Kitzingen
Ausbildung

Gut vorbereiten auf den Einstieg in den Beruf

Unsicheren Berufsanfängern kann geholfen werden. Die Unterstützung beginnt schon in der 7. Klasse. An der Mittelschule Kitzingen-Siedlung haben Pädagogen hierfür viele gute Ideen.
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Saskia Gauer und Hilde Andersson informieren heute Abend über das Thema Ausbildungsreife. Foto: Sabine Paulus
Saskia Gauer und Hilde Andersson informieren heute Abend über das Thema Ausbildungsreife. Foto: Sabine Paulus
Vier Schülerinnen der Mittelschule Kitzingen-Siedlung sitzen bei Saskia Gauer im Zimmer. Ein Mädchen will Krankenschwester werden, kennt aber nicht den Ausbildungsweg. Eine andere Schülerin meint, sie müsse unbedingt den M-Zweig schaffen, um an ihren Wunschberuf zu gelangen. Berufseinstiegsbegleiterin Saskia Gauer führt viele solcher Gespräche.

Bei dem Modellprojekt werden seit 2008 ausgewählte Schüler auf ihrem Weg ins Berufsleben unterstützt. "Die Jugendlichen sind froh, dass sie einen Ansprechpartner haben, auch wenn sie schon in Ausbildung sind", sagt Saskia Gauer, die seit März 2012 an dieser Schnittstelle zwischen Eltern, Schülern und Betrieben wirkt.
"Dieses Projekt ist für uns Lehrer eine große Entlastung", sagt Hilde Andersson. Die Beratungslehrerin arbeitet eng mit Gauer zusammen.
Dabei setzt Andersson schon einige Jahre früher mit ihren Hilfen für die Schüler an, nämlich ab der 7. Jahrgangsstufe.

Sie zeigt ihnen, wie man sich bewirbt, was der Lebenslauf enthalten muss, wie die Bewerbungsunterlagen zusammengestellt werden. Leider sei allgemein für diese Dinge im Unterricht wenig Zeit.
Am Donnerstagabend ab 19 Uhr wollen Gauer und Andersson bei einem Informationsabend in der Aula der Mittelschule Kitzingen-Siedlung interessierten Eltern und Schülern zeigen, wie Jugendliche unterstützt werden können, damit sie reif für eine Ausbildung werden.

Jugendliche haben oft Probleme mit Deutsch und Mathematik

Ausbildungsreife - dieses Schlagwort ist entstanden, seit immer mehr Betriebsinhaber und Ausbilder jammern, sie fänden keine geeigneten Lehrlinge. Tatsache ist, dass es in eher ländlich geprägten Regionen wie dem Landkreis Kitzingen insgesamt weniger Bewerber um einen Ausbildungsplatz gibt - wegen des demografischen Wandels und weil die Jugendlichen oftmals Probleme mit Deutsch und Mathematik haben.

Gerade deswegen sollten sich Unternehmen grundsätzlich erst mal jedem Jugendlichen öffnen und ihm eine Chance geben, rät Max-Martin Deinhard, Leiter des Geschäftsbereichs Berufsausbildung bei der IHK Würzburg-Schweinfurt. "Unsere Mitgliedsunternehmen sind sich des Problems bewusst. Sie wissen, dass sie der demografische Wandel zu diesem Entgegenkommen zwingt", sagt Deinhard.

"Grundsätzlich ist es nachvollziehbar, dass Betriebe immer einen guten Bewerber oder sogar den Besten haben möchten. Der Ausbildungsmarkt befindet sich aber im Wandel, und es gilt, sich darauf einzustellen", sagt Wolfgang Albert, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Würzburg.

Klagen über Defizite in der Ausbildungsreife könne man quer durch alle Branchen und Betriebsgrößen vernehmen. Die Auswirkungen auf die Betriebe sind aber sehr unterschiedlich. Großbetriebe hätten es leichter, Bewerber zu finden, als beispielsweise der klassische Handwerker. "Unabhängig davon werden aber alle Betriebe nicht umhinkommen, mehr Zeit und Anstrengungen in die Ausbildung des Nachwuchses zu investieren", sagt Albert.
Überhaupt nicht auszubilden sei keine Alternative. Es sei aber unerlässlich, dass jeder Schulentlassene über eine Mindesteignung verfügt, um überhaupt die Chance zu haben, den angestrebten Berufsabschluss auch zu meistern.
Den Arbeitsagenturen stehen verschiedene Instrumente zur Verfügung, um die Ausbildungsreife zu fördern. Eine Möglichkeit ist das Instrument Berufseinstiegsbegleitung, wie es an der Kitzinger Siedlungsschule praktiziert wird.

Noten sind nicht alles

Bei der Informationsveranstaltung heute Abend wollen Gauer und Andersson mit Schülern und Eltern ins Gespräch kommen. Andersson: "Unser Anliegen ist es, den Eltern bewusst zu machen, dass die Noten nicht alles sind." Sie seien wichtig, es komme aber auf weitere Faktoren an, zum Beispiel angemessene Umgangsformen und strukturiertes Vorgehen bei Aufgaben.

Im nächsten Halbjahr wollen sich Gauer und Andersson gezielt an Vereine wenden. Dort lernten die Schüler Respekt, etwa vor dem Trainer, sie könnten im Ehrenamt Verantwortung übernehmen, die Initiative ergreifen und Durchhaltevermögen beweisen, sind beide überzeugt. "Das alles formt den Charakter und ist gut fürs Berufsleben", sagt Beratungslehrerin Andersson.

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