Mit Gold im Gepäck reisen die Vertreter aus Kitzingen und Sommerach von der Preisverleihung der Entente Florale in Százhalombatta bei Budapest zurück. Die beiden unterfränkischen Orte haben überraschend in Ungarn die höchste Auszeichnung des Wettbewerbs gewonnen, der für die Verbesserung der Lebensqualität in Städten und Dörfern steht.

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Dass man mit einer Goldmedaille nach Hause fahren könnte, damit hatte niemand gerechnet. Die Delegationen aus Kitzingen und Sommerach waren vor der Preisverleihung, die in Százhalombatta vor den Toren Budapests stattfand, ziemlich nervös. 19 Städte und Dörfer hat die Jury der Entente Florale ausgezeichnet, die beiden unterfränkischen Orte waren erst gegen Ende der Veranstaltung an der Reihe: Das Ergebnis von Sommerach wurde an sechzehnter Stelle verkündet, Kitzingen war als Letztes dran. Eine Goldmedaille nach der anderen hatte Jurypräsident Rudi Geerardyn bis dahin bereits vergeben – und Sommerach und Kitzingen sahen ihre Chancen immer weiter schwinden. Als dann endlich Sommerachs Bürgermeister Elmar Henke und die Sommeracher Weinprinzessin Lena Kram auf die Bühne gerufen wurden und der Jurypräsident ihnen die Goldmedaille überreichte, bejubelte die 41-köpfige Delegation aus Sommerach ihren Sieg ausgiebig.

Eindruck aus Ungarn von Reporterin Lena Berger:

Beitrag von Lena Berger.

Kurz darauf war auch bei den Repräsentanten aus Kitzingen die Freude groß: Oberbürgermeister Siegfried Müller und Tourismus-Chef Walter Vierrether nahmen ebenfalls eine Goldmedaille in Empfang. „Wir haben gehofft, über die Bronzemedaille hinauszukommen und Silber zu gewinnen. Dass es die Goldmedaille geworden ist, ist unbeschreiblich. Wir sind überglücklich“, sagte Kitzingens Oberbürgermeister. Alle Teilnehmer hätten zum Sieg beigetragen. „Jedem gehört ein Stück von der Medaille.“

Vor der Preisverleihung waren die Erwachsenen genauso nervös wie die Schüler des Kitzinger Armin-Knab-Gymnasiums, die mit einer Delegation von 25 Schülern angereist waren und einen Teil des Auftritts für die Entente Florale gestalteten. „Mir passiert es selten, dass ich nervös bin. Aber als alle anderen Städte aufgerufen wurden und wir immer noch nicht dran waren, ist mein Bauchkribbeln immer schlimmer geworden“, so Walter Vierrether. Der Tourismusreferent hat schon ein paar Ideen, wie er die Goldmedaille der Entente Florale für die Stadt Kitzingen nutzen kann.

Johannes Lindner, Leiter der Stadtgärtnerei war vor der Preisverleihung ebenso angespannt wie die anderen der Kitzinger Delegation. Mit Gold habe er nicht gerechnet, sagt er, aber mit Silber plus einem Sonderpreis für die Ideen der Gymnasiasten. Dass die Medaille nun eine goldene ist, bestätige das Engagement der Gärtner, die viel in ihrer Freizeit gearbeitet und geplant haben.

Auch Sommerachs Bürgermeister Elmar Henke freute sich sehr über die Goldmedaille für die Gemeinde an der Mainschleife: „Ich hätte nie gedacht, dass wir Gold gewinnen.“ Die Sommeracher wären auch zufrieden gewesen, wenn sie eine Bronzemedaille gewonnen hätten. „Nur mit der Urkunde ,Lob und Anerkennung' wären wir enttäuscht gewesen“, sagte er.

Bei den vergangenen Wettbewerben habe man bereits Erfahrungen sammeln können. „Das bürgerliche Engagement hat sich zunehmend verstärkt“, so Elmar Henke. Die Außenwirkung sei trotzdem nicht das Ziel gewesen. Die Bürger hätten vielmehr von sich aus Interesse daran, ihren Ort weiter nach vorne zu bringen.

Kitzingen wurde für seine schönen Plätze, das Engagement seiner Bürger, seine Blumenpracht und das Engagement der Schüler des Armin-Knab-Gymnasiums ausgezeichnet, hieß es in der Begründung der Jury. Positiv wurde auch die nachhaltige Nutzung des ehemaligen Gartenschaugeländes bewertet, sagt Hildegunde Henrich, Jurymitglied der Entente Florale. „Die Fläche wird nach wie vor gepflegt und wurde nicht nach der Gartenschau sich selbst überlassen.“

In Sommerach wird gegenseitige Hilfe großgeschrieben, was bei der Entente-Florale-Jury großen Eindruck hinterlassen hat. „Man merkt, dass die Dorfgemeinschaft gut funktioniert“, sagt Hildegunde Henrich. Die Vinothek im Rathaus fand die Jury besonders gelungen. „Und das Beste ist, dass die Ideen von den Bürgern vor Ort kommen“, so das Jurymitglied. Traditionen werden beibehalten und fortgeführt, wie die Gärten am Rand des Dorfes. Altes Wissen werde bewahrt und weiterentwickelt. Das ist auch Rüdiger Kirsten, Vorsitzender der Deutschland-Jury der Entente Florale, wichtig: Man versuche, die Qualität der Städte und Dörfer voranzutreiben. „Deshalb kommt es auch nicht von ungefähr, dass Sommerach und Kitzingen gewonnen haben.“ In diesem Prozess sei man über mehrere Jahre gefordert und die Bürger müssen viel aufwenden, um sich zu präsentieren. Im Wettbewerb gehe es heute mehr um Nachhaltigkeit als um Blumenarrangements. Beide Orte würden schon seit Jahren umweltbewusstes Handeln zeigen, was auch in den nächsten 20 Jahren so bleiben wird, ist sich Kirsten sicher.

„Wir haben den Landkreis gut vertreten“, resümieren beide Bürgermeister. Keine Region könne von sich sagen, dass eine Stadt und ein Dorf, die so nah beieinander liegen, so hoch mit zwei Goldmedaillen der Entente Florale dekoriert seien. Der Landkreis könne damit gut werben, so die Bürgermeister. Henke und Müller betonen, dass sie keine Konkurrenz zueinander seien, sondern dass die Stadt und das Dorf auf Deutschlandebene in zwei verschiedenen Wettbewerben angetreten sind.

Wo die Plaketten, die den Sieg bei der Entente Florale bekunden, aufgehängt werden, wissen beide Bürgermeister ganz genau: im Eingangsbereich der Rathäuser. Dort werden sie von vielen Bürgern gesehen, denn ohne das bürgerliche Engagement in beiden Orten wäre kein Sieg möglich gewesen.