Kitzingen

"Gut vorangekommen"

Sommerserie, Teil 2: Andrea Moser (CSU) sieht Kitzingen generell auf einem guten Weg.
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Fingerzeig: In seinem Garten mit Blick auf den Falterturm würde Andreas Moser gerne mehr Zeit verbringen. Die setzt er aber immer wieder für seine Stadtratstätigkeit ein.

Sie haben unterschiedliche politische Ansichten. Sie diskutieren und sie streiten miteinander. Sie finden Lösungen. Und sie haben einen klaren Blick auf die Gegenwart und Zukunft ihrer Stadt. Wir haben den neun Fraktionsvorsitzenden im Kitzinger Stadtrat die gleichen zehn Fragen gestellt – die Antworten fallen sehr unterschiedlich aus.

Sind Sie mit der Entwicklung Kitzingens in den letzten vier Jahren zufrieden?

Andreas Moser: Ja, die Stadt Kitzingen ist auf dem Weg von der ehemaligen Garnisonsstadt zu einem attraktiven Mittelzentrum insgesamt gut vorangekommen.

Was hat sich zum Positiven verändert?

Moser: Alle ehemaligen Konversionsgebiete (Innopark, Richthofen Circle, ConneKT und der erste Teilabschnitt der Marshall Heights mit den Texashäusern und einigen Wohnblocks) haben in den letzten vier Jahren Dank der Initiative privater Erwerber eine beachtliche Entwicklung vollzogen. Es sind viele neue Arbeitsplätze in Kitzingen entstanden und Familien konnten insbesondere mit den „Texashäusern“ eigenes Wohneigentum erwerben. Die Stadt Kitzingen wurde von privaten Investoren regelrecht entdeckt. Diese haben attraktive Wohnanlagen errichtet und investieren weiter. Kitzingen ist Dank der Initiative von privaten Investoren, die vom Bauamt gut begleitet wurden, regelrecht aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst und entwickelt worden. In den Bereichen „Schulen und Kindergärten“ war die Stadt Kitzingen selbst federführend und hat viel und nachhaltig in die Zukunft investiert. Das kulturelle Angebot, die Veranstaltungen, ob Weinfest, Stadtfest oder jene im ehemaligen Gartenschaugelände sowie der Brückenschoppen sind erstklassig und für die Größe der Stadt zahlreich und vielfältig. Der Einzelhandel stellt sich mit individuellem Angebot und gutem Service erfolgreich gegen den Wandel und lockt seine Kunden in die Stadt. Ein Höhepunkt war der Gewinn der Goldmedaille beim Wettbewerb „entente florale – zusammen aufblühen“ auf europäischer Ebene, bei dem sich die Stadt, Dank Herrn Lindner (ehemaliger Stadtgärtner) und der vielen Bürger auf Initiative der CSU beteiligt hat. Das ehemalige Gartenschaugelände war bisher die beste Stadtentwicklungsmaßnahme in Kitzingen (ebenfalls eine Initiative der CSU Fraktion) und hat die neuere Entwicklung maßgeblich gefördert.

Und was hat sich zum Negativen hin entwickelt?

Moser: Mit drei Teilbereichen, die zähe städtische Wohn- und Bodenpolitik, die verbesserungsfähige Attraktivität des öffentlichen Raumes in der Altstadt und die schlechten Parkplatzzustände nicht nur am Bahnhof, bin ich unzufrieden und auch enttäuscht. Im Gegensatz zu den privaten Investoren kommt die Sanierung der städtischen Wohnungen (Galgenwasen u.a.) und der Neubau von sozialen Wohnungen (Stichwort Breslauer Straße) kaum und viel zu langsam voran. Den Handlungsbedarf im öffentlichen Raum (Königsplatz, marode Bürgersteige in der Kaiserstraße, fehlende Barrierefreiheit, keine einladenden Eingänge zur Altstadt…), den die Stadt kürzlich bei der Bürgerversammlung in der Alten Synagoge präsentiert hat, mahnt die CSU-Fraktion seit mehr als sechs Jahren an. Entsprechende Anträge wurden von uns eingebracht und mehrheitlich beschlossen. Wie der Bau des Pendlerparkplatzes am Bahnhof werden diese einfach nicht umgesetzt. Für städtische Investitionsmaßnahmen hat der Stadtrat 2017 zirka 21 Millionen Euro Mittel bereitgestellt. Hiervon wurden mit 7 Millionen Euro nur ein Drittel abgerufen und umgesetzt. Im Gegensatz zu den Gemeinden und Städten im Landkreis hat die Stadt Kitzingen mangels der Ausweisung eines Baugebietes keine Baugrundstücke für seine Bürger. Alteingesessene Kitzinger ziehen deswegen weg. Das ist sehr bitter.

Welche Veränderungen würden Sie gerne in den kommenden zwei Jahren noch anstoßen?

Moser: Ich würde umgehend ein konkretes Maßnahmenpaket für die Steigerung der Attraktivität der Innenstadt (Bürgersteige, Plätze, Parkplatzsituation) erarbeiten und beschließen lassen. Dann würde ich mich dafür einsetzen, ein neues, attraktives Baugebiet zu erschließen. Aus meiner Sicht wäre der zweite Entwicklungsabschnitt in den Marshall Heights hierfür am besten geeignet, die Stadt gut und attraktiv in Richtung Würzburg weiterzuentwickeln. Schweinfurt und Würzburg setzen dies im Gegensatz zu Kitzingen planerisch so um. Dort entstehen neue Stadtteile mit Mehrfamilien-, Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern.

Welches Projekt war das wichtigste in der bisherigen Legislaturperiode?

Moser: Neben dem europäischen Goldmedaillengewinn, bei dem die Kitzinger im wahrsten Sinne aufgeblüht sind und das Sommermärchen Gartenschau weitergeführt haben, ist das Stadtteilzentrum ein Meilenstein für die städtische Entwicklung im größten Stadtteil Siedlung. Bei dem Projekt „Soziale Stadt“ handelt es sich ähnlich wie bei den Gartenschauen um städtebauliche Förderprojekte. Ohne den Zuschuss der Regierung von Unterfranken und die Beteiligung der „Siedler“ wäre das Projekt nicht umsetzbar gewesen. Im Stadtrat waren einige Räte und Fraktionen gegen das Stadtteilzentrum, das heute so gut angenommen wird. Die Stimmen der CSU haben für die erforderliche, wenn auch denkbar knappe Mehrheit gesorgt.

Welches Thema ist bislang noch nicht ausreichend gewürdigt worden?

Moser: Ich vermisse ein durchgängiges Radwegenetz. Die Mobilität wird mit E-Bike und E-Auto in 20 Jahren anders aussehen als heute. Hierauf ist die Stadt Kitzingen nicht vorbereitet beziehungsweise ergreift nicht die Initiative, voranzugehen.

Wie beurteilen Sie das Miteinander im Stadtrat?

Moser: Das Miteinander und die Diskussionskultur haben sich versachlicht und sich somit deutlich verbessert und deswegen angenehm entwickelt.

Wie sehen Sie die Zukunft des Städtischen Museums?

Moser: Positiv und nicht so tragisch, wie andere, denn das städtische Museum stellt den Schwerpunkt, den es anbieten soll, sprich die städtische Geschichte im Erdgeschoss sehr gut dar. Im „1. OG“ besteht meines Erachtens Raum für Entflechtung und neue Entwicklungen, wie zum Beispiel die Möglichkeit, ein Weinmuseum einzurichten, das in Bayern neu entstehen soll.

Welche Schulnote geben Sie OB Siegfried Müller und warum gerade diese?

Moser: Ich habe ausgeführt, dass ich mit der Umsetzung von bestimmtem städtischen Maßnahmen und unseren Anträgen nicht so zufrieden bin. Ebenso fehlen mir eigene Initiativen unseres OB's und Strategien für künftige Entwicklungen. Dafür ist der OB als „unser Siggi“ im städtischen Leben stark verwurzelt, eingebunden und bürgernah. Er hat zwar vieles nicht selber angestoßen, aber die genannten zahlreichen Projekte mit seiner Verwaltung positiv begleitet. Wichtig und entscheidend ist, wie die Mitarbeiter in der Verwaltung ihren Chef als Führungskraft beurteilen. Eine Schulnote werde ich nicht abgeben. Dies gebieten Feedbackregeln und meine Überzeugung in Bezug auf christliche und soziale Grundwerte im öffentlichen Umgang miteinander.

Welches ist Ihr Lieblingsort in Kitzingen?

Moser: Zuhause, unsere Terrasse, unser Garten mit den Vögeln und mit Blick auf den Falterturm, wo ich gerne öfter sitzen würde.



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