Die Bewährungshelferin flehte förmlich um ein Strafmaß, das unter zwei Jahren liegen sollte. Dann müsste ihr Schützling, ein 22-jähriger Tscheche, nicht ins Gefängnis, sondern er käme nochmals mit Bewährung davon. Auch die Verteidigung bat um "eine Entscheidung mit Augenmaß". Diese habe er auch walten lassen, ließ Richter Marc Betz noch vor seiner Urteilsverkündung durchblicken. Es hätte nämlich auch viel härter kommen können.

Das Maß war voll


"Zwei Jahre und vier Monate" darf der junge Mann nun absitzen. Es war exakt das Strafmaß, das die Vertreterin der Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Sie hatte zuvor messerscharf argumentiert, was der Angeklagte für seine bisherigen Vergehen aufgebrummt bekommen hatte. Für den Diebstahl eines Elektrofahrrads zum Beispiel hatte es neun Monate Arrest gegeben - auf Bewährung. Für das, wofür er nun ins Kitzinger Amtsgericht geladen worden war, war das Maß einfach voll. Für eine Geld- oder Bewährungsstrafe war der Bogen überspannt. Zu den acht Straftaten, die bereits vor der aktuellen Verhandlung geahndet worden waren, kamen nun zwei Diebstähle in besonders schweren Fällen hinzu, die der Mann im September und November letzten Jahres begangen hatte.
Diesmal waren es keine Kleinigkeiten mehr, nicht die Spielekonsole, eine Funkmaus oder ein paar DVDs aus dem Supermarkt. Diesmal ging es um weit mehr. Und dieses Mal hatte sich der Angeklagte auch gewaltsam Zutritt zu den Objekten seiner Begierde verschafft. In die Stadtwerke Kitzingen und eine hiesige Rechtsanwaltskanzlei war er eingebrochen, hatte Fenster und Türen aufgehebelt und PCs, Laptops, Flachbildschirme, Festplatten und Diktiergeräte gestohlen, die er umgehend zu Geld machen wollte, um seine Drogensucht zu stillen. Mehrere tausend Euro Schaden hatte er allein durch das Aufbrechen von Türen und Fenstern angerichtet, weit über 12 000 Euro betrug der Materialwert der elektronischen Geräte, die er gestohlen hatte. Fingerabdrücke, die er am Tatort hinterlassen hatte, führten letztlich zu seiner Ergreifung.

Drogen machen alles kaputt


Fünf bis sieben Gramm Amphetamine konsumierte er noch im letzten Herbst täglich, gestand der junge Mann. Die mussten irgendwie finanziert werden. Inzwischen sei er von den Drogen frei.
Eine "günstige Sozialprognose" attestierte ihm seine Bewährungshelferin. Er hatte eine Wohnung genommen, in einer Zeitarbeitsfirma angeheuert, den Gabelstapler-Führerschein gemacht und sich um Besserung bemüht. "Es ist aber nicht so einfach, ein normales Leben zu führen", gestand er.
Von den knapp 1000 Euro Lohn blieben unterm Strich rund 300 Euro zum Leben, "weniger als einem Harz-IV-Empfänger zusteht", betonte die Bewährungshelferin. Miete und die Ratenzahlungen an die Staatskasse aus den vorhergehenden Verurteilungen fraßen das Salär spürbar auf.
"Ich finde es großartig, dass er sich ins Leben zurückkämpfen will und nicht ins Gefängnis gehen wollte", erklärte seine Verteidigerin zur Vergangenheitsbewältigung ihres Mandanten. "Soll man ihm jetzt alles kaputt machen?", fragte sie fast schon resigniert am Ende ihres Plädoyers.
"Sein Leben kaputt gemacht hatte einzig er selbst und nicht die Staatskasse", betonte die Staatsanwältin. Der Angeklagte war sich seiner Schuld absolut bewusst, gestand die Vergehen und akzeptierte das Urteil mit hängendem Kopf. Dass es dabei wohl nicht bleiben wird, ließ die Staatsanwältin abschließend durchblicken. Mindestens ein Verfahren wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz wartet bereits in der Schublade der Juristen.
Druckfrisch ist auch die Anklageschrift wegen Hausfriedensbruchs, die sich der Angeklagte im Juni dieses Jahres eingehandelt hat, als er trotz Hausverbots eine Kitzinger Lokalität betreten hatte. Der Fall spielte im aktuellen Verfahren keine Rolle, trug allerdings sehr zur Überraschung der Verteidigung bei, die von dem neuerlichen Vergehen erst in der Hauptverhandlung erfuhr. Das wird letztlich dazu führen, dass der Angeklagte seine Haftzeit entsprechend verlängert.