KITZINGEN

Gericht: Betrunkener liefert sich Kampf mit der Polizei

Feucht-fröhlich ging es im Sommer 2015 in einer Kitzinger Wohnung zu. Dann sollte dem Hausherrn ein Streich gespielt werden – was heftige Folgen hatte.
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Symbolbild Gericht
Symbolbild Gericht

Feucht-fröhlich ging es im Sommer 2015 in einer Kitzinger Wohnung zu: Der Alkohol floss reichlich, man könnte von einem Gelage sprechen. Der damals 20-jährige Hausherr hielt sich – wie sonst auch – an sein Bier, für härtere Getränke ist er einfach nicht zu haben. Das wussten auch zwei seiner Kumpels, die zu vorgerückter Stunde auf eine ziemlich blöde Idee kamen.

Bierflasche mit Wodka gefüllt

Aus ihrer Sicht handelte es sich um einen Scherz, den sie klammheimlich in der Küche vorbereiteten: Man schnappte sich die Bierflasche des 20-Jährigen und kippte einiges an Wodka dazu. Dann wurde die Flasche – als sei nichts gewesen – zurück auf den Wohnzimmertisch geschmuggelt. Es passierte etwas, womit die Scherzbolde so nicht gerechnet hatten: Der Biertrinker merkte nicht etwa nach ein paar Schluck die Manipulation – sondern kippte den Rest des Bieres auf einmal weg.

Spätestens jetzt lief der Scherz aus dem Ruder, die Folgen waren nicht ohne: Dem 20-Jährigen wurde schlecht, um nicht zu sagen: kotzübel. Er übergab sich und weil ihm gar so übel war, verlangte er nach einem Arzt. Einer der Anwesenden rief deshalb den Krankenwagen, wenig später waren zwei Sanitäter da, um sich des Betrunkenen anzunehmen, der es zu diesem Zeitpunkt auf knapp 2,3 Promille brachte, wie später von einem Gutachter errechnet wurde.

Kaum waren die Helfer eingetroffen, passierte etwas Seltsames: Plötzlich wollte der 20-Jährige nichts mehr von den Sanitätern wissen, wollte sich nicht untersuchen lassen und die Helfer schnell wieder loswerden. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, fing er an zu randalieren und zu schreien. Weil die Situation auszuarten drohte, riefen die Sanitäter ihrerseits die Polizei zu Hilfe.

Bei deren Eintreffen bot sich ein Bild der Zerstörung: „Die Wohnung war verwüstet“, erinnert sich eine Beamtin. Pfannen flogen durch die Gegend, ein Schrank bekam einiges ab. Aufforderungen, sich zu beruhigen, gingen ins Leere. Auf die beiden Polizisten wirkte der Wüterich so bedrohlich, dass sie neben einem Notarzt auch noch eine zweite Streife anforderten.

Mit vereinten Kräften wurde schließlich versucht, dem 20-Jährigen Handschellen anzulegen. Bei dem Versuch fiel ein Polizist mit dem sich wehrenden Mann ins Bett, wo der Kampf weiterging: Am Ende brauchte es sechs Helfer, um den sich wie verrückt windenden Betrunkenen endlich zu fixieren. Der Notarzt setzte ein Beruhigungsmittel, dann endlich konnten die Handschellen klicken. Zu diesem Zeitpunkt war das Bett ob der Überladung schon in sich zusammengebrochen – Totalschaden.

Erst mit den Handschellen war es schließlich möglich, dass der Rettungsdienst den Hausherrn mitnehmen und ins Krankenhaus bringen konnte, wo der Patient behandelt werden konnte und Infusionen erhielt.

Jetzt sitzt der heute 22-Jährige vor dem Jugendrichter, die Anklage lautet „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“. Das Problem: Der Angeklagte hat zum einen schon vier Vorstrafen. Zuletzt wurde er 2015 – zwei Monate vor dem Ausraster – wegen Sachbeschädigung zu 40 Stunden Hilfsdiensten verurteilt. Und: Nach einer Jugend voller Problemen und Auffälligkeiten hatte der junge Mann zuletzt als Zeitsoldat einen Anker im Leben gefunden. Hier könnten jetzt bei einer Verurteilung unangenehme Folgen drohen.

Während der Verteidiger Freispruch forderte, weil bei der Festnahme die Verhältnismäßigkeit der Mittel nicht gewahrt worden sei und ein Gutachter eine eingeschränkte Schuldfähigkeit an jenem Abend attestiert hatte, sahen das Staatsanwaltschaft und Jugendrichter anders: Es setzte – nach Jugendstrafrecht – eine Geldauflage über 1000 Euro. Über das Geld – und hier schließt sich der Kreis – darf sich das Rote Kreuz in Kitzingen freuen.

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