Kitzingen
Aktion

Girl´s Day in Kitzingen: Frauen sind am Hebel

Leah Fischer war nur eines von vielen Mädchen, die beim "Girl's Day" zur Bohrmaschine griffen. Im Berufsalltag sind Frauen aber immer noch selten anzutreffen.
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Leah Fischer am Hebel Fotos: Sabine Herteux
Leah Fischer am Hebel Fotos: Sabine Herteux
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Vorsichtig drückt Leah den Hebel nach unten, lässt den Schraubstock nicht eine Sekunde aus den Augen, ist voll bei der Sache. Langsam setzt sich der Bohrer in Bewegung, landet punktgenau auf dem Stück Edelstahl, aus dem gleich ein kleines Mühlenspiel werden soll. So etwas hat die 13-Jährige aus Buchbrunn noch nie gemacht. Berührungsängste vor der großen Bohrmaschine hat sie dennoch nicht. "Ich weiß noch nicht, was ich mal machen möchte. Ich könnte mir aber schon vorstellen, in einem technischen Beruf zu arbeiten", sagt sie.

Am gestrigen "Girl's Day" sollten Mädchen und junge Frauen genau das herausfinden. Der jährliche Aktionstag soll sie dazu motivieren, sich für einen technischen Beruf zu entscheiden. Damit soll der Frauenanteil in typischen Männerberufen erhöht werden. Auch GEA Brewery Systems in Kitzingen, wo Leah den "Girl's Day" verbrachte, hat damit zu kämpfen. "Ich hoffe auf mehr weibliche Bewerber", sagt Ausbildungsleiter Thomas Bergner. Sie seien - abgesehen vom kaufmännischen Bereich - immer noch eher Mangelware. "Die Schülerinnen sollten auf jeden Fall mitnehmen, dass auch Frauen in technischen Berufen Zukunft haben. Das ist keine reine Männerdomäne", betont auch Marketing-Managerin Anja Oltmanns.



Seit 2006 lädt GEA Brewery Systems zum "Girl's Day" ein, um Mädchen die Gelegenheit zu geben, die Arbeit direkt vor Ort kennen zu lernen. Zehn Mädchen machten diesmal mit. Nach einem gemeinsamen Betriebsrundgang zeigte ihnen der technische Produktdesigner Adrian Marquardt am Computer, wie ein Bauteil in der Theorie aussehen sollte, bevor die Schülerinnen in der Lehrwerkstatt selbst an Maschinen und Werkzeug Hand anlegen durften. "So bekommen die Mädchen zwischen der Zeichnung und der Fertigung des Modells einen guten Überblick", erklärt Bergner.

Frauen arbeiten sorgfältiger
Auch bei Fritsch GmbH in Markt Einersheim wurden die jungen Frauen gestern umworben - inzwischen zum dritten Mal. 14 Teilnehmerinnen waren dabei und bekamen einen Einblick in die Bereiche Konstruktion, Elektronik und Werkzeugbau. Mitten unter ihnen war auch Nadine La Rosa. Die 14-Jährige aus Volkach macht nächstes Jahr ihren Realschulabschluss. Ob sie sich einen technischen Beruf vorstellen kann, weiß sie aber noch nicht. "Ich will mir das einfach mal anschauen", erklärt sie. Das eigenes Anfertigen eines Briefbeschwerers und eines "heißen Drahts" machte ihr aber schon mal viel Spaß.

Bohren, schrauben, löten, feilen, schleifen - so gut wie kein Handgriff ließen die Mädchen aus. "Sie schlagen sich alle super. Sie könnten alle sofort hier anfangen", sagt Ausbilder Florian Albig. Und das nicht ohne Grund, er hat nämlich längst einen entscheidenden Unterschied zwischen der Arbeitsweise von Frauen und Männern festgestellt: "Frauen sind schon ein bisschen akribischer, genauer und sorgfältiger - arbeiten oft einfach mit mehr Bedacht."

Technisches Knowhow gefragt
Frauen sind auch bei Fritsch GmbH - in den technischen Berufen - noch eher selten anzutreffen. Linda Mödig, Vertreterin des Ausbildungsmeisters, ist da eine Ausnahme: "Ich bin seit zehn Jahren die einzige Energieelektronikerin. Dabei können Frauen den Beruf genauso gut wie Männer", sagt sie überzeugt. Von ihren männlichen Kollegen wird sie ganz normal behandelt, das Geschlecht spielt keine Rolle.

Dennoch begegnet sie immer wieder Menschen, die das anders sehen. "Schon mein Ausbilder in der Berufsschule hat mich spüren lassen, dass Frauen in diesem Beruf nichts zu suchen haben", erzählt sie. Jungen Frauen, die mit dem Gedanken spielen, einen Beruf im technischen Bereich zu ergreifen, möchte sie Mut machen. "Man sollte aber auf jeden Fall ein technisches Verständnis haben - und eine Begeisterung für Technik", rät Mödig.

Leah hat ihr Mühlenspiel inzwischen fertig.Sogar der eigene Name ist jetzt darauf graviert. Die Schülerin hat noch ein bisschen Zeit, bis sie sich entscheiden muss, welchen beruflichen Weg sie einmal einschlagen wird. Sie besucht die 8. Klasse des Armin-Knab-Gymnasiums in Kitzingen. Viel mitgenommen hat sie an diesem Tag dennoch. Nicht nur das Mühlenspiel.

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