MARKT HERRNSHEIM

Herrnsheimer Jugend packt an: Smartphone gegen Verputzerkelle

Willanzheims Bürgermeisterin Ingrid Reifenscheid-Eckert lobt die Jugendlichen in Herrnsheim, die sich derzeit das Obergeschoss in der Marktschänke herrrichten.
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Stefan Heckel (links) schwenkt die Kelle beim Spachteln und auch der Iraner Milad Zabihi-Soltani hilft auf der Baustelle mit. Foto: Foto: Hartmut Hess

„Die Herrnsheimer haben eine rührige und fleißige Jugend“, lobt Willanzheims Bürgermeisterin Ingrid Reifenscheid-Eckert die Jugendlichen in Markt Herrnsheim.

Wer derzeit das Obergeschoss in der Marktschänke, wo die Jugend ihr Domizil hat, betritt, kann sich davon ein Bild machen. Denn die Jugendlichen haben ihr Smartphone gegen eine Verputzerkelle getauscht und die Mädels schwingen Besen und Staubsauger.

Dass die Herrnsheimer vor 13 Jahren zur Selbsthilfe schritten und den Bürgerverein Marktschänke gründeten, ebnete der Jugend im Dorf den Weg. Denn nachdem in die Marktschänke wieder Leben eingekehrt war, durfte sich die Jugend im Obergeschoss einrichten. Die jungen Damen und Herren haben längst nicht nur eine Hausordnung: Mittlerweile hat haben sie einen Verein ins Leben gerufen. An der Spitze stehen der Vorsitzende Maximilian Weinfurtner und sein Stellvertreter Steffen Götzelmann.

„Wer seine Räume und Einrichtung selbst erarbeitet hat, der passt später auch besser darauf auf.“
Gemeinderat Martin Greulich

Sie waren mit ihren Freunden bislang räumlich schon recht gut situiert, aber als der Wunsch aufkam, noch einen Billardtisch neben dem vorhandenen Kicker anzuschaffen, kamen Überlegungen für die Raumgestaltung auf. Da passte es, dass ein Raum des Bürgervereins nicht mehr unbedingt als Abstellraum gebraucht wurde.

Nachdem die jungen Leute ihren Segen von der Bürgervereinsführung hatten, gingen sie auf die Bürgermeisterin zu, die die Initiative unterstützte. Die Jugend krempelte die Ärmel hoch, um alle Renovierungs- und Umbau-Arbeiten mit tatkräftiger Unterstützung von Handwerkern aus dem Dorf in Eigenregie zu stemmen und die Gemeinde kommt für die Materialkosten von circa 3500 Euro auf.

Ende Juli war es so weit. Um das Inventar auszuräumen war ein ganzer Tag nötig. Danach machten sich die jugendlichen und erwachsenen Bauarbeiter daran, eine Wand zu durchbrechen. „Da wurde es richtig staubig“, kommentierte Steffen Götzelmann die Bauarbeiten. Das Entfernen der Decken und der Bodenbeläge sowie das Abkratzen der Tapeten war ebenfalls Knochenarbeit.

Mittlerweile ist eine abgehängte Decke eingebaut, die neuen Wandteile sind konstruiert und die Trockenbau-Elemente werden verspachtelt und geschliffen. „Wir sind gut 30 Leute hier im Jugendraum und alle haben mit angepackt“, schildert Maximilian Weinfurtner das Engagement seiner Altersgenossen.

Jetzt gehen die Arbeiten langsam ins Endstadium, die jungen Leute wollen rechtzeitig vor der Kirchweih Mitte November fertig sein und haben sich deswegen das Ende des laufenden Monats als Ziel für eine Einweihungsfete gesetzt.

Das Engagement der Jugend ist mehrfach positiv zu sehen, denn so muss die Gemeinde nicht groß Geld für ein Jugend-Domizil ausgeben. „Zudem stärkt der gemeinschaftliche Einsatz den Zusammenhalt und die Identifikation mit ihrem Dorf“, bemerkt Ingrid Reifenscheid-Eckert, die das Vorhaben der jungen Generation sehr begrüßte. Noch einen Aspekt fügt Gemeinderat Martin Greulich an: Wer seine Räume und Einrichtung selbst erarbeitet habe, der passe später auch besser darauf auf.

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden sich ein runderneuertes Domizil geschaffen haben, das sich sehen lassen kann: Auf rund 80 Quadratmetern befinden sich Bar, Toilettenräume, Küche, Billard- und Kickerraum und an schönen Tagen können sie es sich auf einer sehr geräumigen Terrasse gemütlich machen.

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