Kitzingen

Gesunder Arbeitsplatz

Im Seniorenheim St. Elisabeth sind die Belastungen für die Mitarbeiter hoch. Der Arbeitgeber will helfen.
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Bewegung tut gut: Ulf Sengenberger zeigt den Mitarbeitern von St. Elisabeth Yoga-Übungen.
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Im Mehrzweckraum bewegen sich rund zehn Mitarbeiter geschmeidig nach den Anweisungen des Kitzinger Yoga-Experten Ulf Sengenberger. Ein paar Meter weiter, im Wintergarten, stehen andere Angestellte am Buffet und füllen sich die Teller mit Salat und anderen gesunden Speisen. Irgend etwas ist anders an diesem Werktag im Seniorenheim St. Elisabeth in der Kitzinger Innenstadt. Die Einrichtung hat alle Mitarbeiter zum ersten Gesundheitstag eingeladen.

Etwa 70 Mitarbeiter zählt das Haus der Caritas in der Kitzinger Kapuzinerstraße. Von der Vollzeit-Kraft bis zur zehn Stunden-Kraft, von der Auszubildenden bis zur erfahrenen Mitarbeiterin kurz vor der Rente reicht das Portfolio. Zehn Nationen sind vertreten. Leiterin Elisabeth Müller ist stolz auf ihre bunte Belegschaft, sie weiß aber auch, dass ihnen ein gesunder Arbeitsplatz gut tut.

„Die Belastung ist hoch“, sagt Müller und schließt damit die psychischen und physischen Herausforderung mit ein. Arbeiten im Schichtdienst, Patienten, die dement sind, teilweise übergewichtig. „Das geht schon an die Substanz.“ Die Caritas hat – wie viele andere Arbeitgeber auch – im letzten Jahr ein betriebliches Gesundheitsmanagement in die Wege geleitet. Es geht um Themen wie Arbeits- und Gesundheitsschutz, die Förderung der Gesundheit durch Tipps zur Stressbewältigung, eine bessere Ernährung oder Bewegungsangebote und Mitarbeiterbefragungen. „Das alles kann natürlich nur ein Baustein sein“, sagt Müller. „Die Mitarbeiter müssen auch privat etwas für ihre Gesundheit tun.“

Die Führungskräfte der Caritas in Unterfranken haben sich im letzten Jahr zusammengesetzt und ein Leitbild erarbeitet. Seither werden die einzelnen Arbeitsplätze und ihre Herausforderungen noch näher unter die Lupe genommen. Wer länger krank war, der hat Anspruch auf ein so genanntes Rückkehrgespräch. „Am Anfang hatten manche Mitarbeiter Angst, weil sie dachten, wir würden sie aushorchen“, erinnert sich Müller. Dabei geht es ihr viel mehr darum, die Gründe für eine längere Fehlzeit zu ermitteln, damit sie konkrete Hilfestellungen anbieten kann. Wer schwer heben muss, kann Hilfsmittel in Anspruch nehmen oder mit Kollegen den Dienst tauschen. Für junge Mütter versucht die Einrichtungsleiterin den Dienstplan so zu verschieben, dass sie ihre Kinder um 8 Uhr in den Kindergarten bringen können.

Arbeitgeber müssen flexibel sein, ihren Mitarbeitern ein gutes Arbeitsklima anbieten. Im Pflegesektor gilt das erst recht. „Der Markt an Mitarbeitern ist leer gefegt“, weiß Müller. Ohne ausgebildete Kräfte aus dem Ausland – meistens aus Osteuropa – wäre die Arbeit nicht mehr zu stemmen. Auch etliche Migranten haben schon zur Probe im Haus St. Elisabeth gearbeitet. Egal, woher die Mitarbeiter kommen und in welchem Bereich sie tätig sind: Alle haben sie ein Anrecht auf einen möglichst gesunden Arbeitsplatz. „Von gesunden Mitarbeitern profitieren letztendlich auch unsere Bewohner“, weiß Müller und betont: „Die Kosten für das Projekt werden nicht auf die Heimbewohner umgelegt.“

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