Kitzingen

„Gewalt ist nie die Antwort“

Was Menschen von einem Pferde-Experten lernen können.
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„Es ist mein Ziel, die Welt als einen besseren Ort zu hinterlassen als ich sie vorgefunden habe. Für Menschen und auch für Pferde.“ Monty Roberts ist am 31. Oktober in Schlüsselfeld zu erleben.
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Monty Roberts hat schon die Pferde von Queen Elizabeth II. trainiert und für sein Wirken einen Ehrendoktor der Universität Zürich erhalten. Seine Methode, gewaltfrei und möglichst ohne Zwang mit den Tieren zu arbeiten, findet weltweit Anhänger. Im Oktober kommt der „Pferdeflüsterer“ nach Schlüsselfeld. Im Interview erklärt er, was die Zuschauer erwartet und was ihn bewegt.

Sie sind weltweit auf Vorträgen und Vorführungen. Wie suchen Sie die Pferde aus, die in der Show auftreten werden?

Monty Roberts: Ich versuche, mit jedem Pferd verschiedene Dinge zu demonstrieren. Im Normalfall sind es vier oder fünf Pferde. Das erste sollte noch nie geritten worden sein. Das zweite hat Probleme, wenn der Reiter am Boden ist. Also beim Scheren oder Putzen oder mit dem Tierarzt. Das dritte Pferd sollte Probleme haben, wenn der Reiter im Sattel sitzt. Und das letzte Pferd der Vorführung ist immer eines, das sich weigert, den Anhänger zu betreten.

Sind Pferde, die den Hänger nicht betreten, so ein großes Problem?

Roberts: Ja, generell ist es der beliebteste Teil der Show, weil es das schwerwiegendste Problem für die Besitzer ist. Und es betrifft alle Pferdebesitzer. Wenn ich mit den untrainierten Pferden anfange, dann demonstriere ich das für einen kleinen Prozentsatz der Zuschauer. Aber wenn ein Pferd den Hänger nicht betritt, betrifft das, was ich da erkläre, letztendlich alle Pferdehalter. Selbst Kinder oder Frauen, die im Wald ausreiten möchten oder auf einen Wettkampf fahren wollen. Es geht dabei immer um das so genannte Join-Up.

Und was versteht man darunter?

Roberts: Einfach gesagt ist Join-Up der Moment, in dem das Pferd sich dafür entscheidet, beim Menschen zu sein. Und nicht fern von ihm. Normalerweise wollen Pferde nicht in der Nähe von Menschen sein, weil sie ursprünglich wild sind. Durch die richtige Kommunikation lässt sich jedoch das nötige Vertrauen gewinnen.

Wie sieht die richtige Kommunikation mit Pferden aus?

Roberts: Die Unterhaltung muss mit Gesten erfolgen, nicht mit Geräuschen. Man benutzt keine Worte, man macht Gesten, beispielsweise Bewegungen mit dem Körper. Es ist vergleichbar mit der Zeichensprache, die man benutzt, wenn man mit tauben Menschen spricht.

Und dann geht ein Pferd bereitwillig in einen Hänger?

Roberts: Ich arbeite im Schnitt acht Minuten mit diesen Pferden. Dann gehe ich mit ihnen zum Hänger und sie betreten ihn innerhalb von Sekunden. Selbst wenn sie sich vorher Jahre lang geweigert haben.

Sie sehen die Pferde, mit denen Sie in der Show arbeiten, erst einige Minuten bevor die Vorstellung beginnt. Ist es nicht schwierig, sich immer wieder auf jedes Pferd neu einzustellen?

Roberts: Es ist immer schwierig, ja. Aber ich bin 83 Jahre alt und habe jede Menge Erfahrung. Ich bin im Pferdegeschäft, seit ich drei Jahre jung war. Ich habe Pferde in Wettkämpfen vorgeführt, da war ich vier. Eines der besten Pferde, mit denen ich je gearbeitet habe, war Lomitas. Den habe ich in Bremen getroffen. Er hat große Probleme gehabt, hat Menschen verletzt, es war schrecklich. Er hat der Familie Jacobs gehört. Walther Jacobs ließ mich kommen. Nachdem ich mit dem Pferd gearbeitet habe, wurde es mehrmals Champion.

80 Prozent der Menschen, die in Deutschland reiten, sind Frauen. Ist das ein deutsches Phänomen?

Roberts: Es ist nicht nur in Deutschland so, sondern weltweit. Frauen sind emotional näher an den Pferden als Männer, sehr viel näher. Männer wollen Probleme mit starken Muskeln lösen. Und Frauen wollen das nicht, sie suchen andere Lösungswege, die ohne Gewalt auskommen. Männer tendieren zu Gewalt, sie kaufen sich eine Peitsche und sagen dem Pferd: „Du musst das jetzt machen“. Aber Pferde wollen nicht gezwungen werden. Sie sind von ihrem Gefühlsleben mehr wie Frauen oder Kinder.

Und deshalb verstehen Frauen Pferde auch tendenziell besser als Männer?

Roberts: Exakt. Sie gehen empathischer mit den Pferden um. Und ich liebe das. Ich habe im Laufe meines Lebens auch dazugelernt. Ich war als junger Mann Weltmeister im Rodeo und Westernreiten. Dabei kommt es viel auf die Muskelkraft an. Aber mein Verständnis über das Verhalten von Pferden kommt hauptsächlich aus der Psychologie. Ich lernte, wie das Gehirn funktioniert und warum wir Dinge tun, die wir tun.

Was würden sie einem kleinen Jungen sagen, um ihn zum Reiten zu motivieren?

Roberts: Ich würde ihm klar machen, dass er das Verhalten der Tiere studieren und verstehen muss. Das zu lernen, macht wahnsinnig viel Spaß. Außerdem ist man sehr erfolgreich bei Mädchen, wenn man mehr über Pferde lernt (lacht).

Was können Menschen, die kein Pferd besitzen, von Ihnen lernen?

Roberts: Leute die kein Pferd besitzen sind mir sogar wichtiger als die, die es tun. Queen Elizabeth II. hat mich zum Ritter geschlagen. Nicht für meine Arbeit mit Pferden, sondern für meine Arbeit mit Menschen. Ich bin Mitglied des Victoria-Ordens, hauptsächlich für meine Arbeit mit Veteranen oder mit gefährdeten Jugendlichen und Kindern aus schwierigen Familien. Gerade eben habe ich einen solchen Kurs für Kinder auf meiner Farm in Kalifornien gehalten.

Sie sind 83 Jahre alt. Was motiviert sie, immer wieder um die Welt zu touren?

Roberts: Die Menschen. Es ist mein Ziel, die Welt als einen besseren Ort zu hinterlassen als ich sie vorgefunden habe. Für Menschen und auch für Pferde. Ich kann Menschen verändern, die wiederum das Leben von Millionen von Pferden ändern. Das erfüllt mich. Aber zuerst müssen sich die Menschen ändern. Und nicht gewalttätig gegeneinander sein. Es sind unsere Egos, die im Weg stehen. Manche sagen: „Ich schlage meine Kinder, aber das richtet nicht zu viel Schaden an“ Oder: „Ich schlage meine Frau, aber das war gut so, ich vertraue ihr nicht.“ Diesen Leuten muss man helfen, einander zu verstehen. Damit die Welt ein bisschen besser wird.

Glauben Sie, Sie hatten dabei schon Erfolg?

Roberts: Ich glaube, ich hatte hervorragende Erfolge. Aber es ist noch viel zu tun. Ich habe sicher noch nicht genug getan und ich will mehr tun. Die Queen ist 92, ich bin 83. Sie beeinflusst immer noch die Welt. Also vielleicht habe ich ja noch zehn Jahre mehr. Ich kann noch herumlaufen, ich kann noch mit schwierigen Pferden arbeiten, also werde ich es weiter versuchen. Ich will meine Überzeugung weiter kommunizieren: Gewalt ist nie die Antwort. Sie dient immer dem Täter, nicht dem Opfer.

Termin: Monty Roberts wird am 31. Oktober in den King Stables, Hohn am Berg 7, in Schlüsselfeld zu erleben sein. Tickets sind erhältlich unter www.eventim.de

Verlosung: Die Kitzinger verlost zwei mal zwei Karten für die Veranstaltung. Einfach eine Email an redaktion.kitzingen@infranken.de mit dem Betreff „Monty“ schicken, Adresse und Tel.Nr. mit angeben. Das Losglück entscheidet. Einsendeschluss ist der 30. September.



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