Kitzingen

Erfolgsprojekt für Klein und Groß

Der Wald- und Wiesenkindergarten in Kitzingen existiert seit mittlerweile 16 Jahren.
Artikel drucken Artikel einbetten
Geräumig und schön: Die Unterkunft des Kitzinger Waldkindergartens.
+3 Bilder

Allen soll es gut gehen. Klingt logisch. Ist aber gar nicht so einfach umzusetzen. Zumal, wenn es sich um eine größere Gruppe von ganz unterschiedlichen Menschen handelt. Um Kinder und Erwachsene. Rita Floßbach und ihre Kolleginnen Brigitte Dienesch, Katrin Lauck und Brigitte Brick setzen sich dennoch dieses Ziel Tag für Tag. Seit mittlerweile 16 Jahren.

Die Anfänge waren schwer. Die ausgebildete Erzieherin mit einer Zusatzausbildung in Waldpädagogik kann sich noch gut erinnern, wie sie die Menschen von ihrem Projekt überzeugen musste: einem Wald- und Wiesenkindergarten in Kitzingen. Lokalpolitiker schüttelten den Kopf, Kolleginnen aus regulären Kindergärten erst recht. Was heute schon beinahe eine Selbstverständlichkeit ist, war im Jahr 2002 für viele unvorstellbar. Rita Floßbach setzte sich durch und musste auch finanziell harte Zeiten überstehen. „In den ersten fünf Jahren gab es weder von der Stadt noch vom Land eine Förderung.“

Mit einem einfachen, blau gestrichenen Bauwagen fing alles an. Kein Strom, keine Heizung. „Das war schon hart“, erinnert sich die 56-Jährige. Im Winter ist der Kleister gefroren, fürs Ausschneiden von Figuren mit einer Schere war es zu kalt. Also ging es bei Wind und Wetter raus. Bei Temperaturen im zweistelligen Minusbereich genau so wie bei Regen. An den Grundprinzipien hat sich nicht viel verändert. Der blaue Bauwagen ist allerdings längst Geschichte. Zwei zusammenhängende Container stehen unter einer liebevoll errichteten, hölzernen Außenfassade. Vier Heizkörper sorgen auch im Winter für ausreichend Wärme im Raum. Die Materialien lagern trocken und sicher, eine kleine Küche gibt es auch. „Das ist schon fast Luxus“, sagt Rita Floßbach und strahlt. Ihr Dank gilt den Mitarbeitern des städtischen Bauhofs und den Stadtgärtnern, die das Gelände – der ehemalige Park oberhalb der Westtangente ist im Besitz der Stadt – pflegen und sauber halten und bei Bedarf auch mal etwas reparieren.

Täglich sind zwei Erzieherinnen bei den Kindern. Die meiste Zeit verbringen sie mit ihren aktuell 17 Schützlingen, die sieben verschiedenen Nationalitäten angehören, in der freien Natur.

Eine Streuobstwiese liegt gleich neben der Hütte, daran schließt sich der Wald an. 30 000 Quadratmeter Platz haben die Kinder, um die Welt zu entdecken. Um 7.30 Uhr werden die Ersten gebracht, um 9 Uhr die Letzten. Dann versammeln sich alle zum Morgenkreis am Baum. Wer den Stock in der Hand hält, darf reden. Die anderen hören zu. Dann ziehen Kinder und Erzieherinnen los. Im Bollerwagen steht ein Zehn-Liter-Wasserkanister, in ihren kleinen Rucksäcken haben die Kinder ihre Verpflegung dabei.

Oberhalb der Wiese, unter zwei Bäumen und an einer lang gezogenen Hecke, haben sie sich eine gemütliche Brotzeit-Ecke eingerichtet: zwei Holztische, kleine Baumstümpfe als Hocker. Um 12.45 Uhr ist der Kindergartentag vorbei. Längere Öffnungszeiten sind nicht drin. „Dafür bräuchten wir einen Ruheraum im Warmen“, sagt Rita Floßbach. Einen Ort, an dem die Kleinen auch mal in Ruhe schlafen können. Trotz der eingeschränkten Öffnungszeiten ist das Interesse an der Einrichtung groß. Aus Stadt und Landkreis Kitzingen kommen die Eltern, um ihre Kinder zu bringen. Scheinfeld und Nenzenheim waren die bislang weitesten Anreisen.

Seit Jahren gibt es eine Warteliste, die Vorzüge eines Waldkindergartens haben sich längst herumgesprochen. Die Naturverbundenheit ist für Rita Floßbach das wichtigste Argument, das tägliche Erleben eines weiten Raumes. „Ein Kind liegt auf der Wiese und meditiert, während die anderen spielen“, nennt Floßbach ein Beispiel. Im Waldkindergarten gibt es keine räumlichen Grenzen. Regeln gibt es schon. „Wir sind kein wilder Haufen“, versichert die Erzieherin und lacht.

Aber laute Jungs – und Mädchen – können auch mal schreien, ohne dass sie gleich negativ auffallen oder zur Ruhe gerufen zu werden. In regulären Kindergärten ist das kaum möglich. „Nach dem Toben können sie auch wieder zuhören und sich konzentrieren“, erklärt die Erzieherin. Der Morgenkreis und die Abschlussrunde finden beispielsweise in gemeinsamer Konzentration und Stille statt. Wie in den Regelkindergärten gibt es auch im Wald- und Wiesenkindergarten eine Vorschule. „Und die Bayerischen Erziehungs- und Bildungsziele werden natürlich auch bei uns umgesetzt“, versichert die Leiterin.

Rita Floßbach ist begeistert von ihrer Arbeit. Weil sie von den Vorteilen eines Waldkindergartens überzeugt ist. Hier schulen die Kleinen ihre Motorik, klettern auf Bäume, rutschen im Matsch die Wiese herunter und laufen über Wurzeln und Steine. Von den Grundschulen erhält Floßbach die Rückmeldung, dass sich „ihre“ Kinder in der Regel gut einleben, dass sie in Sachen Konzentration und Sozialverhalten einen Schritt weiter sind als Gleichaltrige.

Die Zeit vergeht in Windeseile. Auf Menschen, die mit kleinen Kindern zusammen arbeiten, trifft dieser Spruch erst Recht zu. 16 Jahre gibt es den Wald- und Wiesenkindergarten „Pusteblume“ nun schon in Kitzingen. Mittlerweile kehren die Kinder der ersten Stunde schon wieder zurück – als Praktikanten für einen Tag beim Boys Day.

Rita Floßbach schaut zuversichtlich in die Zukunft. Sie ist sicher, dass es die Einrichtung auch in 16 Jahren noch geben wird. So lange es den Kindern, ihren Eltern und den Erzieherinnen gut geht, allemal.

Kontakt: Der Wald- und Wiesenkindergarten ist Montag bis Donnerstag, ab 14 Uhr, unter Tel. 09321/36545 zu erreichen.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren