KITZINGEN

Handydiebstahl: Abstreiten bringt nichts

„Ich habe das Handy nicht genommen.“ Immer wieder hat eine 17-Jährige ihre Unschuld beteuert. Das Kitzinger Jugendgericht hat sie dennoch wegen Diebstahls verurteilt.
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justice Foto: liveostockimages (iStockphoto)

„Ich habe das Handy nicht genommen.“ Immer wieder hat eine 17-Jährige ihre Unschuld beteuert. Das Kitzinger Jugendgericht hat sie dennoch wegen Diebstahls verurteilt. Der kostet sie einen Freizeitarrest und 50 Stunden soziale Hilfsdienste.

Gericht überzeugt

Trotz aller Beteuerungen war das Gericht „absolut davon überzeugt“, dass die Schülerin ein 200 Euro teures Handy in ihrer Schule mitgehen ließ. Nach der Hauptverhandlung und vier Zeugen war für das Gericht klar, was sich abgespielt haben muss.

Weißes Handy

Es war im Juli 2016 in einem Schulgebäude. Auf einem Stehtisch vor den Toiletten war ein weißes Handy abgelegt worden. Die 17-Jährige kam vorbei, nahm das Gerät, fragte zwei in der Nähe sitzenden Schülerinnen, ob es denen gehöre. Als ein Nein kam, nahm sie das Handy mit, um es im Sekretariat abzugeben, wie sie sagte.

Dort aber ist es nie angekommen. Als die Besitzerin das Verschwinden gemeldet hatte, gab es eine Such-Durchsage. Die beiden Schülerinnen meldeten sich als Zeugen im Sekretariat. Anhand von etwa 20 Fotos erkannten sich die 17-Jährige, die das Gerät abgeben wollte.

Kontrolle im Klo

Wenig später fiel genau dieses Mädchen einer Lehrerin auf, als es in der Toilette verschwand. Die Lehrerin folgte ihr und wartete vor der Kabine, bis die 17-Jährige herauskam. Dann kontrollierte sie die Kabine und fand das Handy außen auf dem Fensterbrett.

Fall ist klar

Der Fall war für sie klar. Die Polizei wurde eingeschaltet. Ergebnis der Ermittlungen war das Verfahren in Kitzingen. Dort saß eine junge Frau, die schon einmal wegen eines Diebstahls verurteilt worden war. Vermutlich deshalb und aus Angst vor den Folgen, setzte sie auf Abstreiten bis zum bitteren Ende. Sie ließ sich auch durch eine Unterbrechung der Sitzung und noch so mahnenden Worte des Jugendrichters Wolfgang Hülle Gerichts nicht davon abbringen: „Ich war es nicht“ kam immer wieder, auch mal unter Tränen.

Alles reiner Zufall?

Ihre Version: Sie hat das Handy zwar genommen und nach dem Besitzer gefragt, dann aber wieder zurückgelegt. Wie es wegkam? „Ich weiß es nicht, es kann jeder gewesen sein“, sagte sie und schloss auch die beiden Zeuginnen als mögliche Täter mit ein. Dass das Gerät ausgerechnet in der von ihr genutzten Kabine gefunden wurde? „Reiner Zufall.“

Erdrückende Beweislast

Genutzt hat das alles nichts. An so viele Zufälle wollte das Gericht nicht glauben. „Erdrückende Beweislast“ nennt man das wohl, was da zusammen gekommen ist. Zudem war der Auftritt der beiden Schülerinnen und der Lehrerin als Zeugen „absolut glaubwürdig“. Sachlich, ohne jeden Belastungseifer stellen sie ihrer Version dar und ließen dem Gericht „überhaupt keinen Grund für Zweifel“. Für Zufall oder einen auch ins Spiel gebrachten Komplott gebe es keine Anzeichen, so das Gericht.

Folgen möglich

Dennoch, die junge Frau blieb dabei und bestand auch noch auf der Aussage einer Freundin, die ihre Version zumindest im Wesentlichen bestätigte. Damit stand aber auch die allein. Kann gut sein, dass das noch Folgen hat. Eine uneidliche Falschaussage steht zumindest im Raum.

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