Kitzingen
Gesundheit

Gesucht: Rezept gegen Versandhandel

Die Apotheker im Landkreis Kitzingen kämpfen gegen die Konkurrenz aus dem Netz und gegen die Bürokratie.
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Prüfender Blick: Bernward Unger sieht im Computer nach, ob das gewünschte Medikament auf Lager ist. Foto: Ralf Dieter
Prüfender Blick: Bernward Unger sieht im Computer nach, ob das gewünschte Medikament auf Lager ist. Foto: Ralf Dieter
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Daheim sitzen, die Ware mit ein paar Klicks bestellen und am nächsten oder übernächsten Tag daheim in Empfang nehmen. Den Verlockungen des Versandhandels sind in den Tagen vor Weihnachten wieder tausende Kunden erlegen. Doch der Versandhandel gefährdet nicht nur die Existenz mancher Einzelhändler. Er bedroht auch die Apotheken.

Bayernweit hat sich die Zahl der Apotheken innerhalb eines Jahres von 3347 auf 3308 verringert. Nichts Dramatisches, aber ein Trend. Und eine Folge des Versandhandels? Bernward Unger schüttelt den Kopf. "Das kann man nicht nur auf dieses Phänomen zurückführen", sagt der Apothekersprecher im Landkreis Kitzingen. Dennoch: der Versandhandel bereitet ihm und seinen Kollegen Sorgen. "Zehn Prozent des Umsatzes nimmt der Versandhandel jeder Apotheke vor Ort weg", schätzt Apotheker Günter Merkl aus Bad Kissingen.
"Das muss man erst einmal verschmerzen."

Im Landkreis Kitzingen hat nach Ungers Kenntnis in den letzten Jahren keine Apotheke schließen müssen. "Aber viele sind im roten Bereich." Schuld daran: eine überbordende Bürokratie, immer neue gesetzliche Regeln, die Konkurrenz durch den Versandhandel. Und wenn der Arzt vor Ort wegzieht oder aufhört, wird es auch für die ansässige Apotheke ganz eng.

Das dachte auch Winfried Laug, der seit 1975 die Förstersche Apotheke in Markt Einersheim führt. Ende 2012 haben sich die örtlichen Ärzte nach Iphofen ins Ärztehaus verabschiedet. "Anfänglich hatten wir mit massiven Einbrüchen gerechnet", gibt Laug zu. "Doch es hat sich nicht bewahrheitet."

Die Reaktion der Bevölkerung hat ihn überrascht und gefreut. "Die Menschen wissen offenbar zu schätzen, wenn es eine Apotheke am Ort gibt." Etliche neue Kunden hat er sogar nach dem Wegzug der Ärzte gewinnen können. Und er hat mit seinen Mitarbeitern den Service gesteigert. "Wir liefern mehr Medikamente als früher aus", sagt er.

Den Service steigern und neue Wege gehen. Das hat auch Bernward Unger gemacht. In Mainstockheim hat er nach der Schließung der Marien-Apotheke die Main-Apotheke als Filiale seiner Dettelbacher Apotheke gegründet. Seit 2004 ist diese so genannte Filialisierung in Deutschland erlaubt. Immer mehr Apotheker machen davon Gebrauch. Jede fünfte Apotheke ist mittlerweile ein Filiale. Von 21000 selbstständigen Apotheken in 2004 ist die Zahl deshalb auf rund 17000 gesunken. Für Unger ein klares Zeichen: "Alleine sind viele Apotheken kaum mehr lebensfähig."

Die Schwanen-Apotheke von Volker Kößling in der Kitzinger Siedlung ist alleine lebensfähig. Aber die letzten zwei Jahre waren hart. Kößling spricht von einer Katastrophe und vielen Zugeständnissen an die Kassen. Dazu noch die Konkurrenz durch den Versandhandel, die den Preisdruck erhöht. Wobei sich die ausländischen Anbieter relativ leicht tun, die Preise zu drücken. Während in Deutschland die Mehrwertsteuer auf Medikamente bei 19 Prozent liegt, kassiert der Staat in Holland nur sechs Prozent. "So erklärt sich der Preisunterschied", sagt Unger. Sein Kollege Kößling würde sich deshalb eine einheitliche Regelung bei der Besteuerung in Europa wünschen.

Derzeit ist die Lage bei den Apotheken im Landkreis Kitzingen noch relativ entspannt. Aber Bernward Unger ist sich im Klaren darüber, dass die Zukunft nicht einfacher wird. Gerade für die kleineren Apotheken auf dem Land wird es nicht leicht, die Versorgung aufrecht zu erhalten und wirtschaftlich zu arbeiten - vor allem, wenn die Ärzte in größere Versorgungszentren wegziehen. Es wird wohl nicht überall so glimpflich ablaufen wie in Markt Einersheim.

Volker Kößling spricht deshalb sogar von einer tickenden Zeitbombe. "Wir werden in der Zukunft mit Schließungen rechnen müssen", prophezeit er. "Auch deshalb, weil die Suche nach Nachfolgern schwierig wird. Große Summen lassen sich beim Verkauf von Apotheken in der Regel nicht mehr erzielen. "Die jungen Nachfolger müssen kalkulieren und können hohe Verkaufspreise nicht mehr erwirtschaften", erklärt Unger. Und außerdem werden die Kunden von morgen viel selbstverständlicher mit dem Internet umgehen als weite Teile der heutigen Bevölkerung. "Der Versandhandel wird schon deshalb weiter zulegen", prognostiziert Kößling.



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