Würzburg

Wie die Trauer um einen geliebten Menschen gelingen kann.

Die Frauenseelsorge bietet in Seminaren Hilfe bei der Schwerstarbeit an.
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Einen geliebten Menschen verlieren: Das ist wie ein Riss im Herzen, ein Teil von einem selbst ist gestorben. Das Referat Frauenseelsorge in Würzburg bietet regelmäßig Kurse für verwitwete Menschen an. Foto: Foto: Dieter

Würzburg/Landkreis Kt Ihr Thema ist oft der Tod. In ihren Seminaren arbeitet sie mit Menschen, die ihren geliebten Partner, ihr Kind verloren haben. Die Frauenseelsorge bemüht sich in der Trauerarbeit seit Jahren um ein differenziertes und auf die jeweilige Lebenssituation abgestimmtes Angebot. Roswitha Hubert ist Diplom-Theologin und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Ihr nächster Kurs ist für verwitwete Frauen ab 60 Jahren. Ein Gespräch über ein Tabuthema und über die Frage, wie Trauer gelingen kann.

Trauer ist die Schwester der Liebe. So steht es in Ihrer Einladung zum Kurs.

Hubert: Da gibt es tatsächlich eine Verwandtschaft. Ohne Liebe gibt es keine Trauer.

Wie geht es den Frauen, die ihren geliebten Partner verloren haben und zu Ihnen kommen?

Hubert: Unterschiedlich – die, die kommen stellen sich der Trauerarbeit. Sie haben schon die Kraft, sich auf den Weg zu machen.

Mit welchen Gefühlen machen sich diese Menschen auf den Weg?

Hubert: Mit allem, was ein Mensch zu fühlen fähig ist. Natürlich ist da zuerst der Schmerz. Manchmal auch die Wut, allein gelassen zu werden. Oder die Angst vor der Zukunft. Wichtig ist es, alle diese Gefühle zuzulassen. Keine Bewertung. Was ist, darf sein. Es darf alles vorkommen. Auch die Freude, die sich mitunter in der Trauer zeigt.

Freude?

Hubert: Erleichterung ist wohl das bessere Wort. Manche Frauen haben ihren kranken Mann lange gepflegt. Da fällt mitunter auch eine Last ab, die den Lebensalltag bestimmt hat.

Gibt es eine Empfehlung, wie man am besten mit der Trauer umgeht?

Hubert: Nein, jeder Tod ist einzigartig und jede Trauer ist es auch. Ratschläge sollten wir möglichst vermeiden, auch wenn sie gut gemeint sind.

So nach dem Motto: Jetzt musst du mal wieder unter Leute gehen, genug getrauert.

Hubert: Ja. Freunde und Bekannte meinen es damit gut. Sie stehen diesem schweren Schicksalsschlag oft hilflos gegenüber. Der Tod wird noch immer in unserer Gesellschaft weitgehend totgeschwiegen. Er wird verdrängt, nicht thematisiert. Und trifft uns dann doch ganz plötzlich. Freunde, Bekannte wollen oftmals gar nicht so genau wissen, wie es den Betroffenen geht. Der Tod macht Angst.

Wie geht es den Betroffenen?

Hubert: Auch das ist ganz unterschiedlich und schwer, in Worte zu fassen. In den ersten Tagen nach dem Tod eines Partners ist man in der Regel aufgewühlt und abgelenkt. Es gibt so viel zu erledigen. Gleichzeitig ist die Seele besonders verwundbar. Verletzungen von außen wirken noch stärker.

Welche Verletzungen?

Hubert: Das können unbedachte Bemerkungen sein oder die Tatsache, dass keiner vorbei kommt. Dass man alleine ist in einem Haus. Dass der Platz im Bett nebenan leer ist. Es entsteht ein Vakuum, das vorerst nicht gefüllt wird.

Was können die Betroffenen tun?

Hubert: Kleine Inseln des Heils suchen. Selber würdigen, was sie an einem Tag geleistet haben. Das können Kleinigkeiten sein: Die Strümpfe für den Enkel stricken, die Pflanzen gießen, wieder einmal eine warme Mahlzeit zubereiten oder einen Brief schreiben.

Oder mit dem verstorbenen Partner reden?

Hubert: Ja, das ist ganz normal und wichtig. Betroffene berichten immer wieder, dass sie z.B. ihren verstorbenen Partner fragen, wie er das Problem lösen würde und manchmal Antworten bekommen. Manche stellen sich ein Bild von ihm auf den Tisch stehen, um mit ihm zu reden.

Sie leiten Seminare für Männer und Frauen. Trauern Männer anders?

Hubert: Ja, oft eher muskulär. Sie haben Verspannungen und ähnliche körperliche Symptome. Männer tun sich meist schwerer,über den Verlust zu sprechen

Frauen trauern nicht körperlich?

Hubert: Doch. Auch. Wer trauert, ist ganz allgemein anfälliger für Erkrankungen. Trauer ist Schwerstarbeit, das dürfen wir nicht vergessen. Frauen können den Verlust tendenziell besser verarbeiten. Frauen zeigen eher ihren Schmerz und die Gefühle, die damit einher gehen.

Wieso?

Hubert: In einer Fortbildung habe ich gehört: Durch die Fähigkeit zur Geburt haben Frauen gelernt, dass durch Schmerzen auch etwas Neues entstehen kann.

Wie verarbeiten Sie selber Ihre Begegnungen?

Hubert: Manchmal bin ich nach so einem Tag wohlig erschöpft, da ich erlebe, wie achtsam die Teilnehmer miteinander umgehen, manchmal laufe ich eine Runde an der frischen Luft oder lese Gedichte. Die Arbeit ist anstrengend und auch erfüllend. Ich kann Menschen in einer besonderen Lebensphase begleiten und staune oft, was Menschen zu tragen fähig sind.

Wie können Freunde und Verwandte helfen?

Hubert: Dran bleiben. Immer wieder sich trauen vorbeizukommen . Besser noch, an der Haustür klingeln und fragen, was man tun kann. Mögliche Zurückweisungen nicht persönlich nehmen.

Trauernde sind manchmal einfach nicht bereit für Kontakte?

Hubert: Der erste Reflex ist oft, dicht zu machen, sich und seine Seele zu schützen.

Und wenn es dann doch zu einem Gespräch kommt?

Hubert: Dann ist richtiges Zuhören wichtig. Man kann auch praktische Hilfe anbieten, eine Fahrt zum Arzt, zum Einkaufen oder ähnliches. Und es hilft den Trauernden, wenn ihre Anstrengungen wertgeschätzt werden. Auch wenn es vermeintliche Kleinigkeiten sind.

Wann wird der Trauerprozess leichter?

Hubert: Auch das ist bei jedem anders. Die Einsamkeit spürt man oft erst nach ein paar Wochen. Man merkt, da ist ein Riss im Herzen, da ist ein Teil von mir gestorben. Und das braucht Zeit.

Also nicht drängen und den Trauernden die Zeit geben, die sie brauchen?

Hubert: Trauer kennt keine Zeit. Sie ist sehr individuell. Mit dem Tod eines Partners fängt ein neuer Lebensabschnitt an, die Zeitmessung beginnt neu. Es heißt dann: Heute ist der erste Todestag, heute vor fünf Jahren waren wir zum letzten Mal gemeinsam im Urlaub.

Kann man sich auf den Tod, die damit einhergehende Trauer vorbereiten?

Hubert: Es gibt viele Momente im Leben, in denen wir ein bewusstes Abschied nehmen lernen können. Wichtiger erscheint mir deshalb, dass wir im Jetzt leben, den Augenblick mit dem geliebten Partner genießen. Damit wir später nicht bedauern müssen, was wir hätten tun können.

Seminar: Trauer und Trost, Tag für verwitwete Frauen ab 60 Jahren. Am Dienstag, 19. März, von 9.30 bis 16 Uhr im Exerzitienhaus Himmelspforten in Würzburg. Anmeldung bis Donnerstag, 14. Februar beim Referat Frauenseelsorge, Tel. 0931/38665201, Email: frauenseelsorge@bistum-wuerzburg.de. Weitere Information zu Angeboten gibt es im Internet unter www.frauenseelsorge.bistum-wuerzburg.de.



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