Sulzfeld am Main
Kunst

Harald Schmaußer zeigt seine Welterbestätten

Der Sulzfelder Künstler und Grafiker zeigt am Sonntagnachmittag in seiner Galerie die deutschen Welterbestätten. Der Ausstellungsbesucher kann auf humorvolle Weise Bekanntschaft mit Napoleon, Kaiserin Kunigunde und anderen Persönlichkeiten machen. Überraschungen gibt es auch.
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Harald Schmaußer zwischen Markgräfin und Kaiserin. Er liebt die Vielfalt - und das sieht man seinen Werken an.  Fotos: Sabine Paulus
Harald Schmaußer zwischen Markgräfin und Kaiserin. Er liebt die Vielfalt - und das sieht man seinen Werken an. Fotos: Sabine Paulus
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Seit 20 Jahren befasst sich Harald Schmaußer mit den berühmten Orten Deutschlands. Die Unesco-Welterbestätten verfolgen den Grafik-Designer und Künstler. "Das Thema ist unendlich und unerschöpflich", sagt er.

Schmaußer, der in Sulzfeld lebt und arbeitet, hat alle 37 Orte besucht - von der Wartburg in Eisenach bis zum Dom zu Speyer - und skizziert.


In seinem Atelier hat er Aquarelle und Federzeichnungen angefertigt.
Doch schöne Bilder alleine reichen ihm nicht. "Nur Gebäude zu malen, ist mir zu langweilig." Er suchte die Herausforderung. Und er trat das Experiment an, die ganze Vielfalt der deutschen Geschichte in seinen Bildern zu verpacken.

Wie soll das funktionieren?


Schmaußer erzählt, er habe die Unesco-Erbe als Basis dafür genommen, um die Historie samt der Figuren, die damals gewirkt haben, einzubauen.
Ein Beispiel: Vor der Würzburger Residenz steht ein süffisant grinsender Napoleon Bonaparte, Kaiser der Franzosen, und sagt: "Vraiment joli". Diesen Ausspruch hat Schmaußer unter das Bild gezeichnet. Man könnte es grob mit "ganz nettes Häuschen" übersetzen. Schmaußer zielt damit darauf ab, dass Napoleon 1806 die Würzburger Residenz als "das schönste Pfarrhaus Europas" bezeichnet haben soll.
Harald Schmaußer kichert in sich hinein.

Immer wieder hat er in seinen Bildern solche Andeutungen versteckt.
Er wollte künstlerische, aber nicht rein dekorative Werke kreieren. "Da bin ich zu sehr Grafiker." Deswegen hat er sie mit informativen Untertiteln versehen - "ein Unterschied zur "normalen" Kunst, die kein Informationsbedürfnis kenne", sagt Schmaußer.

Eine ganze Epoche in einem Satz


Er beließ es jedoch nicht bei den historisch-informativen Untertiteln, sondern setzte noch jeweils eine Anmerkung darunter, etwas Launiges, Humorvolles, Gewitztes. Damit hat er sich selbst eine Aufgabe gestellt, an der er ganz schön zu knobeln hatte. Eine ganze Epoche mit einem einzigen Satz zu beschreiben, sei schon schwierig gewesen. "Diese Reduzierung war das größte Problem für mich", gesteht Harald Schmaußer.

Aber er wollte es ja so, er wollte diese Dreiheit aus Bild, Grafik und Satz in einem Rahmen.


Es liege ihm, sagt er, er habe Freude an der Lösungsfindung. Und dann ging es schließlich noch darum, die gefundene Lösung für den Galeriebesucher und Betrachter verständlich umzusetzen. Dennoch wünscht er sich: "Die Leute sollen ruhig nachdenken."

Schmaußer überrascht sie ja auch mit seiner extremen Freude an der Vielfalt. So hebt sich das Bildnis der Kaiserin Kunigunde von den anderen Werken wegen seiner avantgardistisch-kubischen Gestaltungsform ab.
Seit Jahren arbeitet er das Weltkulturerbe Deutschlands mit Mitteln der grafischen Kunst auf.

Weil die fertigen 37 Kulturstätten in ihrem Umfang unmöglich in die Galerie in der Kettengasse 24 passen, zeigt Harald Schmaußer ab morgen, Sonntag, 28. Oktober, zunächst einmal Bilder aus Bayern, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen.


Das Projekt marschiere nun zum ersten Mal in die Öffentlichkeit. Angestrebt sei eine deutschlandweite Inforeise, erklärt der Künstler.

Er wünscht sich, dass die Ausstellungsbesucher an den Bildern genauso viel Freude haben wie deren Schöpfer. Vielleicht fällt den Leuten auf, dass die bayerischen Welterbestätten nicht vollständig sind. Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth ist heuer als Kulturerbe anerkannt worden. Schmaußers Reihe war zu dem Zeitpunkt aber schon fertig gestellt. Er sieht's mit Gelassenheit: "Ich habe keine Chronistenpflicht zu erfüllen, sondern genieße die Freiheit des Geistes und der Kunst."

Eröffnung ist am Sonntag, 28. Oktober, von 15 bis 17 Uhr in der Galerie in der Kettengasse 24 in Sulzfeld am Main. An den weiteren Sonntagen, bis 9. Dezember 2012, ist die Galerie auch geöffnet, dann wieder nach Vereinbarung.

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