Kitzingen
Überraschungsfest

Gerd Menche seit 25 Jahren Vorsitzender des Tierschutzvereins

"Ihr seid wahnsinnig!" Gerd Menche, der seit 25 Jahren Vorsitzender des Tierschutzvereins ist, schlug die Hände vors Gesicht und wandte sich reflexartig wieder Richtung Haustür. Von dort war er gerade hereingekommen. Tausende Male hatte er das Kitzinger Tierheim schon so betreten. Doch am Dienstag warteten - Überraschung! - gut ein Dutzend Gäste mit Sektgläsern in der Hand auf ihn.
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Überraschung! Gerd Menche wird im Tierheim mit viel Applaus von allen Seiten begrüßt.  Fotos: Diana Fuchs
Überraschung! Gerd Menche wird im Tierheim mit viel Applaus von allen Seiten begrüßt. Fotos: Diana Fuchs
Rasch zogen sie den Vorsitzenden des Tierschutzvereins in ihre Mitte. "Du lieber Schieber, die ganzen Honoratioren....", Menche sah sich im Raum um. "Deshalb hat meine Frau gesagt, ich soll mich anständig anziehen."

Heide Menche hatte sich als gute Komplizin für Iris von Crailsheim und dem übrigen Vorstand des Tierschutzvereins Kitzingen Stadt und Landkreis e.V. erwiesen: Gemeinsam schafften sie es, dass es ihrem "Chef", der sonst "so wunderbar blumige Reden hält", kurz die Sprache verschlug. Iris von Crailsheim, Menches Stellvertreterin, nutzte die Gelegenheit und erinnerte an den Herbst 1987: Damals hatte ein Bekannter den erst kürzlich nach Kitzingen gekommenen Apotheker spontan mit zur Jahreshauptversammlung des Tierschutzvereins geschleppt - und Menche hatte das Lokal als 2. Vorsitzender verlassen. Schon ein halbes Jahr später trat die damalige Vorsitzende zurück, und Gerd Menche wurde einstimmig zum Nachfolger gewählt.
Seitdem hat er das Amt als "Ober-Anwalt der Tiere" inne.

"Vielleicht war es gut, dass der nervenstarke Hesse damals nicht genau wissen konnte, worauf er sich einließ", meinte Iris von Crailsheim. Denn es folgten viele turbulente Jahre - Jahre, in denen immer wieder die Frage im Raum stand: "Wird das Tierheim zu halten sein?" Ein nervenaufreibender Neubau konnte gestemmt werden, doch speziell der Abzug der Amerikaner bescherte dem Tierheim neue finanzielle Sorgen.

Diplomatisch und friedfertig

Es sei zu einem Großteil der "diplomatischen, offenen, fachkundigen, friedfertigen und trotzdem durchsetzungsfähigen Art" Menches zu verdanken, dass das Tierheim heute so gut dastehe, sagte von Crailsheim unter dem Applaus aller.

Der 75-jährige Apotheker freute sich vor allem über das Attribut "friedfertig" - und darüber, dass diese Grundstimmung auf sein langjähriges Team abgefärbt habe. "So lange meine inneren Werte es zulassen - Cholesterin, Zucker, Blutdruck -, mache ich weiter."

Die Lacher auf seiner Seite hatte auch der stellvertretende Landrat Robert Finster, der an zahlreiche Anrufe erinnerte, die er während seiner Zeit bei der Polizei erhalten hatte: "Wenn er gesagt hat: 'Pass' ma auf, Herr Finster, da müss' mer was mach', war klar, dass das so ist." Menche nickte: "Dann sind wir zusammen zu den Kühen gefahren, die bis zum Euter im Dreck steckten."

Ehrennadel zum Jubiläum

Extra aus Hammelburg angereist war Marion Friedl, Vizepräsidentin des bayerischen Tierschutzbundes. Sie überreichte Menche die Ehrennadel in Gold.

Besonders freute sich der Tierschützer über den Besuch seiner früheren Vorstandskolleginnen Elisabeth Zoller und Irene Eirich. Auch Stadträtin Rosi Richter und ihr Mann Wilhelm, Tierarzt des Tierheims, wünschten alles Gute, ebenso wie Robert Endres vom Landesbund für Vogelschutz in Kitzingen und natürlich Oberbürgermeister Siegfried Müller. Das Tierheim-Team mit Leiterin Angela Drabant dankte dem Vorsitzenden des Trägervereins ebenfalls herzlich.

Was Menche, der neben vier leiblichen Kindern und einem Adoptivkind mittlerweile auch neun Enkel hat, am meisten freut? "Dass es gelungen ist, das Tierheim mit Sachverstand und Geschäftssinn schuldenfrei zu bekommen." Dafür - da waren sich alle einig - hatte Menche den überraschenden Sektempfang mehr als verdient.
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