nicht so, wie ehrgeizige Eltern sich ihre Sprösslinge wünschen würden.

Wenn Müller-Schoppen Kontakt zu hochbegabten Kindern hatte, fiel ihm auf, dass sie wie Wanderer zwischen zwei Welten sind, nirgends zu Hause. Sie würden nicht als Kinder gesehen, weil sie mit Erwachsenen konkurrieren - und diese mit ihnen. "Wer will sich schon von einem naseweisen Kind unterkriegen lassen?"

Und er hat gemerkt, dass Hochbegabte eine Förderung brauchen. Deswegen hat Erik Müller-Schoppen ein Unterrichtskonzept für hochbegabte Schüler im Alter von zehn bis 14 Jahren ausgearbeitet und bietet es in einem neuartigen Seminar in Kitzingen an.

Prozentsatz ist unklar


Durch die Medien und Wissenschaftslandschaft kursiert ein Prozentsatz von zwei Prozent Hochbegabten pro Jahrgang, manche Wissenschaftler gehen auch von je einem Schüler pro 30-köpfiger Klasse aus. Manchmal ist auch die Zahl zehn Prozent zu lesen, es gibt widersprüchliche Angaben. Fakt ist aber, dass Hochbegabte in der Gesellschaft kein leichtes Leben haben. Sie sondern sich selbst ab oder sie werden - wie andere Minderheiten auch - gemieden. "Die anderen wollen mit den Klugscheißern nichts zu tun haben", formuliert es der Erziehungswissenschaftler drastisch.

Er ist Gründer der Stiftung für Erziehung und Bildung & Wissenschaft und Kultur (EBWK), die eine Geschäftsstelle in Kitzingen hat. Er will hochbegabten Kindern helfen, aus Menschenliebe. Wie ein Ritter bricht er eine Lanze für die Bildung. "Bildung ist für mich die gelebte Liebe. Bildung ist die große Chance - und das wollen wir bieten."

Dr. Erik Müller-Schoppen studierte Psychologie, Pädagogik, Geographie und Theologie in Köln und Bonn, wo er auch das 1. und 2. Staatsexamen ablegte und später über das Thema Erziehungswissenschaften und Psychoanalyse promovierte. Seit 1969 entwickelt er Lerntechniken auf der Basis der Montessori-Pädagogik und hält Vorträge und Seminare als freier Trainer. Seit 2004 ist er Vorstandsvorsitzender der gemeinnützigen Stiftung Erziehung und Bildung & Wissenschaft und Kultur.

Hochbegabte haben in der Schule oft Probleme. Oft fangen sie an zu schludern, weil sie besser sind als alle anderen. Alles geht ihnen zu langsam, sie hören nicht mehr zu. Dadurch entstehen Lücken. Wegen solcher Schwierigkeiten in der Schule haben Eltern ihre Kinder für das Seminar angemeldet. Eine Mutter sagt: "Wir hielten das für eine gute Idee, weil die schulischen Leistungen unseres Kindes hoch und runter gehen. Und das ist für uns vollkommen unverständlich; heute schreibt er eine Eins in Latein und morgen eine Fünf. Von der Begabtenförderung denken wir, dass sie unseren Sohn dabei unterstützen könnte, eine Stetigkeit in seine Noten zu bringen."

"Alles ist ihm zugefallen"


Eine andere äußert sich ähnlich: "Schaue ich über seine Arbeiten der letzten Wochen, dann kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Von der Begabtenförderung erwarte ich, dass sie unserem Sohn das Lernen beibringt. Bisher ist ihm alles immer anstrengungslos zugefallen. Aber in den höheren Schuljahrgängen geht das einfach nicht mehr."

Genau darum geht es bei dem Seminar: Eine psychologisch geschulte Lehrkraft vermittelt den Kindern zum einen Lernstrategien, zum anderen wird ihnen beigebracht, wie sie ihr Wissen an andere weitergeben können. Seminarleiter ist Jan Rösler. Der Student der Erziehungswissenschaften schreibt gerade seine Diplomarbeit. Das Thema Hochbegabung sei einer seiner Studienschwerpunkte, sagt er. Zuerst geht er mit seinen jungen Kursteilnehmern die Hausaufgaben durch. Weil diese naturgemäß rasch erledigt sind, nutzt Rösler die restliche Zeit, um den Kindern die Funktion des Gehirns zu erklären und Anleitungen fürs Lernen zu geben. Dann bekommen die Schüler die Aufgabe, Lehrmaterialien zu entwickeln, anhand derer sie ihren Mitschülern den Unterrichtsstoff erläutern können. Rösler: "Das ist Lernen durch Präsentieren."

Dass er es mit sehr begabten Kindern zu tun habe, bewiesen deren intelligente Nachfragen und Beiträge. "Da kommt viel Input", hat der 24-Jährige festgestellt, "und das ist schon toll mitzuerleben." Es seien pfiffige, aufgeweckte Kinder, die mit Interesse, Motivation und Kreativität bei der Sache seien. Das gehöre zur Hochbegabung dazu. "Dass der Intelligenzquotient alleine als Kriterium gilt, ist nicht haltbar", sagt der Kursleiter.


Schlüsselqualifikationen vermitteln



Erik Müller-Schoppen will, dass den jungen Teilnehmern in dem Seminar Schlüsselqualifikationen vermittelt werden. "Hochbegabte und gut begabte Kinder können zu uns kommen und erfahren, wie lohnend es ist, mal eine Stunde ihrer Freizeit zu opfern." Zu viel Unangenehmes, das auch zum Leben gehört, werde von diesen Kindern und Jugendlichen fern gehalten, findet der Initiator. "Es gibt Eltern, die sagen: Du bist viel zu begabt, du musst jetzt nicht aufräumen, beschäftige du dich mal mit der reinen Lehre."

Am 10. Oktober hat in den Räumen der Stiftung EBWK in Kitzingen, Hindenburgring West 9, in Kooperation mit dem Studienkreis Kitzingen dieses Seminar für Hochbegabte und interessierte gut begabte Kinder und Jugendliche begonnen. Fünf bis sechs Kinder und Jugendliche können an dem Kurs teilnehmen. Er findet zwei Mal in der Woche nachmittags statt. Bei gutem Zuspruch ist eine zweite Gruppe möglich.


Gegenseitig helfen



Den Kindern müsse eine sinnvolle Tätigkeit gegeben werden, ein Gemeinschaftsprojekt, klärt der Stiftungsgründer auf. Der Hochbegabte müsste dem Gleichaltrigen eine Stütze sein, ihm zum Beispiel die Mathematik erklären. Wie in der Pädagogik von Maria Montessori und wie früher in den Dorfschulen praktiziert, als alle Jahrgänge von Schülern in einem Raum saßen und sich gegenseitig halfen.

Die Idee von Dr. Erik Müller-Schoppen kommt gut an. "Das gefällt mir an dem Konzept: Kein Frontalunterricht, wie in der Schule, sondern die Kinder müssen sich den Stoff gegenseitig beibringen. Ich denke, da nimmt unser Kind viel mit", sagt eine Mutter.

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