SOMMERACH

Gundermann: Er wächst nicht nur zur Sommerzeit

Auch bei eisigen Temperaturen wächst der Gundermann, eine krautige Wildpflanze, deren heilende Wirkung nicht zu unterschätzen ist.
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Das ganze Jahr hindurch wächst der Gundermann. Foto: Foto: M. Sauer

Wer denkt, dass es im Winter keine Wildkräuter gibt, irrt sich gewaltig. Auch jetzt kann man unter der leichten Schneedecke bei eisigen Temperaturen manches Kräutlein entdecken, von der Vogelmiere bis zu den Gänseblümchen, welche schon den ersten Blütenansatz zeigen. Das ganze Jahr hindurch wächst auch der Gundermann.

Er gilt als wintergrüne, ausdauernde, krautige Wildpflanze, erscheint meist in größeren Gruppen, wurzelt sehr schnell und bildet schon nach kurzer Zeit viele kleine Ausläufer.

Wildpflanze lockt Bienen und Hummeln an

Faszinierend sind die duftenden violett-blauen Blüten, die sich etwa ab April zeigen und bis in den Herbst hinein farbenprächtig blühen. Dabei lockt die Wildpflanze als sogenannter Lippenblütler zahlreiche Bienen und Hummeln an. Früher hat man Kränze aus Blätter und Blüten geflochten, diese unter das Dach gehängt und daran geglaubt, dass damit Haus und Hof vor Gewitter und Feuer geschützt wären.

Als Heilpflanze ist der Gundermann oder die Gundelrebe, wie sie volkstümlich auch genannt wird, nicht zu unterschätzen. Bereits im Mittelalter war er bekannt und beliebt. Eines der Haupteinsatzgebiete waren die Versorgung von Wunden, Geschwüren und Auswürfen. Vermutlich hat er daher seinen Namen: Gund bedeutete im Germanischen so viel wie Eiter.

Hoher Vitamin C-Gehalt

Inzwischen weiß man, dass die Pflanze neben dem ätherischen Öl Saponine und viel Vitamin C aufweist und einen hohen Gehalt an Gerbstoffen hat. Diese haben die Fähigkeit, wundes und eiterndes Gewebe zu regenerieren. Deshalb verwendet man den Gundermann auch heute noch als Salbe oder Öl bei Narbenpflege, Brandverletzungen, Ekzemen, Akne und anderen Entzündungen.

Schmerzlindernd und anregend wirkt die Wildpflanze innerlich als Tinktur positiv auf Blase, Nieren und Galle und auf den gesamten Stoffwechsel. Aus den leicht gekerbten nieren- oder herzförmigen Blättern kann auch ein wertvoller Tee bereitet werden. Es wird diesem besonderen Wildkraut nachgesagt, dass es Schwermetalle und andere Schadstoffe im Organismus binden und ausleiten kann.

Muskeln und Gelenke kräftigen

Naturheilpraktiker empfehlen die Einnahme von Presssaft etwa bei Amalgamvergiftung. Nachgewiesen ist jedenfalls eine Wirkung bei zähem Husten, Lungenerkrankungen und Bronchialasthma. Auch als Badezusatz zur Kräftigung von Muskeln und Gelenken und als Mittel gegen Rheuma, Gichtschmerzen oder bei Ischias findet diese Heilpflanze Anklang.

Bis zum 17. Jahrhundert war das herbe Gundermann-Kraut der Vorläufer vom Hopfen und war damit aufgrund seiner Bitterstoffe ein wichtiger Bestandteil beim Bierbrauen. In der Wildkräuterküche hat der Gundermann seinen festen Platz. Er gilt als Haupt-Geschmacksträger in der sogenannten Neun-Kräuter-Suppe wegen seines pikanten Aromas.

Frikadellen mit Wildkräutern

Mein Rezeptvorschlag:

Wildkräuterfrikadellen

(durch die Wildkräuter spart man sich das Salz, weil diese schon pikant sind)

Zutaten: 1 Zwiebel gehackt 3 Karotten klein gewürfelt 1 Knoblauchzehe 1 Handvoll Gundermann 1 Handvoll andere Kräuter (Brennnessel, Petersilie usw.) 500 Gramm Rinderhack (oder gemischt) 2 EL Paniermehl 1 Ei 2 EL Naturjoghurt

Die Zwiebel anbraten, Karotten, Knoblauch dazugeben. Kräuter unterheben. Hackfleisch mit Ei, Paniermehl und Joghurt vermengen. Die Gemüse-Kräuter-Mischung dazu geben und Frikadellen

formen. Kross anbraten und auf niedriger Stufe zu Ende garen.

Guten Appetit!

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