Kitzingen
Ausstellung

Harald Knoblings große Architektur-Austellung

Ab Samstag sind die Werke des Kitzinger Malers und Bildhauers Harald Knobling der letzten zehn Jahre im Spitäle in Würzburg zu bestaunen. Großes Thema ist die Architektur in Italien, Berlin und an der dänischen Küste.
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Foto: Feiler
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Noch trocknet der Ton in den Regalen. Die Skulpturen sind nicht gebrannt. Deshalb sind sie noch ockergelb. Bald aber werden die Tonarbeiten die Küche von Harald Knobling verlassen und im Brennofen landen. Dort tauschen sie bei etwa 900 Grad ihr Ockergelb mit erdigen Dunkelrot. Dann erst sind die Plastiken fertig. Dann erst können sie in die Ausstellung.

Zehn Jahre - drei Schwerpunkte

"Architektur in Malerei und Plastik" lautet der Titel der Ausstellung, bei der der Kitzinger Bildhauer, Maler und Kunsterzieher Harald Knobling Werke aus den letzten zehn Jahren zeigt. Großes Thema ist die Architektur. "In der Architektur stecken ein Mensch und ein Weltbild", begründet der Kitzinger sein Interesse für diesen Bereich.
"Sie ist Bedeutungsträger, in ihr spiegeln sich Menschenbilder wider, Architektur umgibt den Menschen und prägt ihn."
Drei Orte bilden die Hauptschwerpunkte der Ausstellung: das italienische Bordighera, die Reichstagskuppel in Berlin und die Bunkeranlagen an der dänischen Nordseeküste.
Bordighera liegt an der Grenze zwischen Frankreich und Italien, nahe der Côte d'Azur. Dort konzentrierte sich Knobling auf das Zusammenwirken von Licht und Schatten. In diesen Gemälden beschränkte er sich auf die Farben Schwarz und Weiß. Entstanden sind ruhige Bilder, die das starke Licht der Gegend wiedergeben.
Seine Liebe zu Italien führt zurück zu seiner ersten Einzelausstellung. Während seines Kunststudiums verkauften er und seine Kommilitonen ihre Werke. "Das war in Nürnberg fast schon Tradition", erinnert er sich. Von dem Erlös konnten sie sich eine Studienfahrt nach Sizilien leisten. Dort fertigte Knobling hunderte von Studien und Skizzen, in denen er den Mensch darstellte und die er in seiner ersten Einzelausstellung präsentierte.
Der freischaffende Künstler studierte auch in Braunschweig und Erlangen. Kunst und Kunstpädagogik. Hin- und hergerissen zwischen der freien Kunst und der Kunsterziehung, entschied er sich schließlich für den Lehrberuf. Er bereut diese Entscheidung nicht. Bereits seit mehreren Schülergenerationen unterrichtet Knobling am Armin-Knab-Gymnasium in Kitzingen. Er fühlt sich mit der Schule eng verbunden. Neben dem Schuldienst lehrte er im Fachbereich Kunstpädagogik der Universität Bamberg.

Zwei Welten eng verknüpfen

Obwohl er weiß, dass Schule und freie Kunst zwei verschiedene Welten sind, sieht er beide miteinander verknüpft. "Das eine befruchtet das andere." Bei ihm gibt es kein "entweder oder", bei ihm heißt es "sowohl als auch". Das gilt auch für die Kunstgeschichte und -wissenschaft. "Das Interesse wurde in eine bestimmte Richtung gelenkt, man wird sensibel in diesem Bereich und entdeckt Parallelen zwischen unterschiedlichen Künstlern." Mit einem bestimmten Künstler beschäftigte sich Knobling besonders intensiv: Bildhauer und Zeichner Ernst Barlach. Über den schrieb Knobling seine Doktorarbeit. Seitdem veröffentlicht er immer wieder Bücher und Aufsätze zur Kunstgeschichte und -erziehung.
Vieles, was Knobling veröffentlicht, hat einen lokalen Bezug. So schrieb er einen Kirchenführer für die Kitzinger Stadtkirche und eine Abhandlung über die Alte Synagoge. Im letzten Jahr erschien sein Buch über den Bildhauer Bernhard Graf von Bylandt-Rheydt, für den er auch eine Ausstellung leitete. Bei all den theoretischen Arbeiten kam das künsterische Schaffen nicht zu kurz: In Kitzingen gibt es Werke von ihm im öffentlichen Raum, wie etwa den großen Bronzeleuchter in der evangelischen Stadtkirche in Kitzingen.
Das zweite große Thema der Ausstellung ist die Reichstagskuppel in Berlin vom britischen Architekten Sir Norman Foster. Knobling bewundert die Leichtigkeit der Glaskuppel, ihren Aufbau und die Spiegelungen der Glasflächen. Er fotografierte, fertigte Skizzen vor Ort an, nach denen er bei sich zuhause in Kitzingen in seinem Atelier zeichnete und malte. Bei den Gemälden wählte der Kunsterzieher immer nur einen Ausschnitt, sodass man kaum mehr erkennen kann, was dargestellt ist. Am Ende sind so manche Arbeiten abstrakt, dennoch bleibt der Bezug zur Reichstagskuppel bestehen.

Betonmonster in Dänemark

Der letzte Teil der Ausstellung führt nach Dänemark. An der dänischen Nordseeküste hat der Kunstlehrer viele Jahre über seine Sommerurlaube verbracht. Beeindruckt beschäftigte er sich lange mit den Bunkern dort, die von 1941 bis '45 errichtet wurden. Insgesamt 1800 Bunker. Viele stehen immer noch an Dänemarks Stränden. Die Betonmonster zu sprengen wäre zu aufwendig. Jetzt sind sie Mahnmale gegen Krieg und Gewalt. Mahnmale, die langsam im Sand verschwinden. Stürme und Sandverwehung bringen sie in die Schräglage. Der Beton verschwindet und taucht wieder auf.
Mit den Bunkern verfährt der Maler und Bildhauer ähnlich wie mit der Reichstagskuppel. Nie wird der ganze Bunker gezeigt, sondern immer nur Nahaufnahmen, Bildausschnitte, Fragmente. Dadurch wirken die Bunker abstrakt und sind kaum noch als solche zu erkennen. Die Kanten und Wölbungen bilden durch das Spiel mit Licht und Schatten einen Rhythmus. Hell-Dunkel-Kontraste werden miteinander verbunden, indem Knobling mit Grau malt, dem bunte Farben hinzugemischt wurden. Dunkle Farben überwiegen und geben die Lichtverhältnisse in den Bunkern wieder. Hie und da leuchtet ein Rot, ein Blau oder mal ein Gelb auf. Dennoch überwiegen Schwarz, Grau und Weiß.

Nicht nur Malerei

Nicht nur malerisch beschäftigte sich Knobling mit dem Atlantikwall. 2012 hat der Bildhauer begonnen, sich plastisch mit den Bunkern auseinanderzusetzen. So entstand eine Reihe kleiner Tonskulpturen, alle ungefähr
15 x 15 x 20 Zentimeter groß. Wieder wählte er nur Ausschnitte der Gebilde. Die Skulpturen wirken, als wären sie aus einem kleineren Modell der Bunker einfach herausgeschnitten worden.
Während die Bilder ausdrucksstark sind, reduziert Knobling die Skulpturen auf ihre Grundformen, wie Kugel, Würfel und Zylinder. Dadurch wirken die Plastiken kühl und rational. Zu diesen hat der Maler einen düsteren Film über die Bunkeranlagen gedreht, der die Ausschnitthaftigkeit der Skulpturen und Bilder wiedergibt. Dazu ertönt Musik Richard Wagners. Der Film wird während der Ausstellung im Spitäle in Würzburg gezeigt.
Am 5. Januar um 19 Uhr ist die Eröffnung. Bis dahin muss noch einiges getan werden. Freunde packen mit an und fahren einige Bilder nach Würzburg. Im Spitäle muss noch der Klavierflügel verschoben werden. Bei der Vernissage tragen nämlich der Komponist Hermann Seidl und seine Tochter Claudia eigene Musikstücke vor. Ein Stück wurde sogar anlässlich der Ausstellung geschrieben und wird bei der Eröffnung uraufgeführt.

Die letzten Vorbereitungen

Auch im Atelier bei sich zuhause hat Knobling noch so manches zu erledigen. Einige Gemälde sind noch an die Wand gelehnt. Hier wurde gearbeitet, das sieht man. Es liegen noch Messer und Werkzeuge, Spachtel, Modellierhölzer und -schlingen für die Arbeit mit dem Ton auf dem Tisch.
Bis er mit der Arbeit begann, dauerte es eine Weile. "Es staut sich wie in einem Topf an. Da gärt etwas", beschreibt Knobling den Arbeitsprozess, "Irgendwann platzt der Knoten und die Arbeit geht los." Mehr als die gesammelten Eindrücke waren da nicht mehr nötig. "Das Ganze kommt von innen, von einem selbst."
Inzwischen sind die Tonarbeiten gebrannt. Sie haben nun ihr Ockergelb abgelegt und sind endlich erdig rot. So werden sie im Spitäle gezeigt. Nach der Ausstellung werden die Tonskulpturen wiederverwendet. Als Gussformen für Eisen und Blei.






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